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Foto-Triennale in Hamburg Im Schein des Bildschirms

"Stranger in the light" hat Catherine Balet ihr beinahe altmeisterlich anmutendes Foto genannt.
"Stranger in the light" hat Catherine Balet ihr beinahe altmeisterlich anmutendes Foto genannt. Das Baby wird nur noch durch die Linse - oder den Bildschirm angesehen.
© Catherine Balet, in der Ausstellung #snapshot, Oberhafenquartier
Bilderflut, Selfiewahn - wie verändert sich die Fotografie, wenn wir täglich und zu jeder Gelegenheit selbst fotografieren? Die Triennale der Photographie in Hamburg sucht nach Antworten.
Von Anja Lösel

Ein Baby ist auf die Welt gekommen. Da liegt es auf einer Decke, gesund und proper, drum herum hat sich die Familie versammelt. Aber statt das Kind zu bewundern, den Augenkontakt zu suchen und es anzulächeln, blicken die Umstehenden alle in ihre Smartphones, Kameras und Laptops. So sieht Anbetung im 21. Jahrhundert aus.  „Strangers in the Light“ hat die französische Fotografin Catherine Balet ihre Aufnahme genannt, zu der sie sich von altmeisterlichen Gemälden anregen ließ. Wie einst die Künstler des Barock liebt sie ­geheimnisvolle Hell-Dunkel-Kon­traste. Früher brauchte man dafür Kerzen, heute genügt das Licht eines Bildschirms.

Das Werk bringt die Situation der Fotografie im 21. Jahrhundert auf den Punkt: Jeder knipst, jeden Tag, zu jeder Gelegenheit. Selfies und Kat­zenfotos, Urlaubs-Schnappschüsse, arg- und gewissenlose Aufnahmen von Unfällen und Katastrophen. Milliarden von Bildern entstehen auf diese Weise, eine unübersicht­liche Flut, zum großen Teil so banal wie überflüssig. 

Handy-Fotos: Besser, schlechter oder schlicht anders?

Die „Triennale der Photographie“ hat diesen gewaltigen Bilderberg zu ihrem Thema gemacht. „Zukunft“ heißt das Leitmotiv der Hamburger Schau diesmal. Gemeint ist die ­Zukunft der Foto­grafie als eigenständiges Kunstwerk, nicht als Massenware. 
In mehr als 50 Ausstellungen, in Diskussionen, Künstlergesprächen, auf Tagungen und Konferenzen ­sollen zwischen dem 18. und 28. Juni Antworten gefunden werden auf Fragen wie: Blicken wir auf den Screen des Smartphones anders als durch den Sucher einer Kamera? Entstehen dabei bessere, schlech­tere oder einfach nur an­dere Bilder? Wie verändert sich der Beruf des Fotografen? Hat er noch ­Bestand, wenn doch scheinbar jeder foto­grafieren kann? Wie ver­ändert die digitale Bilderflut un­sere Ge­sellschaft? Und wie jeden Ein­zelnen?
Catherine Balets „Strangers in the Light“ hängt übrigens in der Ausstellung „Snapshot“, obwohl das Bild alles andere als ein Schnappschuss ist, sondern sorgfältig in­szeniert. Brauchen wir solche Fotos auch in der Zukunft? Na klar!
Alle Ausstellungen und Veranstaltungen finden Sie unter www.phototriennale.de

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