Zweiraumwohnung Auf das Glück fixiert


Die Berliner Elektro-Pop-Band Zweiraumwohnung hat mit "36 Grad" ein neues Album herausgebracht. Nun beginnt ihre Tour - im Auftrag des Glücks.
Von Thomas Krause

"Das Leben ist nur ein Moment und wer den Anfang und das Ende kennt, der weiß, es geht nur darum: Sind wir glücklich?" lauten die ersten Textzeilen des Albums "36 Grad" der Band Zweiraumwohnung. Schon diese paar Worte geben das Leitmotiv der neuen CD vor: "Das letzte Album 'Melancholisch schön' war von einer gewissen Ruhe und Nachdenklichkeit geprägt", sagt Tommi Eckart, der gemeinsam mit Sängerin Inga Humpe das Elektro-Pop-Duo Zweiraumwohnung bildet. "Diesmal sollte es ein sehr energievolles Album werden".

Tatsächlich prägen Energie und sommerliche Leichtigkeit die Platte. "Diese Leichtigkeit zu erreichen, war die große Kunst. Wir haben im vergangenen Sommer an dem Album gearbeitet, deswegen ist da diese Sommerstimmung eingeflossen", sagt Humpe, die die grundsätzliche Entwicklung der Band selbst jedoch nicht beurteilen möchte: "Für uns selbst ist das schwer zusagen. Wir spüren nur, dass es immer noch Freude macht."

Grenzüberschreitung im doppelte Sinne

Die Grenzüberschreitung in Richtung Pop ist für die Sängerin das Wesentliche an "36 Grad". Man könnte allerdings auch sagen, dass die Grenzüberschreitung in Richtung Sinnlosigkeit stattgefunden hat. Textzeilen wie "Ich singe la la la" ("La La La") oder Songtitel wie "1 2 3 tschiu" entziehen sich jedenfalls leichtfüßig einer Deutung. "Man muss die Songs auch freilassen - trotz der Erwartungen, die im Raum sind", sagt Humpe als Erklärung für derartigen Nonsense.

Genau dieses rein emotionale Verstehen der Songs von Zweiraumwohnung scheint das Erfolgsrezept der Band zu sein. Immerhin hat sie sich im Laufe der Jahre vom Berliner Phänomen zu einer Band entwickelt, die trotz deutscher Texte auch im europäischen Ausland Anhänger findet. "In unserer Musik ist viel Stimmung eingefangen, die weit über die Texte hinausgeht. Wir kriegen auch Rückmeldungen von Fans aus Spanien, Japan und Brasilien. Wir merken also, dass etwas in unserer Musik ist, das auch in anderen Sprachbereichen spürbar ist", sagt Tommi Eckart.

Musikalische Vielfalt

Dennoch sind die deutschen Texte wesentlicher Teil des Erfolges, mit dem Zweiraumwohnung schon früh den Weg für andere deutschsprachige Bands bereitete. Dass inzwischen selbst bei Casting-Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" Interpreten für deutschsprachige Texte gesucht werden, sieht Humpe demnach positiv: "Dass deutschsprachige Musik Erfolg hat, liegt auch an der musikalischen Vielfalt: Reggae, R'n'B, Pop und Rock - alles gibt es mittlerweile auf Deutsch."

Das ist wohl der wesentliche Unterschied zur Neuen Deutschen Welle, die Anfang der Achtziger Jahre für relative kurze Zeit die Musikszene der Bundesrepublik bestimmte. "Wenn ein bestimmter Sound aus dem Fokus gerät, wird nun sicherlich nicht gleich die gesamte deutschsprachige Musik aus der Mode kommen", sagt Eckart.

Lebensfreude eint die Fans

Vielfalt haben Zweiraumwohnung auch als Etikett für die eigenen Fans ausgemacht. Unter ihnen gibt es ganz unterschiedliche Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, sagt Humpe. Doch es gibt neben der Liebe zu Zweiraumwohnung noch ein zweites Element, das sie verbindet: "Eine gewisse Offenheit und ein Wunsch nach Lebensfreude ist bei allen vorhanden", so Humpe. "Jemand, der total sauer auf die Welt ist, kommt sicherlich nicht zu unseren Konzerten."

Und zu Besuchen von Zweiraumwohnung-Konzerten wird in den nächsten Monaten reichlich Gelegenheit bestehen. Am 7. März hat die Frühjahrstournee von Inga Humpe und Tommi Eckart begonnen, im Sommer folgen zahlreiche Festivalauftritte. Dann werden die Fans wieder zu Tausenden vor der Bühne stehen und glücklich sein. Denn sie wissen: Nur darum geht es.


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