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Venedig-Tagebuch: Kidman ist da, Cruise leider wieder weg

Das wichtigste Thema des achten Tages war die Ankunft von Nicole Kidman. Doch die gab sich wortkarg. Die Gunst der Stunde nutzte Lauren Bacall und machte sich beim Publikum beliebt.

Von Matthias Schmidt

Sie ist da. Nicole, die Göttliche. Die Fraufrau. Der örtlichen Tageszeitung "Corriere del Veneto" ist dieses Großereignis, die Ankunft der "ultima diva" gleich einen Bericht samt Farbbild auf Seite eins wert. Statt russischer Trauerfotos oder entführter Italiener nun also eine fröhlich winkende Blondine im Marine-Look für die werten Leser. Vier lange Jahre ist es schon her, dass Nicole Kidman das letzte Mal das Festival beehrte, werden die Reporter nicht müde zu erzählen. "Eyes Wide Shut" hieß der Film damals, der letzte des Regie-Genies Stanley Kubrick. Und natürlich war die Australierin zu dieser Zeit noch mit Tom Cruise verheiratet. Der war zwar einige Tage zuvor ebenfalls auf dem Lido, um für seinen Thriller "Collateral" zu werben. Doch inzwischen ist Cruise längst wieder von dannen. Zu schade für die einheimischen und angereisten Paparazzi-Horden. Eine dramatische Wiedervereinigung der Superstars auf einem mehr oder wenigen scharfen Foto: So was würden wohl nicht nur Lokalzeitungen groß drucken.

Kidman enttäuscht, Bacall begeistert

Zudem wohnt Kidman nicht mal auf dem Lido, sondern auf der etwas abgelegenen Nachbarinsel Giudecca im noblen Hotel Cipriani. Ihren ersten Tag verbrachte Kidman aber vor allem mit Interviews im Schnelldurchlauf und zwar im Luxushotel "Des Bains", das schon für die berühmte Thomas-Mann-Verfilmung "Tod in Venedig" als Kulisse herhielt. Die Journalisten, die die Ehre hatten, die - noch mal die italienischen Kollegen - "donna perfetta" treffen zu dürfen, kamen jedoch eher ernüchtert zurück. Zu routiniert, zu nichtssagend ihre Antworten. Und auf der Pressekonferenz für ihren Film "Birth" gab sich Kidman ebenfalls recht gelangweilt. Ließ nichts Privates aus ihrem Leben durchsickern, schon gar nichts über ihren angeblich neuen Verehrer, den italienischen Super-Playboy Flavio Briatore.

Dafür sammelte eine andere Blondine fleißig Sympathiepunkte: Lauren Bacall. Die große alte Hollywood-Dame spielt in "Birth" die Mutter von Kidman. Ähnlich schlagfertig und souverän wie Bacall im Film den Umstand meistert, dass ihre Tochter mit einem Zehnjährigen in die Wanne steigt, brachte sie die Presse auf ihre Seite. Frage: Wie schaffen Sie es noch mit 80 so gut auszusehen, Frau Bacall. Antwort: "Ich versuche einfach, am Leben zu bleiben." Ach ja, es gab doch noch was Neues über Nicole. In einer Interviewpause hat sie ein Diet Coke getrunken und sieht angeblich total magersüchtig aus. Herrlich, dieses Halbwissen!

Tod in Venedig abgewendet

In einer anderen Galaxie hat Harvey Weinstein, der unübersehbare Boss von Miramax, seine deftige Kritik an Festivalchef Marco Müller noch mal verteidigt und zugleich gemildert. Wie bereits berichtet, wollte Weinstein, nachdem sein Star Johnny Depp über zwei Stunden auf seine Premiere hatte warten müssen, Müller mit Zementschuhen in die Lagune oder den Canale Grande werfen. Weinstein in einem späteren Interview: "Die Leute hier haben so tolle Arbeit bei der Filmauswahl geleistet, dass sie wohl einige organisatorische Dinge übersehen haben. Jemand musste sie daran öffentlich erinnern. Von meiner Seite aus gibt es keinen Protest oder Boykott. Wir wollen die Ärmel hochkrempeln und helfen." Klingt doch schon versöhnlicher.

Das nächste Spektakel kommt bestimmt

Wenn Nicole Kidman nach ihrer abendlichen Galavorstellung wieder abreist, steht ein noch größeres Spektakel auf dem Programm. Schon seit mehreren Tagen telefonieren die Damen und Herren des Filmverleihs UIP wild durch die Mobilnetze, um Medienvertreter ein- und wieder aus- und wieder einzuladen. Zur Premiere von "Shark Tale", nach "Shrek 2" dem neuen Animationsknaller aus dem Hause Dreamworks. Dafür hat Produzent Jeffrey Katzenberg nicht irgendein Kino gemietet, sondern gleich den ganzen Markusplatz. Donnerstagabend wird zuerst feierlich die größte aufblasbare Leinwand der Welt errichtet, Freitagabend läuft dann der Film in Anwesenheit einiger der Hauptstimmen: Robert de Niro, Angelina Jolie und Will Smith. Ein echtes Großereignis also, dass es sicher wieder auf Seite eins schafft.