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La Bella Mafia: Die Sonne scheint nicht über Neapel

Die Mafia-Geschichte von Peppino, dem alten Camorra-Killer, wurde als Comic des Jahres 2003 preisgekrönt. Das Meisterwerk ist alles andere als ein bunter Kinder-Comic

"5 ist die perfekte Zahl" erzählt die Geschichte von Peppino, einem Camorra Killer im Ruhestand, der den Tod an seinem Sohn rächen will. Schon die Nase des Gangsters ist das Lesen des Buches wert. Die Story erinnert an die klassischen, schnörkelosen "Film Noir" Jean Pierre Melvilles, auch in der Farbwahl beschränkt sich Igort mit dem Duotone-Verfahren auf nur eine weitere Druckfarbe - Blau. Reduktion und keine Mätzchen erwarten den Leser.

Dieses Blau färbt die Nacht dunkler, den Regen feuchter und es macht die Herzen eisiger, von Seite zu Seite. Besonders atmosphärisch arbeiten die "stummen" Szenen. Igort hangelt sich nicht mit jedem Bild von Satz zu Satz, als Illustrator eines Theaterstücks. Lange Reihungen ohne Handlung und ohne Dialog beweisen den Reiz einer Bild-Geschichte, die nicht in einer Satzgeschichte aufgeht. Eine Grundvoraussetzung für einen anspruchsvollen Comic, die dennoch häufig verfehlt wird. Typisch Japan, entlehnt dem Manga-Stil, ist der starke Einfluss der Techniken des Filmschnitts.

Im Stil zeigt Igort eine meisterliche Palette, voll von Experimentierlust, so geschickt von der ruhigen, kühlen Anordnung der Bilder und der reduzierten Farbwahl eingepackt, dass es der Leser kaum bemerkt. "Streng" muss man den Meister nennen. So konsequent und sparsam sind Bild und Story komponiert, das sprechende Madonnen, Votivtafeln und Traumvisionen, die mit einer verspielten Anthropomorphisierung von Enten und fetten Schweinchen arbeiten, nicht als Eskapade des Künstlers wirken. Nie taucht der Effekt, um des Effektes willen, auf. Ein erachsener Comic für erwachsene Leser, der sich wohltuend vom herrschenden Mix recycelter Storys mit prahlerischen Bildposen abhebt.

Das Repertoire des Film Noire erfindet Igort nicht neu, bringt es aber ungeheuer komprimiert in gezeichnete Form. Wenn auch zunächst die Zeichnungen wirken, rührt die Geschlossenheit des Buches auch von der Story her. Selten, dass Krimis mit einer derart dichten Story, die das Gefühl eines ganzes Lebens in wenige Stunden packt, in die Kinos gelangen.

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