HOME

Stern Logo Hörbücher

Hörbuch-Tipp

Paul Cleeve – Der siebte Tod: Sympathie für einen Serienkiller

Ein Psychothriller, der an die Substanz geht. Mit erzählerischen Tricks verführt Paul Cleeve zur Sympathie mit einem brutalen Vergewaltiger und Serienkiller. Dieser perfide Zwiespalt ist nichts für schwache Nerven.

Hörbuchtipp - Paul Cleeve "Der siebte Tod"
Getty Images

Worum geht es?

Joe. Für den Hauptdarsteller in Paul Cleeves Buch könnte es keinen passenderen Namen geben. Joe steht im Englischen für den Jedermann, der unauffällige Durchschnittstyp. Und genauso jemand ist der nette Joe, der als Putzkraft im Polizeihauptquartier von Christchurch in Neuseeland arbeitet. Er ist immer da, doch unsichtbar. Ein dienstbarer Geist. Joe ist Anfang 30, schlank, stets freundlich, fast devot und geistig leicht zurückgeblieben. Das jedenfalls ist der äußere Joe. Der innere ist ein eiskalter, kongenialer Serienmörder. Seine geistige Behinderung, seine vermeintlichen körperlichen Ticks – alles perfekte Fassade.

Joe ist Protagonist und Erzähler, es ist allein sein Buch. Und so nimmt Joe den Hörer mit in seine Welt. Er berichtet von seinen Morden, der Planung, seinem Vorgehen so abgeklärt, als handele es sich um eine alltägliche Bürotätigkeit. Joe ist vollkommen unfähig zur Empathie. Er fühlt nichts, außer vielleicht eine fast schon überhebliche Liebe zu sich selbst und zu seinen Fähigkeiten.

Paul Cleeve - Der siebte Tod. Die ungekürzte Hörbuchfassung des Psychothrillers von Paul Cleeve wird von Martin Keßler gelesen und ist bei Audible erhältlich.

Paul Cleeve - Der siebte Tod. Die ungekürzte Hörbuchfassung des Psychothrillers von Paul Cleeve wird von Martin Keßler gelesen und ist bei Audible erhältlich.

Sechs Frauen hat Joe bereits umgebracht, als die Nachricht von einem siebten Opfer bei der Polizei eintrifft. Joe ist Außer sich. Der Mord geht nicht auf sein Konto. Offenkundig gibt es einen Nachahmungstäter. Gekränkt in seinem Stolz wird der Serienkiller nun selbst zum Ermittler. Er will seinen Trittbrettfahrer zur Strecke bringen – und ihm alle anderen Morde anhängen.

Wer spricht?

Martin Keßler, die deutsche Stimme von Nicolas Cage, hat sämtliche Protagonisten fest im Griff. Jeder Person verpasst er eine unverwechselbare Farbe. Als Joe wechselt Keßler in diesen typischen Nicolas-Cage-Modus, so dass sich beim Hörer schnell das Bild einstellt, Joe würde wie der US-Schauspieler aussehen. Da Cage in seinen Filmen stets den Guten spielt, passt das wunderbar in die Erzählstruktur des Thrillers. In diesem Fall ist das Hörbuch sogar besser als die Lektüre des Buches.

Für wen geeignet?

Paul Cleeve gelingt ein erzählerisches Kunststück, das bei den Hörern stetig die Nerven ein Stückchen mehr bloßlegt. Er verführt das Publikum zu Sympathien mit dem Killer. Die beiläufige Sprache mit der Joe seine Morde beschreibt, transformiert die abscheuliche Gewalt in eine Groteske. Wenn ein Opfer nicht zügig genug sterben will, hat das in der Welt von Joe den gleichen Stellenwert, als bekäme er eine dunkle Zimmerwand erst nach dem dritten Anstrich weiß. Ein lästiges Ärgernis, wegen dem man das Kino am Abend zu verpassen droht, mehr nicht. Man ertappt sich beim Lachen. Hofft gar insgeheim, er möge nicht auffliegen. Und genau in diesem Augenblick wechselt der Hörer auf Joes Seite. Morden wird komisch, weil die Opfer für kurze Zeit entmenschlicht sind. Sie sind eine Aufgabe, die es zu erledigen gilt. Dieser perfide Zwiespalt ist schon bald kaum mehr auszuhalten. Nicht umsonst wird der Thriller zum Beispiel bei Audible erst ab 18 Jahren empfohlen. Wer den Film „Die üblichen Verdächtigen“ mit Kevin Spacey und "Kaltblütig" von Truman Capote mochte, ist bei Paul Cleeves "Der siebte Tod" genau richtig.

Pimp my Allgemeinwissen!: Zwölf Hörbücher, die einen sofort schlauer machen
Schwierige Dinge einmal ganz, ganz einfach erklärt  Warum fliegt ein Flugzeug? Wie kann Radioaktivität unser Erbgut verändern? Was sind Bitcoins? Warum träumen wir? "Erlkär's mir, als wäre ich 5" richtet sich eigentlich nicht an Kinder, sondern ebenso an Erwachsene, die schwierige Fragen, einfach erklärt haben möchten. Die Sendung mit der Maus für die Ohren sozusagen. 

Schwierige Dinge einmal ganz, ganz einfach erklärt

Warum fliegt ein Flugzeug? Wie kann Radioaktivität unser Erbgut verändern? Was sind Bitcoins? Warum träumen wir? "Erlkär's mir, als wäre ich 5" richtet sich eigentlich nicht an Kinder, sondern ebenso an Erwachsene, die schwierige Fragen, einfach erklärt haben möchten. Die Sendung mit der Maus für die Ohren sozusagen.