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Embrace: Songs, die die Welt umarmen

Nach zwei Jahren Stille hat sich die englische Band Embrace zurückgemeldet. Neben gewohnt starken Eigenkompositionen befindet sich auf dem neuen Album auch ein Song von Coldplay-Sänger Chris Martin.

Mit der britischen Band Embrace ist es ein wenig so wie mit alten Bekannten: Man braucht sie nicht zum täglichen Leben, doch wenn man sie wiedersieht, freut man sich. Die fünf sympathischen Musiker aus dem mittelenglischen Landstrich Yorkshire hatten zwischen 1998 und 2001 drei vorzügliche Alben veröffentlicht, die ihnen in ihrer Heimat großen Erfolg bescherten. In Deutschland gelang der Band trotz großartiger Songs wie "All You Good, Good People", "You're Not Alone" und "Your Weakness Is Not My Business" jedoch nie der richtige Durchbruch. Stets stand das Quintett im Schatten anderer britischer Gruppen wie Oasis, Blur oder Pulp.

Hymnen voller Pathos

Als vor zwei Jahren das Best-of-Album "Fireworks - Singles 1997-2002" erschien, rechnete man schon mit dem Schlimmsten: Zum Abschied noch einmal abkassieren, dann Selbstauflösung. Doch mit der Veröffentlichung ihrer Single "Gravity" widerlegte die Band alle Befürchtungen. Mit ihrem neuen Album "Out Of Nothing" läuft Embrace zu alter Stärke auf: Popsongs mit einem ordentlichen Schuss Pathos, stadion-taugliche Hymnen, eingängige Lieder, die zum Mitsingen einladen. In ihren besten Momenten scheint diese Musik die ganze Welt umarmen zu wollen.

Freundschaft mit Coldplay

Dass "Gravity" aus der Feder von Coldplay-Frontmann Chris Martin stammt, ergibt durchaus Sinn: Nicht nur ist Sänger Danny McNamara seit seiner Jugend mit Chris Martin befreundet. Vor allem haben sich beide Bands auf Pathos-geschwängerte Balladen spezialisiert. Die Ähnlichkeiten gehen über die Single hinaus: Auch da, wo die Stücke aus der eigenen Feder stammen, klingt die Musik wie von Coldplay. Oder umgekehrt: Coldplay klingt wie Embrace. Immerhin hatte Embrace die noch unbekannte Band seinerzeit nach Kräften unterstützt und war damit ein Wegbereiter für deren Erfolg.

Da die ersten drei Alben der Band in Deutschland keinen Anklang fanden, bleibt zu befürchten, dass auch "Out of Nothing" weit gehend ungehört verhallt. Zu Unrecht: Mit zehn starken Songs und einer hervorragenden Produktion sticht das Album aus der Flut an Neuveröffentlichungen heraus. Wer die Band bereits kennt, wird auch das neue Album mit offenen Armen aufnehmen - wie alte Bekannte.

Carsten Heidböhmer
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