VG-Wort Pixel

"Am Kreuzweg" in der ARD Der Priester und sein Doppelleben

Der ARD-Film "Am Kreuzweg" greift das Thema Zölibat kritisch auf. Harald Krassnitzer spielt darin einen katholischen Priester, der mit seiner heimlichen Geliebten zwei Kinder hat. Das Doppelleben droht aufzufliegen, als der Sohn ebenfalls Priester werden will und die Mutter ihm die Wahrheit über seinen Vater erzählen will.

Der Mann ist ein Schatz. Tüchtig im Beruf. Beliebt bei jedermann. Nett zu allen Leuten. Besonders zur guten Freundin Karin und deren beiden Kindern. Die Sache hat nur einen Haken: Der Mann ist katholischer Priester, Karin seine jahrelange Geliebte und der 19-jährige Georg sowie die neunjährige Marie sind ihre gemeinsamen Kinder. Was natürlich keiner wissen darf und am Ende doch jeder weiß. Erbleichend verlässt seine Gemeinde das Gotteshaus.

"Am Kreuzweg" heißt der von Uwe Janson nach einem Buch von Rodica Dohnert inszenierte Film, den die ARD an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) zeigt. "Gewiss, der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen ist das vielleicht aktuellere Thema. Und brennender auch, weil es dort um Opfer und ihre oft lebenslange Traumatisierung geht", meint Harald Krassnitzer, der den Pfarrer Conrad Feninger spielt. "Aber darüber darf man die Diskussion, wie Priester leben dürfen, nicht aus den Augen verlieren."

Krassnitzer, "katholisch sozialisiert, wofür ich dankbar bin", aber in den 90er Jahren aus der Kirche ausgetreten, ist strikter Gegner des Zölibats: "Wir brauchen eine moderne Kirche. Davon bin ich überzeugt. Aber sie muss von Priestern gestaltet werden, die frei leben dürfen. Von Persönlichkeiten also, die mitten im Leben stehen, selbst Familie haben dürfen, mit dieser Familie leben können und schon daher viel genauer wissen, was draußen in der Welt eigentlich so abgeht." Das Argument, nur die Ehelosigkeit garantiere das Beichtgeheimnis, mag er nicht akzeptieren: "Dann müssten ja auch alle anderen Geheimnisträger dieser Welt zur Ehelosigkeit verpflichtet sein."

Der jetzige Zustand "zwingt den einzelnen entweder in eine verlogene Kostümierung oder in unglaubliche Gewissenskonflikte". So wie hier im Film den Pfarrer Feninger. Dort kommt noch hinzu, dass Sohn Georg, dargestellt von Christopher Reinhardt, unbedingt selber Priester werden will, auch um den Preis der Ehelosigkeit - was ihm selbst das nette Mädchen aus der Disco nicht ausreden kann: "Bist du schwul oder wie?"

Die Mutter (Karoline Eichhorn) ist einverstanden, aber nur, wenn ihm der Vater zuvor die Wahrheit sagt und die ewige Lügerei ein Ende hat. Da zieht denn, vor dem idyllischen Hintergrund einer badisch-ländlichen Landschaft, das große Coming out herauf, zum Entsetzen des Bischofs (Jürgen Heinrich), der schon im allseits geachteten Feninger den idealen Nachfolger sah.

Nach seinem Bischof im Film "Mein Gott, Anna" an der Seite von Mariele Millowitsch als Diakonisse spielt Krassnitzer ein zweites Mal einen Geistlichen, und für ihn ist das keine Rolle wie andere: "Ich habe wieder gemerkt, was für ein Pathos in der Liturgie steckt und wie sehr die Liturgie dieses Pathos braucht. Das schauspielerisch umzusetzen, ist schwierig. Aber wenn es richtig eingesetzt wird, gibt es der Rolle eine besondere Kraft."

Paul Barz, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker