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Serge Gainsbourg: Chansonnier und Provokateur

Er war Frankreichs großartigster Chansonnier, gleichzeitig aber auch Maler, Komponist, Schriftsteller und Provokateur.

Er verbrannte vor laufender Kamera einen 500-Franc-Geldschein, um gegen die Konsumgesellschaft zu protestieren und funktionierte Frankreichs Nationalhymne, die Marseillaise, in ein Anti-Kriegslied um. Serge Gainsbourg, einer der bedeutendsten Chansonniers Frankreichs, brauchte die Provokation und den Medienrummel. «Da Serge nicht so war, wie er sein wollte, suchte er seine Bestätigung durch den Skandal», erklärte seine langjährige Lebensgefährtin und Muse Jane Birkin.

Alkohol und Zigaretten

Gainsbourg, der wie ein Besessener arbeitete, komponierte für Brigitte Bardot, Juliette Greco und Petulia Clark mehrere Erfolgs-Chansons, sang, schrieb Romane, stand vor der Kamera, malte, war Kettenraucher, Gewohnheitstrinker und notorischer Zyniker. Bis kurz vor seinem Tod im März 1991 machte Gainsbourg, der am 2. April 75 Jahre alt geworden wäre, Witze über seinen starken Alkohol- und Zigarettenkonsum: «In Alkohol legt man Früchte ein und Fleisch wird geräuchert.»

Die große Liebe war das Malen

Mit Provokationen und Zynismus reagierte der in Paris geborene Gainsbourg auf die Wunden, die ihm das Leben schon früh zugefügt hatte. Es gab Dinge, die er nie vergaß: Zuerst wollte seine Mutter ihn abtreiben lassen, dann musste er den gelben Judenstern tragen und schließlich flog er wegen Undiszipliniertheit vom Gymnasium. Dass er seine Bilder vernichtete, machte ihm besonders zu schaffen - denn statt Sänger wäre er lieber Maler geworden.

Sohn jüdischer Eltern

Der als Lucien Ginsburg geborene Künstler war Sohn jüdischer Eltern, die 1921 aus Russland nach Frankreich emigrierten. Er war ein eher schüchterner und kränkelnder Junge. Mit zehn Jahren interessierte er sich für die schönen Künste, sieben Jahre später schrieb er sich in die Akademie Montmartre ein, wo er bei dem Maler und Bildhauer Jacob Pakciarz Unterricht nahm. «Lucien liebte Bonnard. Das war sein Idol. Das Licht und die Farben seiner Gemälde faszinierten ihn. Er war ein begabter und schüchterner Junge», berichtete der in Polen geborene Künstler.

Lucien schuf vor allem Landschaften und Stillleben, einige verschenkte er, die meisten jedoch zerstörte er. «Ich wollte meine Bilder nicht verkaufen, in der Malerei war ich unbestechlich», sagte Gainsbourg 1976 in einem Radiointerview.

Um seinen Unterhalt zu verdienen, griff er zur Gitarre und tingelte durch die Pariser Bars und Nachtkneipen - mit viel Erfolg. Da er den erhofften Durchbruch in der Malerei nicht so schnell schaffte, wie er wollte, gab er sie auf. Jahre später schien er diese Entscheidung zu bereuen: «Die Malerei hat mich geprägt. Ich habe darin eine höhere Kunst gefunden, die mich intellektuell ausglich. Das Singen und der Erfolg jedoch haben mich ins Wanken gebracht. Ich war mit der Malerei glücklich, ich habe die Malerei geliebt», gestand er 1974.

Streit- und Alkohol-süchtig

Der Maler Ginsburg war schüchtern, der Chansonnier Gainsbourg ein Provokateur. Vor allem ab den 80er Jahren suchte er den Streit und die Herausforderung. In einer Fernsehsendung machte er der amerikanischen Popdiva Whitney Houston vulgäre Angebote und trat betrunken in Fernsehshows auf. Gainsbourg war nie ein sehr gepflegter und gut aussehender Mann gewesen. Die Franzosen nannten ihn deshalb auch «Den Mann mit dem Kohlkopf». Doch in diesen Jahren begann er, sich völlig zu vernachlässigen: Er war unrasiert, meist ungekämmt und hatte ständig eine Zigarette im Mundwinkel hängen.

Die Legende lebt

«Serge sorgte für Skandale, weil er die Schlagzeilen brauchte. Dadurch hatte er das Gefühl zu existieren», sagte Jane Birkin. Und so lebt eine Legende weiter, die Frankreichs Presse so beschreibt: «Lucien Ginsburg ist tot, Serge Gainsbourg lebt ewig.»