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"Das Verbrechen III": Kommissarin Lund kehrt zurück

Ein totes Mädchen, viele Verdächtige, eine ehrgeizige Kommissarin und politische Intrigen. Aus dieser Mischung macht David Hewson in "Das Verbrechen" einen packenden und vielschichtigen Krimi.

Am Anfang steht das Verbrechen: Eine junge Frau wird durch einen Wald gehetzt, und nach zwei dramatischen Seiten ist klar, dass sie nicht überleben wird. Damit hat der Brite David Hewson die Voraussetzungen für eine spannende Mördersuche geschaffen. Allerdings ist er nur der Zweitautor. Die Grundlage des Romans bildet eine mehrteilige Fernsehserie aus Dänemark.

Im Mittelpunkt des Romans steht Sarah Lund, die eigentlich an ihrem letzten Tag bei der Kopenhagener Kriminalpolizei nur ihren Schreibtisch aufräumen und ihren Arbeitsplatz an ihren Nachfolger übergeben wollte, bevor sie nach Schweden zieht. Der Mordfall ändert jedoch alles, denn Lund ist eine äußerst verbissene Ermittlerin. Gleich zu Beginn des Romans wird sie beschrieben als "eine ernste Frau, die unablässig die Welt um sich herum betrachtete, nie sich selbst. Frauen wie sie kannten keine Albträume, keine Ängste im Dunkeln, kein Aufblitzen eines erschrockenen jungen Gesichts, das vielleicht einmal ihres gewesen war."

Jeder hat ein Geheimnis

Zusammen mit ihrem Nachfolger, den sie kurzerhand zu ihrem Assistenten macht, verfolgt sie eine ganze Reihe von Spuren, ohne wirklich Anhaltspunkte zu haben. Der Roman beschreibt die komplizierte Polizeiarbeit sehr genau. Der Spannungsbogen bleibt durchgehend erhalten, da die Leser immer auf dem gleichen Wissensstand sind wie die Kommissare.

Eine Person nach der anderen gerät ins Visier der Ermittler. Nicht immer arbeiten die Polizisten fehlerfrei, so dass kein Verdacht wirklich endgültig ausgeräumt oder bestätigt werden kann. Drei intensive Wochen lang arbeiten Sarah Lund und ihre Kollegen an dem Fall, und der Roman begleitet praktisch jeden ihrer Schritte.

Eine Erklärung oder gar ein Motiv für die Tat lassen sich nirgendwo finden, so dass Lund ins Philosophieren kommt: "Monströse Taten brauchten keine Monster. Sie waren das Werk des Alltäglichen, Gewöhnlichen." Zu diesem Alltäglichen gehört im Roman auch, dass fast jede Figur Geheimnisse mit sich herumträgt, die von kleinen Lügen bis hin zum Doppelleben reichen können.

800 Seiten - und keine Seite zuviel

Allmählich teilt sich die Erzählung in drei Stränge. Die umfangreich beschriebene Spurensuche führt die Ermittler auch in die Kopenhagener Lokalpolitik. Die Machenschaften der Wahlkämpfer um den Bürgermeisterposten jenseits der öffentlichen Auftritte spielen dabei ebenso ihre Rolle wie die Versuche, den Mädchenmord für die eigenen Interessen einzusetzen. Viel Platz widmet der Roman auch der Familie des toten Mädchens, die unter dem Druck der Ereignisse schwersten Belastungen ausgesetzt ist.

Mit fast 800 Seiten ist der Roman sehr lang geraten, aber keine Seite ist zu viel. Hewson widmet jeder Figur genug Raum, um sie plastisch werden zu lassen, und gibt den Lesern zudem Gelegenheit, die Entwicklung jeder Szene nachzuvollziehen. Zudem bleibt die Suche nach dem Mörder bis zum Schluss spannend.

Grundlage für den Roman ist die erste Staffel der dänischen Fernsehserie "Kommissarin Lund", die im Jahre 2008 im ZDF gezeigt wurde. "Das Verbrechen" ist allerdings mehr als ein Buch zum Film. Der erfahrene Krimiautor Hewson ("Semana Santa") hat einige Fakten und Abläufe so verändert, dass auch für diejenigen die Spannung erhalten bleibt, die die Fernsehserie in guter Erinnerung haben. Der Erfolg von "Kommissarin Lund" zeigt sich auch im Fernsehen: Am 10. Februar beginnt das ZDF mit der Ausstrahlung der dritten Staffel um die Ermittlerin.

Axel Knönagel, DPA / DPA
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