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TV-Tipp: Zwei Verlierer und ein Mädchen

Mit "Baby" hat der Musikvideo-Regisseur Philipp Stölzl seinen ersten Spielfilm vorgelegt. Mit einer Mischung aus Tragik und Komik erzählt der Film die Geschichte einer merkwürdigen Dreierkonstellation.

Als Philipp Stölzl Ende 2001 seinen ersten Spielfilm drehte, hatte er sich bereits einen Namen als Regisseur von Musik-Videos gemacht. Auf der Suche nach einem neuen Tätigkeitsfeld geriet er an das Skript zu "Baby", das er nach langem Hin und Her um Besetzung und Finanzierung schließlich als Cinemascope-Film auf die Leinwand brachte. Nach dem Kinostart im vergangenen Jahr zeigt die ARD die ausgefallene Geschichte um zwei Verlierer und ein Mädchen voller Lebensbejahung an diesem Donnerstagabend (23.00 Uhr) in der Reihe "Debüt im Ersten 2005".

Der Film beginnt und endet an der holländischen Nordseeküste. In einer furiosen Eröffnungsszene wird erst ein Kind aus der Brandung gerettet, dann sterben zwei Frauen in einem explodierenden Auto. Es sind die Frauen von Frank (Filip Peeters) und Paul (Lars Rudolph), die von nun an gemeinsam mit Franks Tochter Lilli, dem geretteten Kind, in einer Wohnung leben.

Alice Dwyer als Lolita

Während die Männer mit mehr oder weniger krummen Geschäften den Lebensunterhalt der Drei bestreiten, wächst Lilli zu einer unschuldig-raffinierten 15-Jährigen heran, die nicht nur einen Imbissboten, sondern auch ihren "Zweitvater" Paul verführt. Mit der Besetzung der Lilli-Rolle hatte Regisseur Stölzl seine Schwierigkeiten. Erst zwei Wochen vor Beginn der Dreharbeiten brachte Co-Regisseur Johannes Grebert seine damals 13-jährige Stieftochter Alice Dwyer ins Gespräch. Und sie erwies sich als perfekt für die Rolle des Mädchens, das in mancher Hinsicht schon eine Frau ist.

Als Frank erfährt, dass Lilli schwanger ist, rastet er aus und erschießt den vermeintlichen Verführer Tommy (Hamid Bundu). Während Frank im Gefängnis festsitzt, flüchtet Paul mit Lilli nach Holland. In einem Trailerpark an der Küste verstecken sich die beiden. Je nachdem, mit wem sie zusammentreffen, geben sie sich mal als Paar, mal als Vater und Tochter aus. Lillis Bauch wird immer runder, sie und Paul bereiten sich auf die Geburt des gemeinsamen Kindes vor.

Signal der Hoffnung

Dann dämmert es Frank im Gefängnis, dass er vielleicht den falschen "Täter" erschossen hat. Er entkommt aus der Haft und sucht die beiden mit sicherem Instinkt genau dort, wo vor Jahren die beiden Frauen ums Leben gekommen sind. Die verbale und körperliche Auseinandersetzung der beiden Männer platziert Stölzl mitten in die Brandung hinein - wo alles begonnen hat. Und am Ende setzt Lilli mit der Geburt ihres Kindes ein Signal der Hoffnung gegen die Tristesse im Leben der beiden Verlierertypen Frank und Paul.

Für Philipp Stölzl war es ein langer Weg zu seinem ersten Kinofilm. Das ursprüngliche Skript von David Hamblyn gab er dem erfahrenen Drehbuchator Wolfgang Kohlhaase zur Überarbeitung, der mehrere Fassungen schrieb. Kohlhaase hatte unter anderem das Drehbuch zu der erfolgreichen DDR-Produktion "Solo Sunny" (1980) verfasst. Nicht nur das Drehbuch, auch Besetzung und Finanzierung zogen sich in die Länge. Die Mischung aus Tragik und Komik sei den Geldgebern - darunter NDR und Arte - schwer zu vermitteln gewesen, sagte Stölzl später. Und auch, dass er als Videoclip-Regisseur diesen Film "genau so machen wollte, wie es im Skript steht. Mit langen Einstellungen. In Cinemascope".

Klaus Koch/DPA / DPA
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