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Shakira im Interview: "Ich habe acht Jahre Psychotherapie hinter mir!"

Anlässlich ihres neuen Albums "She Wolf" lud Shakira auf die Bahamas ein und sprach im Interview über ihre geschockten Eltern, Kinderwünsche und die langen Jahre der Psychotherapie .

Shakira, im Video zu "She Wolf" turnen Sie sehr sparsam bekleidet in einem Käfig umher. Wird Ihnen das nicht langweilig? Sie wissen: Da gucken besonders die Herren hin.
Ich habe kein Problem damit. Wir reden doch über die Unterhaltungsindustrie! Die Leute können mich anschauen, wie sie möchten, auf welche Art auch immer. Ich weiß genau, wer ich bin.

Sie haben mal gesagt: "Man mag meinen, ich sei ein sexuell aggressiver Mensch, ich bin aber genau das Gegenteil." Sie sind in Wahrheit prüde?
Nicht mehr, nein. Das hat sich verändert. Ich fühle mich heute freier. Ich zeige jetzt noch mehr von meinem Körper als früher. Als meine Eltern das neue Video sahen …

… waren sie ein bisschen besorgt?
Sie waren total entsetzt! Sie fragten: Warum hast du so wenig an? Als würde ich die privaten Teile meines Körpers zeigen! Aber das tue ich ja nun nicht, etwas so Unerhörtes würde ich niemals tun. Obwohl, wer weiß, vielleicht mit 40? (lacht). Ich fühle mich heute jedenfalls sehr wohl mit meinem Körper. Dafür habe ich acht Jahre Psychoanalyse gebraucht.

Acht Jahre Therapie? Da hatten Sie aber eine Menge zu besprechen.
Das hat vor allem ein paar Taler gekostet! Aber der Punkt ist ja, ein freierer Mensch zu werden – dafür ist eine Analyse doch da.

Waren Sie gefangen in Ihrer Karriere, die ja früh begonnen hat? Sie waren 14, als Ihr erstes Album erschien.
Das war nicht der zentrale Inhalt meiner Therapie, aber den werde ich Ihnen eh nicht verraten. Ich wollte mich einfach analysieren, mein Leben, und es ist großartig, etwas zu haben, das man nicht mit jedem teilt: Was immer ich da herausgefunden habe, bleibt bei mir. Ich habe mein Unterbewusstsein entdeckt, es auseinander gefaltet wie einen Stadtplan, und ich weiß jetzt, woraus meine Träume bestehen, was da tief in mir ist, was ich mir wünsche.

Kinder?
Kinder, ja. Ich muss mich definitiv reproduzieren! Aber vorher möchte ich noch ein paar Grammys gewinnen und noch mal auf Tournee gehen.

Sie haben eine Stiftung, "Bare Feet" (Barfuß), mit der Sie armen Kindern in Ihrer Heimat helfen. Schämen Sie sich für den Luxus, in dem Sie selbst leben?
Früher ging mir das oft so, ja. Als ich anfing, Geld zu verdienen, habe ich mir in Barranquilla, meiner Heimatstadt, ein Apartment gekauft, das Mittelklasse war, obwohl ich mir etwas anderes hätte leisten können.

Hier auf den Bahamas leben Sie inzwischen in einer hübschen Villa.
Nein, ich habe hier ein relativ kleines Haus.

Was heißt relativ klein?
Kleiner als mein Haus in Miami. Nur zwei, drei, nein: vier Schlafzimmer. Und ein kleines Studio. Und ganz viele Blumen! Mein Garten ist schön bunt. Ich liebe lila, darum habe ich mein Haus lila angemalt. Na ja, anmalen lassen. Dafür hatte ich bis vor kurzem nicht mal ein Auto.

Aber Sie fliegen im Privatjet.
Wie kommen Sie denn darauf?

Stand in der "New York Times".
Hmm, okay. Das Leben ist kurz, ich arbeite hart – da muss ich auch mal ein bisschen genießen dürfen. Und das eine schließt das andere nicht aus: Ich tue ja trotzdem alles, um anderen Menschen zu helfen.

Ihre Stiftung hat in Kolumbien fünf Schulen gebaut. Als die letzte eröffnet wurde, kam sogar Ihr Präsident vorbei, Alvaro Uribe.
Was ich bisher mit der Stiftung erreicht habe, das hat mich mehr befriedigt als alles andere in meiner Karriere. Ich habe als Kind davon geträumt, dass es in Barranquilla eine Schule gibt für Kinder, die in extremer Armut leben. Und nun steht sie da, meine Schule, mit 55 Lehrern und großartigen Sportmöglichkeiten, wo es jeden Tag etwas zu essen gibt und die Kinder mit einem Lachen im Gesicht hingehen.

Sie sprechen für Ihre sozialen Projekte bei südamerikanischen Staatspräsidenten vor, treffen sogar Barack Obama oder Gordon Brown. Keine Sorge, dass die Herren Sie nur für hübsche Publicity benutzen?
Mag sein, dass die mich benutzen, aber ich benutze sie ja auch. Das ist ein Geschäft, das gut ist für beide Seiten: Die bekommen ein schönes Foto, ich bekomme eine Zusage für etwas, das mir am Herzen liegt. Hauptsache, wir bewegen uns in die gleiche Richtung.

Ulrike von Bülow