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Zoff mit Jan Delay: Heino ist kein Nazi - aber ein Ärgernis

Jan Delay hat Heino angegriffen. Ein Nazi ist der Sänger sicher nicht. Aber eine Nervensäge. Und ganz aus der Luft gegriffen ist eine Verbindung von Heino und rechtem Gedankengut nicht.

Ein Kommentar von Kester Schlenz

Die "Bild"-Zeitung - von jeher Heinos Hausblatt - schäumt. Heino als Nazi zu schmähen - wie kann man nur? Tatsächlich ist der Barde sicher kein bekennender Nationalsozialist. Das weiß auch Jan Delay, der halt manchmal einfach zu locker daher labert. Dennoch darf sich der Sänger zu Recht darüber ärgern, dass ein Typ wie Heino ein Lied von Delays ehemaliger Band "Absolute Beginner" gecovert hat. Es war schließlich Heino, der in einem Interview mit der "FAS" seine eigene Fitness mit einem Zitat aus einer Hitler-Rede beschrieb. Er sei immer noch "hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund". Hinterher wollte er nicht gewusst haben, dass er den Führer zitiert hatte.

Es war Heino, der 1977 auch die verpönte erste Strophe des Deutschland-Liedes mit rollendem R auf einer Platte eingesungen hat ("Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt"), und darauf auch noch stolz war. Und Jan Delay hat recht, wenn er dem Sänger vorwirft, dass dieser 1983 und 1986 fröhlich im damals noch rassistischen Apartheids-Staat Südafrika auftrat, in den seinerzeit fast kein namhafter Star der Welt seinen Fuß setzte.

Heino wird in rechten Kreisen geschätzt. Sein großer Hit "Schwarzbraun ist die Haselnuss" gilt als Soldatenlied. Zu einem Nazi macht ihn das alles sicher nicht. Aber sympathisch auch nicht. Mag der Mann auch neuerdings als cooler Rocker auftreten - für mich ist und bleibt er ein zutiefst konservatives, fragwürdiges und deutschtümelndes Ärgernis in der Popwelt.

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