VG-Wort Pixel

"Die Stunde Null" Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe: "James Bond war unsere letzte Hoffnung"

Daniel Craig wird im neuen "James Bond"-Streifen zum fünften Mal in die Rolle des britischen 007-Agenten schlüpfen
Daniel Craig wird im neuen "James Bond"-Streifen zum fünften Mal in die Rolle des britischen 007-Agenten schlüpfen
© Piotr Zajac/Shutterstock.com
Es war Fanal und Symbol zugleich: Der neue James Bond wird erneut verschoben, ins Frühjahr 2021. Für die Kinobetreiber war das ein Schock. In dieser Folge sprechen wir mit einem der bekanntesten Köpfe der Branche: Hans-Joachim Flebbe. Er gründete vor 30 Jahren die Kette Cinemaxx, inzwischen betreibt er vor allem unter der Marke Astor eine Reihe von Premium-Kinos.

Die erneute Verschiebung des James-Bond-Filmes ins Frühjahr 2021 ist für die Kinobetreiber ein schwerer Schlag -  und der Titel "No Time To Die" mag inzwischen wie Hohn für sie klingen. "Für die Kinobranche ist das eine Katastrophe – wir hatten uns gerade hochgerappelt und auf einen versöhnlichen Jahresabschuss gehofft", sagte Hans-Joachim Flebbe, Betreiber einer Reihe von Premiumkinos wie dem Berliner Zoopalast, im Podcast "Die Stunde Null" (Hier direkt reinhören).

"Im Grunde haben wir in diesem Jahr nun nichts mehr zu spielen, es gibt keine attraktiven Filme mehr." Auch Blockbuster wie "Wonder Woman 1984" waren bereits auf Ende Dezember verschoben worden. Den Zeichentrick-Klassiker "Mulan" hatte Disney direkt auf dem eigenen Streamingdienst Disney+ gezeigt, "mit – für uns – zum Glück desaströsen Ergebnissen", sagte Flebbe, der vor gut drei Jahrzehnten die Kinokette Cinemaxx gegründet hatte.

Seit Wochen trommelt Flebbe für die Branche, vor allem für veränderte Abstandsregeln (ein Meter), da habe man "gekämpft wie die Löwen".  Bei 1,50 Meter wäre nur eine Auslastung von maximal 25 Prozent möglich gewesen, was sich nicht lohnt. Bei einem Meter Abstand kommen Kinos auf bis zu 60 Prozent. "Kinos sind ein sicherer Ort", sagte Flebbe. "Es gibt weltweit keinen Nachweis für einen Hotspot in Kinos. Man schaut ja nur nach vorne und redet nicht. Die Gefahr ist geringer als in Restaurants oder Büros."

"Das Worst-Case-Szenario für unsere Branche ist, wenn keine normalen Kinostarts mehr zu Stande kommen und die Streamingdienste das Geschäft übernehmen", sagte Flebbe. "Man lebe derzeit von KfW-Mitteln und dem Kurzarbeitergeld. Der Unternehmer, der auch den Zoo Palast in Berlin betreibt, kritisierte allerdings das Corona-Paket der Bundesregierung. "Das ist für mich die größte Enttäuschung." Von den 25 Milliarden Euro seien nur 800 Millionen Euro abgerufen worden. "Da stehen mir die Haare zu Berge."

Das Paket sei zu kompliziert und bürokratisch, die Hilfen kämen nicht an, das Ganze sei eher "wie Schikane". Die Kinobranche, die weltweit 2019 noch 43 Milliarden Dollar umsetzte, hatte Blockbuster wie "James Bond" fest eingeplant. Als "Body Blow" für die Industrie, als schweren Schlag, bezeichnete Tim Richards die Verschiebung, Chef von Vue Entertainment, die in Deutschland die Cinemaxx-Kette betreiben und im Frühjahr die Kinos von Cinestar übernommen hat. Mooky Greidinger, Chef von Cineworld – neben AMC und Cinemark der größte Betreiber in den USA – sagte, Kinos fühlten sich inzwischen wie ein "Lebensmittelladen ohne Lebensmittel" an.

Cineworld, zweigrößte Kette der Welt, schließt vorübergehend alle seine 650 Lichtspielhäuser in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Irland. Das kostet rund 45.000 Mitarbeiter die Jobs. "Ohne staatliche Hilfe werden wir nicht überleben", sagte Flebbe, dessen Kinos derzeit rund 600.000 Euro pro Monat verlieren, insgesamt 4,2 Mio. Euro.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker