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"Ich war noch niemals in New York": Premiere ohne Starrummel

Zur Premiere des Udo Jürgens Musicals "Ich war noch niemals in New York" erwartete man die großen Stars. Boris Becker, Hape Kerkeling, sogar Hans-Dietrich Genscher hatten sich angekündigt. Anwesend waren sie nicht. Trotzdem war es ein gelungener Abend.

Von Pia Röder

Es muss nicht immer die ganz große Show sein, um einen Entertainer zu feiern. Bei der Premiere zu "Ich war noch niemals in New York", dem Musical mit den Hits von Udo Jürgens, blieb der ganz große Starrummel aus. Vielleicht lag es am Wetter, dass sich die Prominenten rar machten. Im strömenden Regen gaben sich Michael Stich, Komödiantin Tanja Schumann und "Germany's (last) Next Topmodel" Lena Gercke vor dem Tui-Opernhaus auf der Hamburger Reeperbahn die Ehre und ließen sich tapfer fotografieren. Boris Becker, Ben Becker, Hape Kerkeling und sogar Hans Dietrich Genscher - sie alle hatten sich angekündigt, um den Auftakt der Jürgens'schen Selbstinszenierung zu feiern. Keiner von ihnen kam. Man genoss die Weltpremiere im eher kleineren Kreis, Starauflauf ist definitiv etwas anders. Aber gestört hat's niemanden.

Denn wozu Starrummel, wenn sich genug Rummel um den eigentlichen Star machen lässt: Udo Jürgens. Thema Nummer eins auf dem roten Teppich war der Sexappeal des mittlerweile nicht mehr ganz taufrischen Chansonniers. Tanja Schumann erklärte es mit dem obligatorischen "Männer werden nicht älter, sondern besser". Ach so. Andere, wie Musiker Peter Kraus, bescheinigten dem 73-Jährigen eine unglaubliche Attraktivität, stärker die manches 21-Jährigen. Der Grund liege in seiner Musikalität, wusste Regisseur Dieter Wedel. Und was sagt Udo Jürgens dazu? Der wich dem Thema diplomatisch aus und flirtete stattdessen mit den Journalistinnen. Ganz Gentleman.

Die meistfotografierten Personen des Abends waren jedoch weniger die Prominenten in den feinen Roben als die Schirmträger im Matrosenkostüm, passend zum maritimen Thema des Musicals. Sie durften die Stars und Sternchen über den roten Teppich geleiten und standen dafür eher minder freiwillig neben den Promis für die Fotografen Spalier. Man will ja die aufwändige Frisur nicht dem Regen opfern.

Durchweg positive Resonanz

Im Anschluss an die Vorstellung waren die Meinungen einhellig. "Großartig war's. Tolle Choreographie, fantastische Story", lobte Moderator Alexander Mazza das Musical. Für Regisseur Dieter Wedel war die Show nicht nur einmalig inszeniert, er gab auch zu, dass die Songs von Udo Jürgens ganz gut ohne den Musiker funktionieren. Im Musical wurden sie neu arrangiert und aus dem Kontext herauslöst. "Das passte einfach", so Wedel. Komiker Karl Dall war ergriffen von der Vorstellung und gab zu: "Ich bin selbst 66 Jahre und war noch niemals in New York. Bei der Energie kann man sich definitiv noch etwas von Udo Jürgens abschauen". Yvonne Catterfeld, die zusammen mit ihrem Manager zur Premiere kam, erfreute sich an den ironischen Dialogen und dem aktuellen Bezug und genoss das ganz große Gefühl: "Etwas Kitsch gehört zu einem Musical dazu." Familiäre Unterstützung hatte sich Udo Jürgens, der im schwarzen Anzug, mit Fliege und rotem Einstecktuch erschien, ebenfalls mitgebracht. Sohn John lobte seinen Vater in den höchsten Tönen: "Ich bin unheimlich stolz auf meinen Vater. Es ist eine große Ehre für ihn als Komponisten, dass seine Lieder in einem Musical gesungen werden."

Zur Aftershowparty ging es bequemerweise im Shuttlebus. Gefeiert wurde nämlich nicht im Foyer des Theaters, sondern in der großen Fischauktionshalle am Hafen. Ambiente? Statt Scheinwerfern war das Licht gedimmt. Die ruhigen Rottönen waren etwas vorteilhafter für den Teint, was der einen oder anderen Aktrice besser zu Gesicht stand, als die Scheinwerfer am roten Teppich. Statt Schlager lauschte man Ray Charles und Frank Sinatra und lies es ruhig angehen. An dezent gedeckten Tischen genossen die Gäste Sushi, Shrimps und Salate. Doch die zuvor noch in der Vorstellung gesichteten Prominenten, wie Reinhold Beckmann oder Dieter Wedel, ließen sich nicht mehr blicken. Die Übriggebliebenen genossen die Livemusik und tanzten zu Hits von Michael Jackson und Cool and the Gang.

Wahrer Entertainer lässt anderen die Show

Schlagerträchtig wurde es dann doch noch mal, wenn auch nur kurz: Um Mitternacht liefen die Darsteller des Musicals ein. Zusammen mit dem Star des Abends, Udo Jürgens, präsentierte sich das Ensemble auf der Tanzfläche und man schunkelte zu "Griechischer Wein". Der Entertainer dankte allen Mitwirkenden für die Arbeit, die sie in den vergangenen vier Jahren in das Musical gesteckt hatten und verschwand so schnell wie er gekommen war. Selbst noch mal einen seiner Hits singen, wollte Jürgens nicht. Dieter Wedel brachte es auf den Punkt: "Es ist gut, dass Udo nicht selbst zum Mikrophon gegriffen hat. Es zeugt von einem wahren Entertainer, dass er anderen die Show lässt." Und das hat er wirklich. Die wenigen Promis, die dort waren, hatten ihre Show. Wenn auch nur leise. Ein netter Abend war es trotzdem. Mag auch am Wein gelegen haben - dem italienischen.