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TV-Tipp

"Honigfrauen" im ZDF: Sommer, Sonne, Stasi-Spitzel: Die DDR in Badehose

Von der Sommerkomödie zum DDR-Thriller: Mit dem Dreiteiler "Honigfrauen" wagt das ZDF einen großen Spagat zwischen den Genres. Tolle Schauspieler sorgen dafür, dass das meist funktioniert.

Honigfrauen

An drei Sonntagen nimmt der ZDF-Mehrteiler "Honigfrauen" die Zuschauer mit in die 80er an den Balaton. Die Schwestern Catrin (Cornelia Gröschel) und Maja (Sonja Gerhardt) freuen sich auf den Sommer ihres Lebens - und treffen in Ungarn erstmals auf Wessis. Die nennen Frauen aus dem Osten "Honigfrauen": "Weil wir so süß sind", glaubt Maja. "Weil die so an einem kleben", lachen die Bayern.

Maja (Sonja Gerhardt) ist jung, abenteuerlustig - und lebt hinter der Mauer in der DDR. Im Sommer 1986 will sie endlich etwas erleben: Zusammen mit ihrer Schwester Catrin (Cornelia Gröschel) darf sie zum Zelten nach Ungarn an den Balatonsee reisen. Für Maja geht ein Traum in Erfüllung, sie will jede Minute ohne Elternaufsicht auskosten. Ihre Schwester ist vernünftiger - und vor allem vorsichtig, was den Kontakt mit dem Klassenfeind angeht. Denn am Balaton treffen Ost und West in Badehose aufeinander und das macht die Stasi misstrauisch. Bald schon entpuppt sich der harmlose Sommerurlaub als unerwartet gefährlich.

Mit dem ZDF-Dreiteiler "Honigfrauen" kommt eine ordentliche Portion Ostalgie ins TV. Vor allem der erste Teil macht Spaß und fängt das süße Gefühl von Sommer, Erwachsenwerden und erster Liebe ein. Dazu der 80er-Jahre-Soundtrack und die liebevolle Ausstattung - fertig ist die charmante DDR-Komödie. Eigentlich. Denn schon im zweiten Teil schwenkt der TV-Film um, wird ernster, dramatischer - und ja, auch ein bisschen mehr zur Seifenoper. Ein ungewöhnlicher Ansatz, der dank der tollen Schauspieler meist trotzdem funktioniert. Hier sticht vor allem Sonja Gerhardt als junge Mara heraus. Die 24-Jährige hat gerade für "Kudamm 56" den deutschen Fernsehpreis gewonnen, spielte auch in "Deutschland 83" mit und scheint auf Historien-Filme gebucht zu sein.

Von "Kudamm 56" bis zu den "Honigfrauen" - Sonja Gerhardt liebt historische Rollen

Strategie steckt jedoch nicht dahinter, wie sie dem stern erzählt. "Ich suche mir nicht bewusst Filme aus der DDR-Zeit aus, mich fasziniert immer zuerst die Rolle. Aber es ist interessant, etwas Historisches drehen und Geschichten von früher erfahren zu dürfen. Für 'Honigfrauen' habe ich mich intensiv mit meinen Kollegen ausgetauscht, Anja Kling und Götz Schubert sind zum Beispiel beide im Osten aufgewachsen. Sie haben mir von den damaligen Gegebenheiten erzählt. Kannte man als junger Mensch im Osten bestimmte Dinge überhaupt? Hatten sie damals schon einmal Bananen gesehen oder Wassermelone gegessen? Klar, hatten sie das - aber das waren Fragen, die wir uns stellen mussten."

Das ZDF zeigt "Honigfrauen" an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen ab dem 23. April, immer um 20:15 Uhr

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