VG-Wort Pixel

Google-Doodle für Eadweard Muybridge Der Mann, der die Bilder zum Laufen brachte


Es sind nur 24 Bilder. Zusammen nur drei Sekunden lang. Doch mit ihnen schuf Eadward Muybridge die Grundlage für den Film. Google ehrt den Fotopionier mit einem Doodle zu seinem 182. Geburtstag.
Von Oliver Noffke

Ein laufendes Pferd. Aber das Pferd ist gar nicht da. Es schläft im Stall, steht auf der Wiese oder ist vielleicht schon längst gestorben. Trotzdem läuft das Pferd. Für die Ewigkeit festgehalten. Sein Galopp für immer dokumentiert und endlos abspielbar. Ein Kunstwerk geschaffen vor mehr als 130 Jahren von dem Engländer Eadweard Muybridge. Das erste bewegte Bild.

Am 19. Juni 1878 bestellte Muybridge eine Reihe von Journalisten zu einer Trabrennbahn ins kalifornische Paolo Alto. Er wollte beweisen, dass Pferde im schnellen Galopp für einen kurzen Moment alle Hufe in der Luft haben. Mit bloßem Auge ist das nicht zu fassen, schließlich können Pferde Geschwindigkeiten von 60 km/h und mehr erreichen. Ein Jahr zuvor hatte er schon einmal etwas Derartiges auf einer Wissenschaftsmesse präsentiert. Jedoch glaubte ihm keiner, dass er die Bilder nicht nachbearbeitet hatte.

Paolo Alto sollte das ändern. Jockey Sallie Gardner musste mit genau 58 km/h auf dem Rappen Occident an 24 Kameras vorbeirasen, die in einem penibel berechneten Abstand voneinander aufgestellt waren. Occident löste die Kameras aus, indem er mit seinen Hufen gespannte Schnürre zeriss. Anschließend entwickelte Muybridge die Bilder und setzte sie vor den Augen der verdatterten Journalisten zusammen. Das Ergebnis ist der erste Film der Geschichte. Ein etwa drei Sekunden kurzer Clip, der endlos wiederholt werden kann. Drei Sekunden, welche die Welt veränderten.

Das Jahr 1878 - Triumph und Katastrophe

In der Folge half Muybridge Thomas Edison, dem Erfinder der Glühbirne, dabei, eine Kamera zu entwickeln, die mehrere Bilder in schneller Abfolge auf ein bewegliches Filmband bannen sollte.

Im Privatleben von Muybridge ereignete sich noch im selben Jahr des Triumphs von Paolo Alto seine größte Katastrophe. Als er seine Frau mit ihrem Liebhaber in flagranti erwischte, erschoss er ihn und musste sich anschließend vor Gericht verantworten. Die Jury entschied, dass der Mord zu vertreten sei und sprach Muybridge frei. So sah die Rechtsprechung im 19. Jahrhundert aus.

Moderne Neuauflage seiner Ideen

Sehr prominent wurden die ursprünglichen Ideen von Muybridge 1999 in dem Film "Matrix" wieder aufgegriffen. In den verlangsamten Kampfszenen und Schussfrequenzen kamen mehrere Dutzend Fotokameras zum Einsatz - anstatt einer Filmkamera. Dadurch konnte ruckelfreie Zeitlupeneinstellungen mit haarsträubenden Kamerafahrten kombiniert werden.

Den Film im ursprünglichen Sinne gibt es heute eigentlich gar nicht mehr. Durch digitale Kameras ist es so einfach und vor allem billig geworden zu fotografieren und zu filmen - die analoge Filmtechnik kann da nicht mehr mithalten. Stattdessen kann jeder zum Künstler werden. Auch auf der großen Leinwand werden Filme immer öfter digital aufgenommen statt auf Film gedreht. Eine Entwicklung, an deren Anfang Muybridges' galoppierendes Pferd stand.

Gemeinsam mit dem Franzosen Étienne-Jules Marey und dem Deutschen Ottomar Anschütz ist er der bedeutendste Vertreter der frühen Chronofotografie, die schließlich das Zeitalter des Films einleiten sollte. Google ehrt Eadweard Muybridge an seinem 182. Geburtstag mit einem animierten Doodle.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker