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Dr. John: Das etwas andere New-Orleans-Album

18 Lieder mit verschiedenen Annäherungen an traditionelle New-Orleans-Songs liefert das Soul-Urgestein Dr. John auf seinem neuen Album "Dis, Dat Or D'Udda".

Normalerweise lautet die Alternative dies oder das, in New Orleans - und vor allem dem "N'Awlinz" eines gewissen Dr. John - lautet sie "Dis, Dat Or D'Udda": Dies, das oder das andere. Folglich hat der 62-jährige Sänger und Keyboarder auf seinem so benannten Album (Parlophone/EMI) ein ebenso reichhaltig wie abwechslungsreiches Menü angerichtet, das "ein bisschen von allem" enthält, wie Malcolm "Mac" Rebennack erklärt. "Ich versuche, den Leuten etwas ganz anderes als die übliche Musik zu geben, die man aus New Orleans zu hören bekommt - aber traditionell."

Also gibt es 18 Lieder zu kosten mit "verschiedenen Annäherungen zu vielen traditionellen Liedern", sagt Dr. John. Da wird mit dem Trompeter Nicholas Payton in "Dear Old Southland" der unvergessene Louis Armstrong gewürdigt, aber auch weniger bekannte und doch einflussreiche Leute wie der Blues-Songwriter Pleasant Joseph, den Dr. John nur "Cousin Joe" nennt.

Bekannte Gastmusiker

Und einige Lieder seien so wenig bekannt, dass er überrascht gewesen sei, dass einer seiner großartigen Gastmusiker, Randy Newman, ihn gekannt habe. Auch B.B. King und Willie Nelson sowie Gospel-Sängerin Mavis Staples und Cyril Nevillle wirkten auf dem Album mit. Für den authentischen Sound sorgten aber vor allem Legenden wie Dave Bartholomew, der mit Fats Domino einige der größten Hits des Rock'n'Roll schrieb, Schlagzeuger Earl Palmer, der Arrangeur Wardell Quezergue, Perkussionist Smokey Robinson und Produzent Stewart Levine. Und nicht zuletzt die Dirty Dozen Brass Band, the Mardi Gras Indians und die Sängerinnen der Creolettes.

"Wir haben einige jüngere und einige ältere Leute dabei", erzählt Dr. John. "Wir haben einfach getan, was wir konnten. Wir haben nicht mit einer exakten Planung oder so gearbeitet. Die, die da waren, waren da, und das war in Ordnung so, verstehen Sie?" Auch etwas, was typisch für New Orleans ist.

Der verstorbenen Tochter gewidmet

Dr. John hat noch immer eine kräftige Gesangsstimme, im Gespräch ist er manchmal schweratmig und wirkt gesundheitlich angeschlagen. Die Freude darüber, dass der in New Orleans geborene Newman "I Ate Up The Apple Tree" kannte, ist die eines trauernden Mannes: Die etwas andere Bibellektion war vor vielen Jahren das Schlaflied, das er seiner Tochter Jessica sang. Sie verstarb im vergangenen Dezember, und ihr ist das Album auch gewidmet. "Ich bin so dankbar dafür, dass sie es noch vor ihrem Tod hören konnte", sagt er.

"Bilder vom Tod aus verschiedenen Blickwinkeln"

"Nun, ich denke, dieses Album ist wie verschiedene Bilder von New Orleans, die aus der spirituellen Popmusik und der Stadt selbst kommen. Und es gibt Bilder vom Tod aus verschiedenen Blickwinkeln", erklärt Dr. John. Klassiker wie "When The Saints Go Marchin' In", "Lay My Burden Down" und "St. James Infirmary" spielt er so, wie sie die meisten kaum kennen dürften - "so wie ich sie vor 50 Jahren in der Kirche gehört habe". Und so wie sie sie auf dem Begräbnis des im April 2003 verstorbenen Earl King, dem "Big Chief" von New Orleans, gespielt hätten.

Genug Material für ein Instrumentalalbum

"N'Awlinz - Dis, Dat or D'Udda" ist ein Album mit vielen Farben und Nuancierungen. Durch die Trauer bricht sich immer wieder die Lebensfreude - und das in den schönsten Momenten in Instrumentals: "Quatre Parishe" ist eine Symphonie in 2 Minuten und 14 Sekunden, "Shango Tango" und "Eh Las Bas" sind fröhliche Petitessen in 1:38 und 2:36. Ein Instrumentalalbum könnte er sich vorstellen: "Ich habe genug Material dafür."

Dr. John ist zur Zeit in Europa auf Tournee, kommt aber nicht nach Deutschland. "Ich weiß nicht, warum wir hier keine Auftritte haben", bedauert er. Die Tour führt ihn durch Spanien, Italien, Frankreich, Irland und England. Am 7. Juli tritt er auf dem Jazzfestival in Montreux auf.

Uwe Käding, AP / AP