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Ringo Starr: Der Spaßvogel der Beatles wird 65

Er schaute stets mit einem traurigen Dackelblick in die Welt und war doch der Spaßvogel der Beatles. Auch wenn Ringo Starr nicht gerade ein Schlagzeugvirtuose war, hat er zum Sound der Band einen großen Beitrag geleistet.

Von Carsten Heidböhmer

Ringo Starr: ein Beatle wird 65

Ringo Starr: ein Beatle wird 65

Auf dem Höhepunkt der Beatlemania Mitte der 60er Jahre schwärmten die meisten Mädchen nicht für den cleveren John, nicht für den Schwiegersohn Paul und für den stillen George schon gar nicht: Es war Ringo Starr, der mit seinem traurigen Dackelblick und seinem frischen Humor einen Großteil der Mädchenherzen höher schlagen ließ. Dass er auch als Schlagzeuger und Sänger seinen Teil zum Erfolg der Beatles beitrug, wird gerne unterschlagen.

Der am 7. Juli 1940 in Liverpool als Richard Starkey geborene Spross einer Arbeiterfamilie begann nach gescheiterten Anläufen als Botenjunge, Barkeeper und Schreiner 1959 seine musikalische Karriere bei der Band Rory Storm And The Hurricanes. Aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername: Ringo nannte er sich wegen der vielen Ringe an seiner Hand, Starr leitet sich von seinem Nachnamen ab. Bei einem Gastspiel im Hamburger Star Club traf er 1960 erstmals die Beatles, die ihn zwei Jahre später für den untalentierten Pete Best als Schlagzeuger in ihre Band aufnahmen.

Die Geburt des "Ringo-Sounds"

Doch auch Starr war auf seinem Instrument kein Überflieger: Die Legende besagt, dass auf der ersten Beatles-Single "Love me do" an seiner Stelle ein Studiomusiker trommelte. Doch im Laufe der Jahre entwickelte Ringo Starr seinen eigenen Stil, der vom Sound der Gruppe nicht mehr wegzudenken ist. Seine begrenzten Fähigkeiten setzte er derart effektiv ein, dass man noch heute den "Ringo-Sound" heraushört.

Immerhin drei Beatles-Songs stammen aus seiner Feder: "What goes on" in Zusammenarbeit mit John Lennon und Paul McCartney sowie "Don't Pass Me By" und "Octopus's Garden". Auf jedem Album - mit Ausnahme von "Let it be" - sang er mindestens ein Lied, darunter so legendäre Stücke wie "With A Little Help From My Friends" und "Yellow Submarine". Auch jenseits der Musik setzte er Höhepunkte: Die ersten beiden Beatles-Spielfilme, "A Hard Days Night" und "Help" leben geradezu von Ringos komischer Ader.

Erfolgreiche Solokarriere

Nach der Auflösung der Band 1970 gelang ihm zunächst eine überraschend erfolgreiche Solokarriere. Der musikalisch stets unterschätzte Ringo Starr feierte mit seinen Alben große Erfolge, "Back Off Bugaloo" (1972) und "Photograph" (1974) erklommen sogar die Spitze der Charts. Auch auf den Soloalben der anderen Ex-Beatles half er gelegentlich mit und blieb auf diese Weise seinen Bandkollegen lebenslang verbunden. Seit Mitte der 70er Jahre ist es um seine Musikerlaufbahn allerdings ruhiger geworden. Stattdessen machte er mit Drogen, Alkohol, künstlerischen Misserfolgen und persönlichen Schicksalsschlägen von sich reden.

Aus der ersten, 1975 geschiedenen Ehe mit Maureen Cox stammen zwei Söhne und eine Tochter. Sohn Zak, der bei dem Who-Schlagzeuger Keith Moon trommeln lernte, sitzt inzwischen bei Oasis an den Drums. Er sorgte auch dafür, dass Ringo inzwischen zweifacher Großvater ist.

Auch als Schauspieler gefragt

Parallel zu seinen musikalischen Aktivitäten versuchte sich Starr in den 70er Jahren auch als Filmschauspieler. Dabei deckte er so unterschiedliche Genres ab wie den Spaghetti-Western "Blindman", Frank Zappas Avantgarde-Film "200 Motels" und Ken Russels "Lisztomania". 1980 nahm er mit der Komödie "Caveman - Der aus der Höhle kam" seine vorerst letzte Rolle an. Bei den Dreharbeiten lernte er seine zweite Frau Barbara Bach kennen, mit der er seit 1981 verheiratet ist. Bis 1988 führte das Paar ein ausschweifendes Jet-Set-Leben, ehe beide in den USA eine Alkoholentziehungskur machten.

Seitdem zog Ringo Starr immer wieder mal mit seiner All-Starr Band durch die Hallen der Welt. Wie gut der ehemalige Beatle noch immer ist, dokumentiert eine die All-Starr-Tournee 2004 dokumentierende Konzert-DVD. Sie zeigt den einstigen Clown der Beatles noch immer in Bestform. Ende des Monats kommt sein neuestes Album "Choose Love" in die Läden, und im nächsten Jahr soll Ringo als Zeichentrick-Superheld sogar die Welt retten. So ist trotz seines 65. Geburtstages nicht damit zu rechnen, dass er bald in Rente gehen wird. Möge er noch lange für uns trommeln!

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