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Sängerin Y'Akoto : Die Beste aus zwei Welten

Sie wollen gute Songs und eine tolle Stimme? Da haben wir was für Sie: die Sängerin Y'Akoto.

Von Kester Schlenz

Y'Akoto

Sängerin Y'Akoto

Wenn ein Kind im Grundschulalter zu Hause einfach mal eine weiße Wand bunt anmalt, dann sind Eltern gewöhnlich nicht begeistert. So ging es vor über 20 Jahren in Ghana der Mutter der kleinen Y'Akoto auch. Doch ihre Tochter zur Rede zu stellen, war gar nicht so einfach. "Wieso?", fragte die Kleine selbstbewusst: "Das ist doch wunderschön, was ich da gemalt habe."  Y'Akoto diskutierte dann so lange mit ihrer Mutter, bis die erschöpft einsah, dass eine weiße Wand für einen kreativen Menschen praktisch eine Einladung ist.  Schon damals ahnten Y'Akotos Eltern wohl, dass aus  ihrer Tochter mal was Besonderes wird. Und so ist es dann auch gekommen. Die heute 27-Jährige - schön, charismatisch und ungeheuer talentiert - ist auf dem besten Weg, ein großer Musikstar zu werden. Mit ihrer tiefen, vollen Stimme und selbst komponierter Musik irgendwo zwischen Soul, Pop, Ethno, Folk und Blues. Wer sich davon selber überzeugen will: Y'Akoto ist gerade in Deutschland auf Tour. Zwei CDs hat sie bereits veröffentlicht, an der dritten arbeitet sie gerade.

Wer wollte, konnte ihr Talent schon vor zehn Jahren im etwas verschlafenen Hamburg-Bergedorf sehen und hören. Denn dort hatte Y'Akoto ihre ersten Auftritte mit Hamburger Schülerbands. Sie war so überzeugend auf der Bühne, dass der Vater eines Gitarristen seinem Sohn die wenig schmeichelhafte Frage stellte: "Mann, die singt ja so gut. Warum macht die denn was mit Euch?"

"Ich musste Musikerin werden"

Moment: Ghana? Hamburg-Bergedorf? Das muss erklärt werden: Y'Akoto heißt eigentlich Jennifer Yaa Akoto Kieck und ist die Tochter eines ghanaischen Musikers und einer deutschen Politologin. Geboren wurde sie in Hamburg. Doch kurz nach ihrer Geburt zog die kleine Familie nach Ghana. Das Mädchen sollte auch das Land ihrer Vaters kennenlernen. Bis zu ihrem elften Lebensjahr lebte Jennifer in Ghana. Deutschland kannte sie nur von gelegentlichen Besuchen. "Ich hatte eine unbeschwerte, schöne Kindheit", sagt sie. "Bei uns zuhause herrschte eine tolle, offene Atmosphäre. Immer waren viele Gäste da. Es wurde diskutiert über Politik und Kultur, vor allem über Musik. Überall standen Instrumente herum. Immer lief irgendwo eine Schallplatte oder es wurde selber Musik gemacht. Ich hatte eigentlich gar nicht so viele Optionen: Ich musste Musikerin werden.“

Doch vor der Musik-Karriere kam der Umzug. Jennifers Eltern wollten, dass sie auf eine gute, weiterführende Schule geht und nun auch das Land ihrer Mutter besser kennenlernt.  So zog die Familie nach Hamburg-Bergedorf.“ Für Jennifer ein echter Kulturschock: "Ich mochte die Sprache nicht. Ich mochte die Bücher nicht. Ich mochte die Lehrer nicht. Ich hatte einen krummen Akzent, mir fehlten Wörter, und ich habe erst mit acht Jahren richtig auf Deutsch Schreiben und Lesen gelernt. Aber Englisch - das war mein Ding. Ich habe dann schon mit elf Jahren Geschichten und Songtexte geschrieben.“

Die Musik war ihre Rettung aus dem Tal der Tränen. "Ich musste mich ja irgendwie beschäftigen", sagt Y'Akoto. "Bergedorf ist so öde, und die Schule habe ich ja gehasst. Aber dann waren da diese Schülerbands. Und das gefiel mir. Die sangen meist alle auf Englisch. Und ich dachte: Hey, da ist ja alles falsch.  Und dann habe ich meine Hilfe angeboten und gesagt: Leute, ich schreib euch das. Und so bin ich ganz schnell ins Songtexten gekommen.“ 

Bald gab es den ersten Plattenvertrag 

So kam eins zum anderen. Die Proberäume wurden ihr zweites Zuhause, und Jennifer begann, sich musikalisch auszuprobieren. Reggae, Soul, Punk, Electro, Ambient: Hauptsache Musik. Nach der Schule begann sie eine Ausbildung zur Tanzpädagogin, zog von zuhause aus nach Hamburg-St. Pauli und verdiente sich ihr erstes Geld als Background-Sängerin. Und sie nahm eigene Songs auf. Dann, als sie 22 Jahre alt war, schrieb ein Journalist ein Porträt über binationale Jugendliche, in dem auch Jennifer vorkam. Er war begeistert von ihren Liedern und stellte sie dem Musik-Management Kamé Entertainment vor.  Die Leute  dort erkannten sofort, welches Talent da vor ihnen saß.  Aus Jennifer wurde Y'Akoto,  und bald gab es den ersten Plattenvertrag beim Major-Label Warner.

"Ich hatte auch mit 16 Jahren schon mal Besuch von zwei Leute einer anderen großen Plattenfirma", erzählt Y'Akoto. "Aber ich fand es damals komisch, dass da zwei Männer sitzen, mir einen Song geben und sagen: Sing das mal. Da hat damals schon mein Musikergehirn gesagt: Wieso soll ich denn den Song eines anderen singen?  Die fanden das aber wohl komisch, dass da so ein sechzehnjähriges Mädchen sitzt und sagt: Nee, ich will meine eigenen Sachen machen.“

"Wir brauchen authentische, gute Songs"

Y'Akoto wusste offenbar schon immer sehr genau, was sie was sie will und was sie kann. Es ist erstaunlich, mit welchem Selbstbewusstsein sie einem Sätze wie diesen ins Aufnahmegerät spricht: "Wir sind umgeben von mittelmäßiger Musik. Das ist eine ernste Situation. Und viele Songwriter, die es eigentlich besser könnten, werden dazu gedrängt, Konsens-Musik zu machen. Immer soll alles klingen wie das, was gerade erfolgreich ist. So wird Musik wie H&M und Zara. Wir brauchen authentische, gute Songs. Und ich will meinen Teil dazu beitragen."

Das - soviel kann man schon jetzt sagen – ist ihr bisher sehr gut gelungen. Wenn man die deutsche Musikszene als weiße Wand sieht, dann hat Y'Akoto begonnen, sie bunt zu bemalen.

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