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Hederos & Hellberg: Reise in die Tiefen der Seele

Martin Hederos und Matthias Hellberg begeben sich auf "Together in the Darkness" in die Tiefen der menschlichen Seele. Wer die elf Stücke unbeschadet übersteht, hat sich den Sommer redlich verdient.

So mancher wähnte den Winter schon auf der Zielgeraden, da kommt auf einmal diese Platte um die Ecke und bringt mit einem Schlag Kälte und Finsternis zurück. Verantwortlich für diesen Stimmungsumschwung sind zwei Schweden: Martin Hederos (Soundtrack Of Our Lives) und Matthias Hellberg (Ex-»Hellacopters«). Im vergangenen Jahr haben die beiden ihr Debüt veröffentlicht und in Schweden für mächtig Furore gesorgt.

Kein Hoffnungsschimmer, nirgends

Das neue Album, »Together in the Darkness«, soll nach Aussagen der Künstler hoffnungsfroher und heller sein als der Vorgänger. Die Platte klingt jedoch alles andere als hell und hoffnungsfroh: Sie beginnt verhalten, mit einem Klavier, das eine monotone, aus zwei Tönen bestehende Melodie spielt. Dann setzt eine unendlich traurige Stimme ein: »Darkness is here«. Kurz darauf gesellen sich Bläser hinzu, die den Sänger auf seinem schweren Weg begleiten.

Weiter geht die Reise mit einem Neil Young-Cover. Schon im dritten Song macht sich Sprachlosigkeit breit: »What can I say? She's walking away«. Neben Klavier und Gesang tritt hier noch eine singende Säge hinzu, die im Hintergrund dahinschwirrt und die existenzielle Frage des Songs untertreicht: »How can we hang on to a dream?«

Und der Sänger ist wirklich nicht zu beneiden: »No sun will shine in my day today ... Darkness has covered my life and has changed my day into night«. Da ist es schon absehbar, dass die Platte spaßfrei endet: Mit »No Fun«, einem Lied der legendären Stooges. »No Fun to hang around, feeling that same old way«.

Nach diesen elf Titeln ist der Hörer erschöpft, mitgenommen von den Seelenqualen, die er an der Seite des Duos durchlebt hat. Gerade durch die spärliche Instrumentation (über weite Strecken begleitet nur das Klavier) wirkt der Gesang umso intensiver. Die Platte vereinigt Coverversionen mit eigenen Kompositionen. Doch interessanterweise hört man keinen Bruch. Hederos und Hellberg machen sich die fremden Stücke so stark zu eigen, färben sie so stark mit der Düsternis ihres skandinavischen Winters ein, dass sie von den Eigenkompositionen gar nicht mehr zu unterscheiden sind.

Und genau darin liegt die Stärke der Platte: in ihrer Homogenität. Der Hörer kann eintauchen in die Musik, ihre Tiefen erkunden. Der Vorwurf, eine solche Platte verlängere nur den Winter und verbreite beim Hörer schlechte Laune, geht ins Leere. Man könnte ihn entgegengesetzt wenden: Wer sich davon nicht berühren lässt, für den wird es wohl nie Sommer.

Carsten Heidböhmer
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