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Schwerer Abschied: Volksmusikwelt trauert um Maria Hellwig

Es war ein Abschied, wie sie ihn gewollt hat - mit Musik, bayerisch- bodenständig. Familie, Freunde und die Welt der volkstümlichen Musik haben Deutschlands "Jodelkönigin" Maria Hellwig "Pfüa Gott" gesagt. Zahlreiche Fernsehstars der Volksmusik kamen zur Beerdigung.

In einer bewegenden Trauerfeier hat die Volksmusikwelt am Mittwoch in Reit im Winkl Abschied von ihrer "Jodelkönigin" Maria Hellwig genommen. Die beliebte Sängerin ("Servus, Gruezi und Hallo") war in der Nacht zum Samstag 90-jährig an den Folgen einer Infektion gestorben.

Maria Hellwigs einzige Tochter Margot hatte gar nicht groß einladen müssen - für Fernsehstars der volkstümlichen Musik wie Marianne & Michael, Florian Silbereisen und Karl Moik war es eine Selbstverständlichkeit, trotz winterlicher Straßenverhältnisse in das oberbayerische Alpendorf zu kommen. "Maria hat für uns Volksmusikanten ganz viel getan", sagte Marianne. Sie hätten ihren allerersten Fernsehenauftritt bei Maria Hellwig gehabt. "Wir werden ihre Fröhlichkeit im Herzen bewahren", ergänzte Michael.

Karl Moik sprach von einem tragischen Moment: "Wenn man 40 Jahre privat und künstlerisch zusammen ist, tut das weh. Aber so ist das Leben." Florian Silbereisen betrat die Kirche wortlos, ebenso wie die aus Reit im Winkl stammenden Ex-Ski-Stars Rosi und Evi Mittermaier. Im Altarraum der katholischen Pfarrkirche St. Pankratius standen die Abordnungen der örtlichen Vereine mit ihren farbenfrohen Fahnen und in der einheimischen Tracht.

Noch vor dem Gottesdienst hatten sich die Trauernden in der Aussegnungshalle vor dem mit roten Rosen geschmückten Sarg von "ihrer Maria" verabschiedet. Neben dem hellbraunen Sarg stand ein Foto von Maria Hellwig. Fernsehunterhalter Hape Kerkeling hatte einen Kranz geschickt. Auf der Schleife stand "Ein letzter Gruß". "Mit lieben letzten Grüßen" auf der Kranzschleife verabschiedete sich auch Schlagersänger Heino. Volksmusik-Moderator Silbereisen schrieb "Danke für alles", Marianne & Michael schlicht "Danke Maria".

Das Requiem las der Münchner Domkapitular Wolfgang Huber. Er kannte Maria Hellwig schon als kleiner Ministrant. In seiner Predigt ging Huber auf das nicht immer leichte Leben der tiefgläubigen Volksmusikerin ein, deren Vater früh starb und die im Zweiten Weltkrieg ihren ersten Mann sowie ihren Bruder verlor. "Mit einem letzten Lied hat Maria ihr irdisches Leben beendet, unserem Herrn und Gott darf sie jetzt mit einem Jodler auf den Lippen entgegengehen", sagte der Geistliche laut Manuskript. Nach dem Requiem und der Aussegnung sollte Maria Hellwig an der Seite ihres 1996 gestorbenen Mannes Addi beerdigt werden.

Maria Hellwig wurde mit mehr als 500 Sendungen im Fernsehen und auf Tourneen rund um den Globus zur ungekrönten "Jodelkönigin". Unvergessen bleibt für ihre Anhänger, wie sie - stets im Dirndl und perfekt geschminkt - tanzend und schunkelnd ihre Lieder sang. Am 22. Februar hatte die Jodlerin in ihrem geliebten Cafe "Kuhstall" mit der Familie und vielen Freunden noch ihren 90. Geburtstag gefeiert. Ans Aufhören dachte sie nie: "Ich bleibe auf der Bühne, solange ich mich zum Walzer drehen kann und die Leute mich mögen", bekannte sie stets.

Paul Winterer, DPA / DPA