"Heathen" David Bowie als spiritueller Eremit


David Bowie meldet sich nach mehrjähriger Abwesenheit mit einem eindrucksvollen Album zurück. Für "Heathen" griff der Künstler auf die Dienste seines früheren Produzenten Tony Visconti zurück.

David Bowie verblüfft seine Fans seit Jahrzehnten mit radikalen Stilwechseln. Auch auf seinem neuen Album "Heathen" ist ihm das wieder gelungen: diesmal als spiritueller Eremit. Zur Inspiration hatte sich der frühere Glam- und Punkrocker in die Einsamkeit der amerikanischen Berge zurückgezogen - in die Nähe des legendären Woodstock. In Allaire, dem ehemaligen Sommerhaus eines reichen Industriellen aus der Eisenhower-Ära, entstanden zwölf starke Songs mit teilweise dunklen Texten, die von Isolation, Verlassenheit und der Suche nach Lebenslösungen handeln.

Begeisterung für Richard Strauss

"Die Texte zu 'Heathen' habe ich vor dem 11. September geschrieben. An manchen Stellen klingen sie zwar fast so trostlos, als wären sie danach entstanden. Aber das waren schon immer meine Themen. Das ist mein Oeuvre als Autor", sagte Bowie. Richard Strauss' "Vier letzte Lieder" sind die Schablone für den Titelsong gewesen. Die Werke des deutschen Komponisten hätten ihn schon lange fasziniert, erzählt der 55-jährige Brite, der in den 70er Jahren in West-Berlin gelebt hat. "Heathen" (Der Heide) ist für ihn ein "Abschiedsgespräch", eine "Konfrontation mit der Endgültigkeit".

Produziert von Tony Visconti

Auch wenn sich das schon fast nach einem Vermächtnis anhört: Bowie hat keineswegs vor, sich nach "Heathen" auf das Altenteil zurückzuziehen. Das kreative Potenzial des Stars ist ungebrochen. Er hat ständig neue Lieder im Kopf, steht früh um 5 Uhr auf, um ungestört arbeiten zu können. Als Einsiedler umgab er sich mit modernster Studiotecknik und einem alten Freund von früher: Tony Visconti. Der Produzent hatte bereits bei erfolgreichen Alben wie "Scary Monsters" und "Heroes" mit ihm zusammengearbeitet.

Dass seit dem letzten Studio-Album "Hours" drei Jahre vergangen sind, hat Bowie zufolge rein rechtliche Gründe. "Das Problem ist: Ich schreibe zu viel. Die großen Plattenlabel wollen immer nur alle zwei Jahre ein Album herausbringen. Das kann ich nicht brauchen. Was mache ich denn mit dem Rest?". Nach der Trennung von Virgin Records im vergangenen Jahr hat er sein eigenes Label ISO gegründet. Columbia Records übernimmt den Vertrieb.

Der früher androgyne Star ist jetzt ein ganz traditioneller, liebevoller Familienvater, den man in Freizeitkleidung durch Soho spazieren sehen kann. Er ist seit 1992 mit dem afrikanischen Supermodel Iman verheiratet, mit dem er in New York lebt. Wegen seines 21 Monate alten Töchterchen Alexandria Zahra will Bowie außerdem seine Konzerttour in diesem Sommer nur auf wenige Auftritte beschränken. In Deutschland gibt er deswegen nur ein einziges Konzert, am 12. Juli in Köln.

Carla S. Reissman


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