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Das Comeback von LaFee "Ich bin jetzt frei"

Eineinhalb Jahre lang war es ruhig um den deutschen Teeniestar LaFee. Nun ist die Sängerin zurück, um zu zeigen, dass sie erwachsen geworden ist. Ein Gespräch über Haare, Busen und Schmetterlinge.
Von Sophie Albers

Seit wann haben Sie einen Afro?
Seit dem Comeback. Weil ich es cool fand. Wenn ich keine Lust mehr darauf habe, ändere ich es wieder. In der Pause habe ich mir die Haare ganz kurz schneiden lassen.

Im klassischen Sinne als Zeichen? Wie nach einer Beziehung?
Ich hatte keinen Bock mehr. Ich wollte einfach nicht mehr aussehen wie ich. Ich wollte einfach nur Christina sein, aber eine ganz neue. Keiner erkennt mich. So war das. Aber ich werde ich mir nie mehr die Haare so kurz schneiden. Ich will doch Frau sein. Wenn ich an Männern vorbeigehe, will ich die Haare zurückwerfen. Aber da war einfach nichts mehr da. Ich habe mir lange Ohrringe besorgt, um ein bisschen Frau zu sein. (lacht)

Das ist Ihnen sehr wichtig?
Ja.

Im Augenblick wird viel über den Sex im Pop diskutiert: Rihannas SM-Ästhetik oder Lady Gagas Exhibitionismus. Ist das für Sie auch ein Thema?
Ich finde es total cool, wenn man so ist und das nach außen trägt. Aber wenn du es nicht bist, ist es halt scheiße, so zu tun als ob. Das Exhibitionistische muss aus deinem tiefsten Innern kommen. Wenn eine Frau sagt: Es stört mich nicht, wenn mein Busen raushüpft, ist das cool. Also ich würde im Boden versinken.

Wie sexy ist LaFee?
Mich stört es nicht, wenn ich etwas Kurzes trage und man ein bisschen mehr sieht. Als junge attraktive Frau, die eine gute Figur hat, kann man das auch zeigen. Aber ich habe auch Tage, da würde ich am liebsten einfach nur einen Sack anziehen.

Das neue Album heißt "Frei". Frei wovon?
Frei von allem! Frei von Terminkalendern, die ich nicht selbst gefüllt habe, frei vom Nicht-selbst-bestimmt-Sein.

War es so schlimm?
Schlimm war es nicht, aber natürlich war es mit 14 nicht easy, in diesem Job anzufangen. Da musste ich erstmal reinwachsen. Deshalb musste mich jemand an die Hand nehmen und mir alles zeigen. Das ist total okay. Dann habe ich das zwei, drei Jahre gemacht und irgendwann gemerkt, dass ich auch erwachsen werde. Dass ich selbst weiß, wie der Hase läuft. Vielleicht nicht so, dass ich nie mehr Fehler mache, aber so, dass ich jetzt mein eigenes Ding machen will.

Bereuen Sie, so früh angefangen zu haben?
Ich bereue gar nichts. Das war immer mein Traum, seit ich ganz klein war. Ich habe wirklich alles drangesetzt, da hinzukommen. Klar, im Fernsehen sieht alles immer größer und toller aus, als es in Wirklichkeit ist, aber ich habe mich ziemlich schnell daran gewöhnt. Es ist ein ganz großer Teil meines jungen Lebens gewesen.

Hat es großen Mut erfordert, in diese Pause zu gehen?
Die Pause hat keinen Mut erfordert. Für mich war ganz klar, dass ich erstmal eine Auszeit will.

Ging es Ihnen körperlich schlecht?
Nein, mir ging es super, ich war nur müde. Ich hatte total Bock, mit einer Freundin an einem See zu sitzen und was zu trinken. Ich wollte mir mal keine Gedanken machen, was morgen passiert und welche 20 Telefonate ich heute noch führen muss. Das war sehr befreiend!

Also "Puppe tanz" (Titel auf dem Album) sind nicht Sie?
Nein. Das war ich vielleicht mal, als ich ein Kind war, aber jetzt nicht mehr. Jetzt lasse ich sie tanzen. (lacht) Als ich den Song geschrieben habe, habe ich nicht an mich gedacht, sondern an die ganze Branche, vor allem an die Modelszene. Als Model bist du einfach eine wunderschöne Puppe, bist aber oft total leer. Die sind oft total unglücklich, weil sie nur zwei Möhrchen essen können und einem Schönheitsideal nacheifern, das sie niemals erfüllen können. Die haben nicht ihre innere Mitte. Die sind die ganze Zeit darauf angewiesen, dass ihnen jemand sagt, wer sie sind. Aber Sie haben Recht, man kann es auch ein bisschen auf mein früheres Leben beziehen.

Haben Sie schon ein ganzes Leben hinter sich? Sie sind gerade mal 20.
Das hört sich immer so komisch an, aber es ist eine Phase, die vorbei ist. Es war auf jeden Fall super lehrreich für mich. Ich bin weit gekommen, gewachsen und habe mich total verändert. Ich lasse mich nicht verbiegen, und ich hoffe, dass ich damit weiterkomme. Und wenn nicht, wird es für mich danach auch noch ein Leben geben.

Sie haben ein neues Tattoo am Hals: ein Schmetterling und die Worte "Music is love in search of a word".
Weil ich mich das erste Mal richtig als Künstlerin gefühlt habe. Wirklich von ganzem Herzen. Ich habe mitgeschrieben, die Songtexte sind aus meinen eigenen Ideen entstanden, ohne fremde Hilfe. Die Schreibphase bei diesem Album war so intim, so langwierig und so kräftezehrend, dass ich teilweise dachte, das ist tatsächlich wie die Liebe: Du suchst nach etwas und denkst, es ist doch nur ein Wort. Dabei ist es die Leidenschaft, die du hineinlegen musst, um es überhaupt zu finden.

Und warum der Schmetterling?
Weil Schmetterlinge frei sind. Und das bin ich jetzt auch.

LaFees Comeback-Album "Frei" erscheint am 19.8.


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