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Rechtsrocker in St. Pauli Frei.Wild auf dem Reeperbahn-Festival unerwünscht


Auf ihrer Homepage erweckt die Südtiroler Band Frei.Wild den Eindruck, auf dem Reeperbahn-Festival zu spielen. Dagegen wehren sich die Veranstalter: "... nationalistischem oder anderem extremen Gedankengut" böten sie keine Plattform.

Die rechtslastigen Deutschrocker Frei.Wild sind die schwarzen Schafe der Musikszene: Kaum einer will mit ihnen etwas zu tun haben. Als sie beispielsweise 2013 bei der Echo-Verleihung eingeladen waren, drohten Musiker wie Kraftklub und Mia mit Boykott - und zwangen damit die Veranstalter, Frei.Wild auszuladen und von der Liste der Nominierten zu streichen.

Ein ähnlicher Fall ist gerade wieder aufgetreten - mit dem Unterschied, dass Frei.Wild diesmal gar nicht erst eingeladen waren. Die Südtiroler Band hatte mit einem auf ihrer Homepage und ihrer Facebook-Seite veröffentlichten Flyer den Eindruck erweckt, auf dem Reeperbahn-Festival in Hamburg aufzutreten. Eine rechte Band auf einem Festival im linken Stadtteil St. Pauli? Kaum vorstellbar. Entsprechend deutlich haben die Veranstalter den Sachverhalt klargestellt und sich mit drastischen Worten von der Band distanziert: "Zu keiner Zeit hätten wir der Band ein Forum oder eine Bühne geboten", heißt es auf der Homepage des Festivals. "Das Reeperbahn Festival bleibt, wie man es auch vom Stadtteil St. Pauli kennt, bunt und offen für alle - und bietet weder rassistischem, faschistischem, nationalistischem, gewaltverherrlichendem oder anderem extremen Gedankengut eine Plattform" heißt es in Richtung Frei.Wild.

Auf dem Flyer ist in großen Lettern "Reeperbahn-Festival" zu lesen, doch die Veranstaltung, bei der die Südtiroler auftreten, heißt "Der Reeperbahn ihr Festival" und findet zeitgleich in Hamburg statt.

"Dumpfer Patriotenrock"

Doch wie rechts sind Frei.Wild eigentlich? Die "Zeit" nannte die Band 2012 "die neue Reichskapelle" und bezeichnete ihre Musik als "dumpfen Patriotenrock". In ihren Texten verherrlichen sie Blut und Boden: "Südtirol, du bist noch nicht verloren. In der Hölle sollen deine Feinde schmoren", heißt es etwa in dem Song "Südtirol". In "Wahre Werte" heißt es: "Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat, Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk". Auch wegen solcher Zeilen bescheinigt der Politikwissenschaftler Christoph Schulze vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin der Band, "ultranationalistische Inhalte" zu vertreten. Der Journalist Thomas Kuban, ein Experte der rechten Szene, ordnet Frei.Wild dem "Identitätsrock" zu, der in der Neonazi-Szene verbreitet sei. 

Das Reeperbahn Festival ist dagegen klar gegen Rechts positioniert. Eine Veranstaltung im Rahmen dieses Festivals setzt sich sogar eigens mit dem Rechtsrock auseinander. Sie trägt den Titel: "Zwischen Frei.Wild und Freital".


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