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Videointerview Nadja Uhl: Vom Kumpel zur Terroristin

Für die Darstellung einer Alkoholikerin in "Die Stille nach dem Schuss" bekam sie 2000 den Silbernen Bären, mit dem Überraschungserfolg "Sommer vorm Balkon" wurde sie bekannt: Im stern.de-Videointerview erzählt Nadja Uhl über ihre Zusammenarbeit mit Regisseurin Doris Dörrie und ihr Rollenspektrum.

Von Kathrin Buchner

"Oh, was ist das für ein Licht", schreckt sie zusammen, als sie den Raum betritt, einen unterkühlten Konferenzraum einer Hotelkette. "Das könnt ihr doch nicht machen, ich hatte doch nur vier Stunden Schlaf", meint sie flapsig. Nadja Uhl guckt einen aus blauen Augen an und lacht. So richtig ernst kann man ihre Besorgnis nicht nehmen, und das will sie auch gar nicht. Schließlich sieht die 33-Jährige auch übernächtigt noch tiptop aus.

Ein großes Ding macht sie daraus sowieso nicht. Zickigkeit ist nicht die Sache der Nadja Uhl. Schnoddrig-berlinerisch, offen und unkompliziert, so kommt sie rüber. Nicht nur in den meisten ihrer Rollen, auch privat. Beim Kameraaufbau erzählt die Schauspielerin, dass sie seit der Geburt ihrer Tochter nicht mehr so lange gefeiert hat wie bei der Premierenfeier von "Kirschblüte - Hanami", dem neuen Film von Doris Dörrie, der auf der Berlinale vorgestellt wurde.

Darin geht es um ein älteres Ehepaar, das sich erst wirklich verstehen lernt, als es zu spät ist. Relativ klein ist Uhls Rolle darin, aber entscheidend. Sie spielt Franzi, die Lebensgefährtin der Tochter des Witwers. Sie ist diejenige, die den Witwer dazu bringt, dem Lebenstraum seiner Frau nachzureisen - nach Japan zum Kirschblütenfest. "Ich denke mir, dass Franzi ein Mensch ist, der weiß, dass Liebe nicht selbstverständlich ist. Das lebt sie auch: Sie ist dankbar für das, was kommt und hat viel zu geben", sagt Uhl.

Wie vielseitig ihr darstellerisches Repertoire ist, beweisen ihre Rollen 2007. Gerade hat Nadja Uhl die Dreharbeiten zum Film über die RAF-Fraktion beendet. Darin spielt sie die Terroristin Brigitte Mohnhaupt, eine der führenden Köpfe der zweiten RAF-Generation. "Hier kommt der Gedanke der Veränderung nicht aus der verpassten Chance, der Liebe zum Leben, sondern aus der Überzeugung, dass man sie mit Gewalt durchsetzen muss. Das ist ein ganz anderer Ansatz als in 'Kirschblüte', und hat mein Spektrum sehr spannend gestaltet. Ich lerne was von den Figuren, ich lerne was über das Leben", sagt Uhl.

Bevor sie geht, trinkt sie ihren Kaffee aus und schiebt sich noch ein belegtes Brötchen in den Mund. Daheim erwartet sie ein Haufen Arbeit. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten hat sie ein riesiges altes Haus in Potsdam gekauft, das sie renovieren. Ein Lebenswerk. Aber auch davor schreckt Nadja Uhl nicht zurück.

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