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Spendenmarathon: Stars bitten um Geld für "The Big Easy"

Dutzende Stars, darunter Julia Roberts, Jack Nicholson, Sheryl Crow und die Rolling Stones haben sich mit einem Musik- und Spendenmarathon für die Hurrikan-Opfer im Süden der USA eingesetzt.

Paul Simon besang New Orleans mit dem Song "Take me to the Mardi Gras". Die Foo Fighters zollten den Südstaaten mit "Born on the Bayou" Tribut. Blues-Rocker Dr. John verlor sich in "Walkin' to New Orleans" und Randy Newman sang ergriffen "Louisiana 1927", ein Lied über eine längst vergessene Sturmflut. Vor Hurrikan "Katrina" wäre das in der Nacht zum Samstag weltweit ausgestrahlte Konzert "Shelter From The Storm: A Concert for the Gulf Coast" eine glänzende Hommage an New Orleans und die Südstaaten gewesen. Doch die eindringlichen Spendenappelle von Stars wie Jack Nicholson, Julia Roberts und Cameron Diaz sowie Bilder von der zerstörten Golfküste und verzweifelter Menschen ließen keinen Zweifel an dem Zweck der Show.

Ellen De Generes: "Meine Heimatstadt ist verschwunden"

"Heute Nacht dreht sich alles ums Geben", sagte die aus New Orleans stammende US-Komödiantin Ellen DeGeneres zum Auftakt des einstündigen werbefreien Spendenmarathons. "Meine Heimatstadt ist verschwunden." Oscar-Preisträger Morgan Freeman, der im Mississippi-Delta zu Hause ist, sprach von einer "undenkbaren Tragödie". Mit dem Geld würden zerstörte Leben wieder aufgebaut, versprach Hollywoodstar Julia Roberts, die in den Tagen zuvor Obdachlose in Notunterkünften in Alabama besucht hatte.

Von "The Big Easy", der großen Leichtigkeit, war bei dieser Show nichts zu spüren. Doch dem legendären Blues, Jazz und Gospelsound des Südens zollten die Musiker Tribut. Rod Stewart rockte mit Bluessängern, Alicia Keys und Neil Young ließen sich von Gospelstars begleiten, Bono und Blues-Größe Mary J. Blige traten für den Hit "One" zusammen ans Mikrofon. Während Jack Nicholson am Spendentelefon mit Anrufern scherzte, so blieb er auf der Bühne ernst: "Die Leute an der Golfküste brauchen uns und wir brauchen sie", sagte der Hollywoodstar. Und so, wie es immer Blues und Jazz geben werde, so werde auch "The Big Easy" für immer weiterleben.

Saloppe Kleidung, ernste Gesichter

Auch wenn konservative Kreise auf der Webseite NewsMax.com der "Hollywood Elite" vorhielten, sie lediglich profilieren zu wollen, war davon in den Fernsehstudios in Los Angeles und New York nichts zu spüren. Kaum geschminkt, salopp in Jeans und mit ernsten Gesichtern sonnte sich niemand im Rampenlicht. Von Hollywood-Glamour keine Spur, als Jennifer Aniston den Tränen nahe über Kinderschicksale in der Flutkatastrophe berichtete.

Auch der Vorwurf konservativer Kommentatoren, die Stars würden die Katastrophe zur Attacke auf die Bush-Regierung ausnutzen, blieb zumindest in der Nacht zum Samstag unbegründet. Rapper Kanye West, der bei der ersten Live-Benefiz-Show für Hurrikanopfer vor einer Woche mit einem Bush-Angriff - "George W. Bush kümmert sich nicht um Schwarze" - vom Skript abwich, hielt sich diesmal an seinen Song "Jesus Walks". Nur der schwarze Komödiant Chris Rock erlaubte sich mit der Bemerkung "George Bush hasst Zwerge" einen Seitenhieb. Nicht jeder hätte sich vor den Fluten mit einem Geländewagen in ein schönes Hotel retten können, wetterte Rock mit Blick auf in Armut lebende Schwarze.

Einnahmen gehen an das Amerikanische Rote Kreuz

Der Erlös des Spendenmarathons fließt dem Amerikanischen Roten Kreuz und der Heilsarmee zu. Schauspieler Don Cheadle versicherte, die Spendentelefone wären die ganze Nacht über im Einsatz. Die Höhe der Einnahmen sollte erst später bekannt gegeben werden. Als vor knapp vier Jahren die Terroranschläge vom 11. September Superstars wie Bruce Springsteen, Celine Dion, Tom Cruise und Julia Roberts auf die Bühne holten, kamen bei einer gigantischen Benefiz-Show über 130 Millionen Dollar an Spenden für die Angehörigen der Opfer zusammen. Auch die deutschen Privatsender ProSieben und RTL riefen bei der Live-Übertragung des TV-Benefizkonzerts zu Spenden auf. Die Show sollte in mehr als 95 Ländern zu sehen sein.

Auch Musiksender im Charity-Fieber

Auch die Musiksender MTV und VH1 verstärkten mit einer veranstaltung die Spendenfront: Auch die Einnahmen ihrer vierstündigen Benefizshow "ReAct Now: Music & Relief", sollten dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen zugute kommen. Wie schon in der Nacht zuvor bei dem weltweit ausgestrahlten Spenden-Konzert "Shelter From The Storm: A Concert for the Gulf Coast" wandten sich Musiker und Filmgrößen mit eindringlichen Appellen an die Zuschauer.

Die Red Hot Chili Peppers baten "nach der größten Naturkatastrophe um das allergrößte Mitgefühl". US-Sänger Dave Matthews äußerte die Hoffnung, dass New Orleans "noch besser als vorher" aufgebaut werden könne. Neil Young, Green Day, Alicia Keys, Brian Wilson, Melissa Etheridge und viele andere beteiligten sich live aus Studios in Los Angeles, New York und Nashville und mit vorab aufgezeichneten Auftritten.

Nächstes Event am 20. September

Das nächste große Staraufgebot für die Hurrikan-Hilfe wird am 20. September im New Yorker Madison Square Garden erwartet. Für das Konzert "From the Big Apple to the Big Easy" haben bereits Elton John, Rod Stewart, Fats Domino und Simon & Garfunkel zugesagt.

Barbara Munker/DPA / DPA