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Juli: Wo der Hammer hängt

Mit ihrem ersten Album landete die Gießener Band Juli vor zwei Jahren für einen Überraschungserfolg. Ihre "Perfekte Welle" ging an niemandem ungehört vorüber. Nun haben sie den Nachfolger am Start - und wollen zeigen, wo der Hammer hängt.

Es war - natürlich - Juli, als der Gitarrist Simon Triebel von der gleichnamigen Gießener Band im Internet von letzten Feinschliff-Arbeiten am neuen Album "Ein neuer Tag" berichtete. Kurz und knapp verriet er in seiner Mail, die er während des Abmischens in einem Stockholmer Studio schrieb, dass der zweite Juli-Longplayer "der Hammer" werde. Nun geht das "hammermäßige" zweite Album also am 13. Oktober an den Start und das erste Quartal 2007 werden Juli von Hamburg über Winterthur und Wien bis Bozen auf Achse sein.

Juli - das ist die Erfolgsgeschichte einer Band aus der mittelhessischen Provinz. Innerhalb von zwei Jahren verkaufte die Band rund dreiviertel Millionen Exemplare vom Debüt "Es ist Juli". Das bedeutet dreifaches Platin oder fast siebenfaches Gold und einen Erfolg, von dem selbst gestandene deutsche Kollegen nur träumen können. Die beiden Singles "Geile Zeit" und "Perfekte Welle" wurden zu Hits. Aber unter Druck setzen lassen, das nun alles noch zu übertreffen, will sich die Band nicht. "Wir nehmen an diesem Wettrennen nicht teil, das die Industrie so gerne inszeniert", stellte Sängerin und Frontfrau Eva Briegel im Gespräch klar. "Musikmachen ist keine Teilnahme an einer Olympiade, bei der am Ende jemand als der Beste gekürt wird." Es gehe viel mehr darum, seine persönlichen Eigenheiten zu definieren, zu bündeln und danach zu sehen, was die Zuhörer damit machen würden.

Verkaufszahlen sind kein Maßstab

Ob sich von "Ein neuer Tag" nun 50, 500 oder 500.000 Exemplare verkaufen lassen, sei für sie kein Erfolgsmaßstab, stimmt ihr Gitarrist Jonas Pfetzing zu. "Es ist für uns schon Erfolg genug, dass wir die neue Platte überhaupt auf die Reihe bekommen haben", erzählt er. Den Gesetzen der Plattenindustrie zufolge ist das zweite Album einer Band jenes, was über Top oder Flop und somit über den weiteren Karriereweg entscheidet. Gemessen an diesem Gesetz haben sich Juli nun wohl den Weg für eine lange Karriere geebnet. Schon der erste Höreindruck stellt klar, dass Juli ihren Powerpop mit kantigen Riffs und eingängigen Refrains formvollendet haben. Fast so, als ob sie jeglichem Erfolgsdruck trotzen wollten. Die Texte bieten noch mehr Projektionsfläche für Interpretationen als das Erstlingswerk.

Hit-Potenzial kann man gut der Hälfte der zwölf neuen Songs gleich beim ersten Hören attestieren. Ob in der hymnischen, ersten Single, "Dieses Leben" oder im schnellen, kantigen Pop von "Wir beide" - Juli zeigen, dass sie alles andere als Eintagsfliegen sind. Deswegen können sie auch locker sagen, dass "Es ist Juli" gestern war. Heute ist "Ein neuer Tag". Mit neuem Selbstverständnis, neuer, frischer Energie und neuem Band-Gefühl. Auch wenn es mitunter anstrengend sei, fünf Köpfe mit fünf unterschiedlichen Geschmäckern unter einen Hut zu bekommen, sei man darauf bedacht, bei wichtigen Entscheidungen keine Meinung unbeachtet zu lassen. "Weil sich danach alle besser fühlen", sagt Jonas Pfetzing. "Das war beim ersten Album noch anders und führte oft dazu, dass am Ende alle unglücklich über Foto-Shootings und verschiedene, andere Dinge waren.

Das Diskutieren kann zwar sehr, wirklich sehr anstrengend sein. Aber es hat auch gute Seiten. Wenn nämlich beispielsweise eine Songidee so lange diskutiert wurde, bis keiner mehr Bock darauf hatte, haben wir sie einfach fallen lassen und stattdessen etwas Neues begonnen." In einem Punkt sind sich alle Fünf Juli-Musiker aber ungefragt einig: Live-Konzerte und der Kontakt zum Publikum stellen für die Band den wichtigsten Teil ihres Jobs dar. "Charts sind gut und schön. Aber was letztlich über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, ist das Publikum, das bei einer Tour Abend für Abend vor der Bühne steht. Die Leute im Publikum geben uns stärker als jede Platin-Auszeichnung ein Erfolgsgefühl. Insofern freuen wir uns schon total auf die im kommenden Januar startende Tour", sagt Pfetzing.

Michael Loesl/AP