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Funny van Dannen: "Gutes tun" und andere Texte

Funny van Dannen, von vielen als "Poet des Alltags" bezeichnet, hat seine ganz eigene Sicht auf die Welt. Hier eine Auswahl seiner Songtexte.

Gutes tun

Gutes tun, Gutes tun, Gutes tun ist gar nicht schwer. Man kann so viel Gutes tun zu Hause und im Kreisverkehr.

Kondome nicht ins Klo, keine Drogen sowieso. Weniger Fernsehen, öfter zu Fuß gehen, auch mal an die im Abseits denken, gebrauchte Pornos dem Altersheim schenken.

Bewußter Atmen, gesunde Sachen essen. Mit Nazis diskutieren, die Mutter nicht vergessen, auch einmal fremden Hundekot entfernen, den Islam näher kennen lernen.

Inensiver zuhören, sich gegen alles impfen. Sich gründlich informieren, nicht bloß einfach schimpfen, nicht bei Rot über die Straße laufen, keine japanischen Autos mehr kaufen.

Kapitalismus

Ich will den Kapitalismus lieben, weil soviel für ihn spricht,ich will den Kapitalismus lieben, aber ich schaff' es einfach nicht.

Ich will den Kapitalismus lieben, denn er liebt mich ja auch. Er hat mir so viel gegeben, ich hab' alles was ich brauch'. Obwohl ich ihn so hasste und ich habe scharf kritisiert, aber er hat ein großes Herz, er hat mich voll integriert.

Ich will den Kapitalismus lieben, ich will und kann es nicht und das wird so weiter geh'n bis einer von uns zusammenbricht.

Hausmann

Es heißt ja, wer nichts wird, wird Wirt, so war das früher auf Erden. Aber heute können solche Männer locker Hausmann werden. Du brauchst nur eine fitte Frau, die dich unterhält und dazu ein paar Kinder und schon gibt´s Kindergeld.

Hausmann, angeblich gesellschaftlich anerkannt. Wie viele lachen dich aus, hinter vorgehaltener Hand? Hausmann, oh Hausmann, sieh doch endlich ein Eine Einbauküche kann kein Cockpit sein.

Während die anderen Häuser bauen, musst du Wäsche sortieren Wenn Du die "Teletubbys" guckst, müssen andere operieren Während andere Konzerne retten und keine Härten scheuen Siehst du dir einen alten "Tatort" an und schläfst bei "Bio" ein.

Anita war ein Junge

Sein Vater war ein Außenseiter ohne Führerschein, seine Mutter eine Hausfrau, gut gebaut. Er hatte in der Schule keine Freunde, denn er hatte eine sehr sensible Haut. Sie nannten ihn Anita und sie sagten, er sei schwul und er hätte sie am liebsten abgeknallt. Doch er hatte nur ein wackeliges Taschenmesser und das verlor irgendwo im Wald.

Anita war ein Junge und er hat oft geweint. Er war ein Opfer doch der liebe Gott hat es gut mit ihm, hat es so gut mit ihm gemeint.

Er wechselte die Schule, alles wie gehabt, er lag in jeder Pause auf dem Boden. Sie warfen seine Brote in den Lüftungsschacht und am Reck da prellte er sich beide Hoden. Er stand meistens abseits, nur nicht im Sportverein, er wollte stürmen doch er musste Manndecker sein. Im Freibad sah er Mädchen, sie lachten über ihn, er stand im Nichtschwimmerbecken mit Gewaltphantasien

Und jetzt seh ich ein Bild von ihm hier in der Zeitung stehn. Anita ist jetzt Manager, ist das nicht wunderschön? Seine Firma fusioniert mit einer anderen Großen Und er bedauert die vielen Arbeitslosen Ich glaube ihm natürlich, ich weiß, dass er nicht lügt Er weiß ja wie das ist, wenn man unten liegt

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