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Freddie Mercury: Als "Rampensau" unsterblich

Für seine Fans war er der "Champion", seine Bandmitglieder bescheinigten ihm ein Kamikaze-Leben. Freddie Mercury, Frontman der legendären Band Queen, wäre 60 geworden. Der Sänger starb 1991 an Aids.

Wer ihn auf der Bühne erlebt hat, wird das nie vergessen. Sobald Freddie Mercury spürte, dass die Fans mitgingen, war er nicht mehr zu halten. Dann schoss der rechte Arm gen Himmel, die Hand zur Faust geballt. Den Mikroständer wirbelte er sich zu Macho-Gesten um den nackten Oberkörper. "We Will Rock You", "We Are The Champions" - und die Stimmung in den Stadien kochte über. Jetzt feiern Fans in aller Welt am 5. September seinen 60. Geburtstag. So mancher wird sich wünschen, dass der frühere Frontman von Queen die erste erfolgreiche Single seiner Band 1973 als Auftrag verstanden hätte: "Keep Yourself Alive" (Bleib am Leben).

Aber so war Freddie Mercury ganz und gar nicht. Er sei der Sänger mit dem "Kamikaze-Lebensstil", hieß es in der britischen Presse. Alkohol, Kokain, ein riesiges Arbeitspensum in Studios und auf den Bühnen der Welt, Partys, immer neue Lieben und Liebschaften. Als er 1991 mit 45 Jahren als erster prominenter Musiker an den Folgen von Aids starb, sagte der Discjockey Kenny Everett: "Er hatte sein Lebenslicht an beiden Enden angezündet - und dazu noch in der Mitte."

Und es brannte wirklich hell und leuchtend. Zwei Jahrzehnte lang war Mercury der herausragende Leadsänger, der Ideengeber, die eigentliche Attraktion jeder dieser ungewöhnlich schillernden, theatralischen, teils bombastischen Queen-Shows. Ohne ihn war die Band unvorstellbar. Wenn sie heute wieder auf die Bühne geht, heißt das Motto "Return of the Champions".

Rockstar mit vielen Qualitäten

Ihre Klassiker spielt sie mit der ungeheuren Präzision, auf der Mercury einst, bei aller ansonsten dargebotenen Leichtigkeit, stets bestanden hatte. Nur die Stimme ist nicht mehr die enorm wandlungsfähige und durchdringende von Mercury, sondern die dunklere und sanftere des altgedienten Rockers Paul Rodgers. Die meisten Fans akzeptieren das. Doch zu Mercurys 60. werden sie natürlich die Originalaufnahmen auflegen. Oder auch die neueste Sammlung von Remixen mit der Stimme Mercurys - benannt nach seinem ebenso traurigen wie wahren Hit "Love Kills".

Dass Liebe tödlich sein kann, sei dem offen bi-sexuellen Superstar stets bewusst gewesen, schrieb nach seinem Ende am 24. November 1991 die Londoner "Daily Mail". Dennoch habe er größte Risiken in Kauf genommen: "Es war sein Albtraum, in ein leeres Schlafzimmer zu kommen." Warnungen vieler seiner Freunde, zu denen auch Elton John gehörte, schlug er in den Wind. "Liebe ist für mich wie Russisches Roulette", sagte er. "Ich kann das nicht kontrollieren."

Umstrittener Paradiesvogel

An seiner Lebensart stoßen sich dort, wo der Musiker am 5. September 1946 unter dem Namen Farrokh Bulsara geboren wurde, auch heute noch viele. Strenggläubige Muslime auf der ostafrikanischen Insel Sansibar forderten das Verbot einer Strandparty zu Mercurys 60. Geburtstag. Das passe nicht zu den islamischen Sitten der Insel, betonten sie in einer Petition.

Die Familie stammte allerdings aus Indien und gehörte der Minderheit der Parsen an, deren Glaube die geheimnisvoll anmutende Lehre des Zarathustra ist. Nach Großbritannien wurde Freddie (die englische Version seines Vornamens Farrokh) mit 13 Jahren von seinem Vater geschickt, der für die britische Kolonialverwaltung arbeitete. Im "Swinging London" fand Freddie bald in Roger Taylor, John Deacon und Brian May musikalisch Gleichgesinnte. Kurz nachdem sie 1970 ihre Band Queen nannten, legte sich der Sänger den Namen Mercury zu - nach dem Planeten Merkur.

Ganz hoch hinaus hatte er schon immer gewollt. Und selbst in den letzten, von schwerer Krankheit gezeichneten Wochen seines Lebens arbeitete er dafür mit unvorstellbarer Härte gegen sich selbst. Im Queen-Studio am Genfer See nahm er Songs auf, die zu den besten seines Schaffens gehörten. Die Band vervollständigte die Aufnahmen und brachte sie zum fünften Jahrestag seines Todes als letztes originäres Queen-Album mit Mercurys Stimme heraus - der Titel: "Made in Heaven" (im Himmel gemacht).

Thomas Burmeister/DPA / DPA
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