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Ray Davies: Girls will be Boys

The Kinks waren eine der einflussreichsten Bands der sechziger Jahre. Sie haben zahlreiche Pop-Klassiker geschrieben wie etwa den Song "Lola". Der Sänger und Kopf der Band, Ray Davies, wird jetzt sechzig Jahre alt.

Der bekannteste Titel der Kinks, "Lola", ist bereits mehr als 30 Jahre alt und unsterblich. Geschrieben hat den Song Ray Davies, Sänger, Kopf und Herz der britischen Band. Seit mehr als 40 Jahren ist er inzwischen im Geschäft, und am 21. Juni wird er 60. Er gilt als einer der großen Männer der Rockmusik. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Dave hob er im Dezember 1963 die Kinks aus der Taufe. Die Band gehört zu den einflussreichsten Musikgruppen der 60er und 70er Jahre. Aktuelle Gruppen wie Blur oder Oasis haben den Kinks viel zu verdanken.

Ray Davies wurde am 21. Juni 1944 im Norden Londons in eine Familie mit insgesamt acht Kindern geboren, die Brüder Ray und Dave waren die jüngsten. Beide verband eine lebenslange Rivalität, die auch auf der Bühne ausgetragen wurde. Ray galt als Chef der Band, der Gitarrist Dave als Glamourboy. Bereits 1964 landeten sie ihren ersten Nummer Eins-Hit mit "You Really Got Me". Das Stück gelangte auch unter die ersten zehn in den US-Hitparaden.

Die rebellische Stimmumg der Zeit

In den Folgejahren hatten die Kinks eine Reihe von Erfolgssingles in England, darunter "All Day and All of the Night" (1965), "Tired of Waiting For You" (1965) und auch "Lola" (1970). Titel wie "A Well Respected Man" (1966) passten in die rebellische Stimmung der Zeit und "Sunny Afternoon" war ihr letzter großer Hit der 60er Jahre. Inhaltlich beschäftigte sich Davies in seinen Texten mit dem englischen Landleben, seiner Liebe zu seiner Heimat, mit Liebe und Wut.

Die Kinks beschränkten sich nicht auf die Produktion einzelner Musikstücke, sondern probierten vieles aus. Zu den größeren Projekten gehörte eine Rock-Oper ("Preservation Act I und II"), die 1973 beim Publikum jedoch nicht ankam. Ray Davies, der in jungen Jahren daran gedacht hatte, Kunst zu studieren oder Filme zu machen, bevor er seine Musikerkarriere begann, legte 1995 einen Band mit Kurzgeschichten vor.

Von Straßenräubern überfallen

In den 90er Jahren trat er in Live-Shows auf, in denen er aus seinem Leben erzählte, aus seinem Werk las und alte und neue Songs vortrug. Im vergangenen Januar wurde Ray Davies in dem Touristenviertel French Quarter von New Orleans von Straßenräubern überfallen und angeschossen. Die Kugel traf ihn im rechten Schenkel. Er konnte jedoch nach ambulanter Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Der "Los Angeles Times" vertraute er einmal an, dass die Vielfalt der Kinks Fluch und Segen zugleich gewesen sei: Auf der einen Seite hätten sie eine breite Palette gegenwärtiger Musiker beeinflusst, auf der anderen erreichten sie nie den hohen Wiedererkennungswert und den Kultstatus von Bands wie den Rolling Stones oder den Beatles. Ray Davies schrieb dies seinem Mangel an Marketingtalent zu. Musikkritiker aber machten die etwa im Vergleich zu den Stones-Songs größere Komplexität und Intimität der Kinks-Stücke dafür verantwortlich.

Hana Goodhart, DPA / DPA
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