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Mozartjahr: M-Faktor sorgt für Umsätze

Es sollte das Kulturereignis schlechthin in Österreich werden: der 250. Geburtstag von Mozart. Das Scheitern auch dazu gehört, mussten etliche Veranstalter feststellen. Der Erfolg liegt im Detail und bei den Übernachtungen. Start frei für das zweite Halbjahr.

In Salzburg das "Haus für Mozart", in Wien das Mozarthaus - die beiden großen österreichischen Konkurrenten in Sachen Mozart lassen sich nicht lumpen in dem Jahr, in dem die Musikwelt den 250. Geburtstag des großen Komponisten feiert. Millionen von Euro wurden aufgewendet, um noch mehr Mozart zu bieten als sonst ohnehin gespielt wird, Häuser wurden (um-)gebaut, Auftragswerke vergeben, Kinderprogramme erfunden. Und das alles mit dem Anspruch, kein bloßes "Jubeljahr" zu inszenieren, sondern dem musikalischen Genie angemessene Qualität zu bieten. Zur Halbzeit bleibt nur wenig Zeit für einen Rückblick - Salzburg und Wien rüsten für das zweite Mozart-Halbjahr.

Das beginnt in Salzburg mit dem rein zahlenmäßig ehrgeizigsten Vorhaben, das die Festspiele je verfolgten: Alle 22 Bühnenwerke Mozarts sind in szenischen Produktionen zu sehen, darunter auch Fragmente. Intendant Peter Ruzicka rechtfertigt den im Vorfeld bisweilen spöttisch kritisierten "Mozart-Marathon" mit dem Argument, die Festspiele seien die einzige Institution, die ein solches Projekt zu realisieren imstande seien. Dazu wird nach Jahrzehnten der Finanz- und Architekturstreitigkeiten das neue "Haus für Mozart" eröffnet, eine der der bleibenden Errungenschaften, die auch nach 2006 an den großen Sohn der Stadt erinnern werden.

Die Erwartungen an Neuinszenierungen sind im "M-Jahr" besonders groß, mitunter aber auch die Enttäuschungen. Das Burgtheater Wien etwa erlitt in Kooperation mit der Staatsoper bei dem Versuch Schiffbruch, das erste deutsche Singspiel "Die Entführung aus dem Serail" am Ort der Uraufführung neu zu interpretieren. Bei den Wiener Festwochen enttäuschte eine glanzlose "Zauberflöte". Und auch so manche Uraufführung, etwa von Olga Neuwirth oder Thomas Pernes, blieb hinter den Erwartungen zurück.

Möglichst viele Erstbegegnungen mit Mozart

"Scheitern gehört dazu", meint lapidar der Intendant des Wiener Mozartjahres, Peter Marboe. Ihm sind ohnehin die Projekte wichtiger, die nicht im Zentrum des Touristen-Interesses liegen. Und tatsächlich erzielte man an der Donau große Erfolge mit dem Konzept "nur keine Spektakel und Mozart-Events". Bisher sieht er sich auf einem guten Weg mit dem Ansatz, "möglichst viele Erstbegegnungen und Neubegegnungen mit Mozart" zu ermöglichen.

Schlosser inszenieren "Metall-Sinfonie"

Da gab es Lehrlingsprojekte, in denen angehende Schlosser ihr Werkzeug zum Instrument umfunktionierten und gemeinsam eine «Metall-Sinfonie» entwickelten. Da gibt es Mozart in flagranti, wenn plötzlich ein Ensemble aus heiterem Himmel in einem Wiener Park ein Streichquartett anstimmt oder ein Mozart-Mobil, das durch die Stadt tourt und Kinder zum Musizieren animiert. "Wir können nicht mehr tun, als Erfahrungen anzubieten. Und wenn diese Saat irgendwann einmal aufgeht, dann ist das Jahr ein Erfolg", sagt Marboe, der mit seinem Team auf Langfristigkeit setzt.

Off-Theaterfestival "Höllenfahrt"

Interessiert beobachtete das Publikum in Salzburg und Wien auch jene Aktivitäten, die - im angenommenen Sinne Mozarts - die zeitgenössische kreative Szene fördern sollten. Das Festival "Kontracom" für Kunst im öffentlichen Raum in Salzburg etwa wurde vom Boulevard bekämpft und fand doch seine Bewunderer. In Wien punktete das Mozartjahr mit einem Off-Theaterfestival unter dem Titel "Höllenfahrt" und verstand es mit einem Kurzfilmfestival, auch Filmemacher mit dem Musikgenie in Kontakt zu bringen.

Konstanten sind die Kunstausstellungen

Als große Konstanten im überbordenden Angebot dienen die Ausstellungen: Das neue Mozarthaus Vienna in einer ehemaligen Wohnung des Musikers hat die erstrebte Zahl von 100 000 Besuchern schon übertroffen. In der Albertina Wien fordert die Schau "Experiment Aufklärung. Mozart und seine Zeit" die Aufnahmefähigkeit des Publikums heraus, blieb allerdings mit rund 1500 Besuchern am Tag bisher hinter den Erwartungen. In Salzburg steht die als "Geburtstagsfest" inszenierte Ausstellung "Viva!Mozart" inklusive Rokoko-Tanzkurs kurz vor dem Sprung über die 100 000-Besucher-Marke.

Übernachtungsplus in Wien

Und bei allen Beteuerungen, nicht in erster Linie die Touristen ansprechen zu wollen, verweisen beide Mozartstädte doch unisono auf die "überwältigende" internationale Aufmerksamkeit etwa für die Geburtstagsfeste an Salzburg und Donau im Januar. Denn auch die beste Tourismus-Statistik lässt sich noch steigern. So verzeichnet Wien nach fünf Mozart-Monaten ein Übernachtungsplus von 8,2 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr, das bereits mit einer Rekordzahl zu Ende ging. Und in Salzburg schlug der Geburtstag im ersten Halbjahr sogar mit einem Besucherplus von 23 Prozent zu Buche.

Irmgard Schmidmaier/DPA / DPA
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