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Michael Jackson in London: Die Mutter aller Comebacks?

Gerüchte über ein mögliches Comeback von Michael Jackson gab es immer wieder, jetzt könnte es tatsächlich passieren. In der Londoner O2-Arena soll es im Sommer eine große Konzertserie des verwitterten "King of Pop" geben - ob Jacko das durchhält?

Von Ingo Scheel

"They never come back" hieß es einst in Boxerkreisen - den angejahrten oder verschwundenen, den gescheiterten oder verwirrten Pophelden war diese Faustregel meistens egal. Zu Tina Turner und Led Zeppelin, zu Faith No More und den Sex Pistols gesellt sich jetzt möglicherweise noch ein gefallener Wiedergänger und versieht die Ära der Pop-Comebacks mit einem großen Ausrufezeichen: Die Rückkehr von Michael Jackson steht unmittelbar bevor. Möglicherweise.

Wie britische Medien am Mittwoch berichteten, könnte der einstige "King of Pop" schon im Sommer bis zu 30 Konzerte in der Londoner O2-Arena geben. Schätzungen über die Einnahmen für den hoch verschuldeten 50-Jährigen schwankten zwischen 50 und 150 Millionen Pfund. Medienberichten zufolge liegen die Spitzenpreise für ein Ticket in der rund 20.000 Zuschauer fassenden Arena bei bis zu 500 Pfund.

Den letzten Auftritt Jacksons in London bei den World Music Awards im Jahr 2006 hatten Kritiker als katastrophal bezeichnet. Statt seinen Erfolgshit "Thriller" zu singen, - die 1982 erschienene gleichnamige Platte gilt mit etwa 60 Millionen verkauften Exemplaren als das erfolgreichste Musikalbum der Welt - präsentierte er den enttäuschten Fans nur ein paar Zeilen aus "We Are The World".

"Eine spezielle Ankündigung"

Am Donnerstag will Jackson eine Pressekonferenz in London geben und möglicherweise gibt es dort nicht nur Wissenswertes über die geplanten Shows zu berichten. Nach Informationen der Zeitung "The Sun" will Jacko zudem das Erscheinen eines neuen Albums verkünden. In die Karten gucken lassen wollen sich die Organisatoren der Pressekonferenz jedoch nicht. In der Einladung ist nur von einer "speziellen Ankündigung" die Rede. "Mehr kann ich dazu offiziell nicht sagen", erklärte die Direktorin der Veranstaltungs-Agentur "Outside Organisation", Celena Aponte, auf Anfrage. Allerdings ließ sie durchblicken, dass Jackson schon gewichtige Gründe haben müsse, um persönlich zu einer groß angelegten Pressekonferenz zu erscheinen. Und auch sie hatte natürlich von den Gerüchten gehört, die sich um ein Comeback Jacksons rankten - und dementierte diese nicht.

Die letzte große Konzertserie Jacksons liegt mehr als zehn Jahre zurück. Von 1996 bis 1997 war Jackson bei seiner "History"-Tour weltweit in rund 80 Shows zu sehen. Sein letztes Studio-Album "Invincible" erschien 2001. Aussagen über ein großes Comeback Jacksons gab es in den vergangenen Jahren zuhauf. Jackson ist seit seinem spektakulären Freispruch vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs 2005 weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden. Erst im vergangenen Monat hatte er Gerüchte dementieren lassen, er leide an einer schweren Krankheit und brauche eine Lungentransplantation.

Außerdem war jüngst von mehr als hundert Songs die Rede, die Jackson in den letzten Jahren angeblich produziert haben soll. Diese jedoch sollten zur finanziellen Absicherung seiner Kinder erst posthum veröffentlicht werden.

Stoff für die Klatschspalten

Bereits am Dienstag kam Jackson in London an. Die Zeitung "Daily Mirror" zeigte am Mittwoch Fotos, wie der Sänger mit hochgeschlagenem Kragen am Londoner Flughafen Luton aus seiner Privatmaschine steigt. Dem Bericht zufolge wird Jackson von seinen drei Kindern begleitet. Vor seinem Hotel im exklusiven Londoner Stadtteil Knightsbridge versammelten sich bereits die ersten Fans. Nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, was die "Yellow Press"-Metropole im Sommer erwartet: Paparazzi-Wahnsinn, Fan-Tumulte, die kruden Einkaufstouren des beinah-bankrotten Shopaholics - und das alles in einer Zeit, da die einstigen Lieblinge wie Doherty, Winehouse & Co. zuletzt immer weniger frischen Stoff für die Klatschspalten lieferten.

Ein weiterer Punkt dürfte seine Fitness sein: Fotos von Jackson aus der jüngeren Vergangenheit, auf denen er auch im Rollstuhl sitzt, lassen Zweifel an der Bühnentauglichkeit des Sängers aufkommen. Aus dem Umfeld Jacksons kommt indes Entwarnung. "Wir würden Michael nicht auf die Bühne vor tausenden von Menschen bringen, wenn er nicht zu 100 Prozent fit wäre", zitierte der "Daily Mirror" einen nicht näher genannten Insider.

Für die mutmaßliche Konzertserie war angeblich auch Las Vegas als Comeback-Ort im Gespräch, allerdings sollen Jackson-Vertreter von einer Konzertserie des Popstars Prince in der O2-Arena so beeindruckt gewesen sein, dass die Wahl auf die Londoner Bühne fiel. Die Mediaplaner der großen Gazetten dürften sich jetzt schon vor Freude die Hände reiben.