Zensur oder Pressefreiheit Cinemaxx setzt "Tal der Wölfe" ab


Nach zwei Wochen hat die Kinokette Cinemaxx den umstrittenen türkischen Actionfilm abgesetzt. Man wolle "die angespannte Lage nicht weiter fördern".

Die Kinokette Cinemaxx wehrt sich gegen die Darstellung, den türkischen Actionfilm "Tal der Wölfe" aus politischen Gründen abgesetzt zu haben. Ein Unternehmenssprecher erklärte am Mittwoch, man habe von Anfang mit dem Verleih eine 14 Tage dauernde Aufführungsfrist für acht Kopien vereinbart. Diese Frist sei am Mittwoch ausgelaufen, ab (dem morgigen) Donnerstag läuft der Streifen nicht mehr bei Cinemaxx.

"Wir haben uns bereits vergangene Woche entschieden, den Film 14 Tage zu zeigen und eben nicht abzusetzen", sagte Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt. Ausdrücklich wies Schmidt ein Lob der bayerischen Staatsregierung zurück. Staatskanzleichef Eberhard Sinner (CSU) hatte erklärt, "die Absetzung dieses Hass-Films durch die größte deutsche Kinokette ist ein wichtiges Signal der gesellschaftlichen Verantwortung".

Edmund Stoiber hatte Absetzung gefordert

Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte mehrfach eine Absetzung des Filmes gefordert. Schmidt sagte, bei der Entscheidung der Cinemaxx-Kette seien auch die Besucherzahlen ein Kriterium gewesen. "Erstens hatten wir Besucherrückgänge, zum anderen haben wir festgestellt, dass der Film sehr stark polarisiert." Einerseits sei an das Kino der Wunsch herangetragen worden, mehr Kopien zu zeigen, anderseits hätten Gegner des Films die Absetzung gefordert. "Wir haben deshalb entschieden, wir wollen die angespannte Lage nicht weiter fördern und die beiden Lager nicht weiter aufbringen", betonte der Sprecher.

Ein Auslaufen eines Kinofilms nach zwei Wochen Vertragslaufzeit "ist bei uns ein ganz normaler Vorgang", fügte Schmidt hinzu. Dem Actionfilm, in dem ein türkischer Geheimdienstheld im Irak gegen Amerikaner kämpft, wird von mehreren Seiten eine extrem einseitige antiamerikanische Darstellung des Irak-Kriegs vorgeworfen. Die Kritik an dem Film entzündet sich vor allem daran, dass Christen und Juden als Feindbild der islamischen Welt dargestellt würden.

Vor allem türkische Kritiker nannten diese Einstufung jedoch zu pauschal und verwiesen auf ähnlich geartete Hollywood-Streifen in denen Russen, Araber oder Asiaten als klischeehafte Feindbilder dienten, ohne das dies je auf großen Widerspruch der Politik getroffen sei.

DPA DPA

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