Susan Boyle "Ich werde meine große Chance nicht wegwerfen"

Vor dem Finale gilt Susan Boyle als die große Favoritin der Casting-Show "Britain's got Talent". Angesichts von 100 Millionen Videoabrufen ihres Auftritts ist der Erwartungsdruck enorm, jetzt zeigt die Britin zum ersten Mal Nerven.

Eine Schönheit ist sie wahrlich nicht, aber mit ihrer Stimme hat Susan Boyle Millionen Zuschauer überrascht und hingerissen. Am Samstag steht die 47-jährige als klare Favoritin im Finale der Fernsehshow "Britain's Got Talent". Wenn sie sich gegen die neun Konkurrenten durchsetzt, sind ihr 100.000 Pfund (rund 114.000 Euro) und ein Auftritt vor der Queen sicher.

Doch dazu gilt es zu hoffen, dass sie das Lampenfieber besiegen kann und keinem der anderen Kandidaten ein so magischer Moment gelingt wie ihr. Rummel und Ruhm scheinen der stämmigen Schottin allmählich etwas viel zu werden; kurz vor der Entscheidung liegen die Nerven blank: Boyle sei "in Tränen aufgelöst" gewesen und habe vorübergehend sogar daran gedacht, "ganz aus der Show auszusteigen", berichtete Jurymitglied Piers Morgan in seinem Blog. Die Boulevardpresse berichtete groß darüber, wie Boyle außer Fassung geriet, als sie in einem Hotel von zwei Journalisten bedrängt wurde.

Erwartungsdruck macht nervös

"Sie war leicht verstört, und die Journalisten wurden von der Polizei aus dem Gebäude entfernt", erklärte eine Sprecherin der Talentshow. Auf der Website der Sendung wurde dementiert, dass Boyle aufgeben wolle. Sie bleibe in der Show und werde am Samstag auftreten. "Ich habe wochenlang geprobt, ich habe an nichts anderes gedacht", wurde sie zitiert. "Ich werde meine große Chance jetzt nicht wegwerfen." Boyle stehe unter großem Druck, verteidigte Morgan die Kandidatin. Schon im Halbfinale habe man ihr die Nervosität angemerkt, sagte der Juror in einem Rundfunkinterview. "Ich glaube, es ist Zeit, dass jetzt alle mal ein bisschen auf Abstand bleiben."

Woge der Sympathie

Noch im April hatte keiner die unscheinbare graue Maus mit der Fusselfrisur und dem tantigen Tortendeckchenkleid auf der Rechnung. Doch sie schaffte die Sensation. Das Video ihres ersten Auftritts mit "I Dreamed a Dream" aus dem Musical "Les Miserables" wurde im Internet inzwischen über 220 Millionen Mal abgerufen. Das Halbfinale mit "Memories" aus "Cats" - da war Boyle schon gestylt, die buschigen Augenbrauen gezupft und das Haar getönt - fachte die Begeisterung noch weiter an. "Mit dieser Woge der Sympathie im Rücken kann sie diesen Wettbewerb gewinnen", glaubt der Musikagent Neil Warnock. "Dann könnte sie ein sehr erfolgreiches Album machen und vielleicht eine erfolgreiche Welttournee, weil die Leute sie sehen wollen." Doch Ruhm sei eine flüchtige Angelegenheit, mahnt Warnock. Es sei viel schwieriger, eine ganze Live-Show auf Tour durchzustehen als einen dreiminütigen Auftritt im Fernsehen.

"Dann und wann ein echter Funken Talent"

Die beliebte Talentshow wurzelt in der Tradition des britischen Varietés, das vor Erfindung des Fernsehens Stadt und Land mit Bauchrednern und Feuerschluckern, Zaubertricks und Hundekunststückchen amüsierte. Das sei Teil des Charmes, meint Warnock. "Wir neigen dazu, uns über die ganz dämlichen Nummern lustig zu machen, aber es ist auf seine Weise englisch und exzentrisch, und wir lieben das", erklärt der Agent. "Und dann und wann siehst du einen echten Funken Talent." Einige von Boyles Rivalen in der Endrunde sind auch nicht ohne. Der zwölfjährige Soul-Sänger Shaheen Jafargholi zum Beispiel, der nach Ansicht mancher Kritiker eigentlich besser singen kann als Boyle, hat auch schon seine Fan-Gemeinde.

Blackburn drückt die Daumen

Daheim in der schottischen Kleinstadt Blackburn, wo Susan Boyle regelmäßig bei den Karaoke-Abenden im Pub aufzutreten pflegte, ist die Talentshow das große Gesprächsthema. "Wir drücken ihr alle die Daumen", versichert der Wirt Jackie Russell. "Das Beste kommt noch." Im Gemeindezentrum, wo Boyle ehrenamtlich arbeitete, werden Großbildschirme für eine Party aufgestellt. "Das ganze Dorf ist aus dem Häuschen", berichtet June Mackey. "Natürlich wird sie gewinnen, und es wird ihr Leben verändern. Aber wegziehen wird sie nicht, sie wird in Blackburn bleiben. Hier ist sie zu Hause."

AP

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