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Michael Jackson: Freak-Show statt Comeback

Michael Jackson stand erstmals seit langem wieder auf der Bühne. Allerdings war sein Auftritt nicht das erhoffte Comeback. Fans waren enttäuscht, die britische Presse voller Häme.

Michael Jackson ist auf die Bühne zurückgekehrt - erstmals seit seinem Freispruch in einem Prozess wegen Kindesmissbrauchs im Juni 2005. Bei der feierlichen Vergabe der World Music Awards ließ er die Fans allerdings warten: Nachdem er den "Diamond Award" für den Verkauf von mehr als 100 Millionen Alben entgegengenommen hatte, verließ Jackson die Bühne und kehrte erst später kurz zurück.

Jackson wurde bei seiner Ankunft vor der Earl's Court Arena zunächst von kreischenden Fans begrüßt. Inmitten des Lärms sprach er auch kurz mit Journalisten, allerdings mit so leiser Stimme, dass er kaum zu verstehen war. Auf die Frage, wo er wohne, sagte er: "Überall." Seit dem Freispruch im Juni vergangenen Jahres verbrachte Jackson einige Zeit in Bahrain und Irland.

Liebesbekundungen statt Comeback

Fans vor und in der Earl's Court Arena warteten danach enttäuscht auf die erhoffte Darbietung des Titelsongs seines Bestseller-Albums "Thriller", für das Jackson mit acht Grammys ausgezeichnet wurde. Stattdessen stellte sich der "King of Pop" zu einem Gospelchor, der den Song "We Are The World" von 1985 vortrug. Allerdings sang er dabei selbst kaum. Wenigstens erhielten die Fans Liebesbekundungen des Stars: "Es gibt so viele Menschen, die mich geliebt haben und zu mir gehalten haben", sagte der Sänger. "Ich liebe euch alle vom Grunde meines Herzens."

Im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Bühnen-Comebacks fand die als unbarmherzig bekannte britische Boulevardpresse viel Häme für den schillernden Popstar. "The Sun" erwartete eine "demütigende Freak-Show, die er bereuen wird". Der 48-Jährige sei jahrelang nicht aufgetreten und sehe schlimm aus, hieß es. Auch in der Fachpresse wurden bezweifelt, dass Jackson nach seinem Prozess wegen angeblichen Kindesmissbrauchs und dem darauf folgenden Rückzug aus der Öffentlichkeit an frühere Erfolge anknüpfen kann.

"Leute von dieser Freak-Show immer fasziniert"

Die Hunderten Fans, die dieser Tage vor dem Londoner Hotel des Stars standen und hofften, einen Blick auf Jackson zu erhaschen, sollten nicht überbewertet werden, betonte Gareth Grundy, Redakteur des britischen Musikmagazins "Q". "Ich glaube die Leute werden von dieser Freak-Show immer fasziniert sein", sagte Grundy. "Ich denke Jackson ist ein Prominenter, aber kein Künstler."

Der US-Sänger hatte sich mit seinen Kindern und etwa 50-köpfigem Gefolge in einem Luxushotel der britischen Hauptstadt eingemietet. Fotografen hatten den sonst zurückgezogen lebenden Star in den vergangenen Tagen bereits bei einer nächtlichen Einkaufstour abgelichtet.

Tokio Hotel bestverkaufte deutsche Gruppe

Jackson nahm an dem Abend auch acht Auszeichnungen des Guinnessbuchs der Rekorde entgegen, darunter auch diejenige als erfolgreichster Entertainer aller Zeiten. Gewinner der World Music Awards mit gleich zwei Preisen war Popbarde James Blunt ("You're Beautiful"), der als weltbester Neueinsteiger und bestverkaufter britischer Künstler ausgezeichnet wurde. Als bestverkaufte deutsche Gruppe wurde Tokio Hotel ausgezeichnet.

Als weltbester Popstar wurde Madonna für "Hung Up" geehrt. Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an Nelly Furtado mit "Maneater" in der Kategorie Pop/Rock, Nickleback (beste Rockgruppe), Beyonce ("Deja-Vu"/bester R&B-Künstler) und Shakira ("Hips Don't Lie"/Latin).

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters