Die "Stars" aus Kanada Flauschpopper mit Discopotenzial


Neues aus der kanadischen "Broken Musik Scene". Nach Kevin Drew und Leslie Feist wollen nun auch die "Stars" mit elektronischen Klangteppichen und zirpenden Gitarren Europa erobern. Im Februar sind sie auf Deutschland-Tournee.
Von Annette Stiekele

Es ist seit jeher das Privileg von Indie-Bands, eine gewisse behagliche Flauschigkeit zu verbreiten. Das mag an der bewährten Mischung aus glaubwürdigem Auftreten und grundehrlicher Musik liegen, die nicht nach Chartplätzen schielt. Auch die kanadischen Indie-Popper "Stars" fallen unter diese Kategorie. Die "Stars" liefern himmlisch entspannte, lässig-eloquente Lieder ab. Der Bandname ist dann auch eher den Leuchtkörpern am Himmel als dem Rummel um Berühmtheiten abgeschaut. Wer sie live sehen will, hat dazu zwischen dem 7. und 12. Februar Gelegenheit: da sind die Kanadier auf Deutschland-Tournee.

Torquil Campbell, Sänger und Kopf der Band, ist die perfekte Mischung aus Bruce Darnell und Bruce Springsteen: Ein sanftmütiger Knabe mit dem Herz auf der Zunge und Rock'n'Roll im Blut. Bevor er Musiker wurde, setzte er seine Talente als Nebendarsteller in den US-Serien "Law And Order" und "Sex And The City" ein. Seinen besten Kumpel, den ehemaligen Broadway-Hornisten und heutigen Stars-Keyboarder Chris Seligmann kennt er aus gemeinsamen Kindertagen. Zunächst noch in New York beheimatet, fingen die beiden eines Tages an, eigene Songs zu entwerfen. Später stießen Bassist Evan Cranley, Schlagzeuger Pat McGee und die Sängerin, Gitarristin und ehemalige Kunststudentin Amy Millan dazu.

Kinder einer großen Musik-Familie

Schon bald zog es die Truppe weg aus dem hektischen Big Apple ins kanadische Toronto. Hier fanden sie auch das kleine, feine Label "Arts & Crafts", Heimat der "Broken Social Scene". Diese große Musikfamilie hat die Welt ja inzwischen um etliche gelungene Acts bereichert. Kevin Drew stammt von hier und seine Freundin Leslie Feist ist seit ihrem letztjährigen Erfolgsalbum "The Reminder" in aller Munde. Für Furore sorgten außerdem Jason Collett und Andrew Whiteman mit ihren jeweiligen Soloalben. Es war das richtige Umfeld für die verträumt-verspielten Songs der "Stars". Mit den Kollegen von der "Broken Social Scene" konnte man nicht nur über Musik sprechen, man hing auch in den gleichen Bars ab und verbrachten die Freizeit gemeinsam.

2001 erschien das Debütalbum "Nightsongs", gemischt von Ian Catt (Saint Etienne) - was sich wohltuend bemerkbar machte. 2003 folgte das Album "Hearts" sowie über die Jahre diverse EPs. Den Durchbruch erzielten die "Stars" erst mit ihrem dritten Album "Set Yourself On Fire" (2005), das den Singlehit "Ageless Beauty" enthielt. Durch ihre Live-Auftritte im Vorprogramm von "Bloc Party" wurden die "Stars" einem größeren Publikum bekannt.

Schwerelos schöne Klangteppiche

Im September 2007 erschien dann "In Our Bedroom After The War", das schon im Titel den Rückzug aus Alltagskampf und Hektik ins private Idyll beschwor: Schwerelos schöne elektronische Klangteppiche mit lieblich zirpenden Gitarren, darüber der verträumte Gesang des Duos Campbell und Millan. Letztere beherrscht auch die ironischen Töne ( "Bitches in Tokyo"), aber wenn es sein muss, zieht die Band schon mal launig vom Wohnzimmer in die Disco um ("My Favourite Book") .

"Wir lieben uns auch nach sieben Jahren noch immer", sagt Amy Millan über die Stimmung in der Band. "Egal wie schlimm alles ist, es ist unser Leben", sagt Torquil Campbell. "Und wir versuchen, ihm mit einem Song für dreieinhalb Minuten Schönheit verleihen." Nicht wenige Menschen werden die Stars um diesen Harmoniewillen beneiden. Dabei zeugen die Live-Auftritte der Stars keineswegs von gepflegter Langeweile. Die Musiker finden es viel interessanter ihr Publikum live zu überraschen und nicht Note für Note sklavisch an der Albumversion zu kleben. Konzertgänger können sich also auf eine entspannte und zugleich unvorhersehbare Deutschland-Tournee freuen.


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