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TV-Tipp 25.11.: "Die Tagesschau vor 25 Jahren": Mit Wilhelm Wieben und Dagmar Berghoff auf Zeitreise

Die "Tagesschau vor 25 Jahren" ist die beste Rückblicks-Show, die es derzeit im Fernsehen gibt. Weil sie auf nervige Promi-Erinnerungen verzichtet und einfach nur Tag für Tag zeigt, was war.

Als die Nachrichten noch Kassengestell trugen: Jeden Abend kurz vor Mitternacht wirft ARD alpha die Zeitmaschine an und zeigt die "Tagesschau"-Ausgabe von vor 25 Jahren

Als die Nachrichten noch Kassengestell trugen: Jeden Abend kurz vor Mitternacht wirft ARD alpha die Zeitmaschine an und zeigt die "Tagesschau"-Ausgabe von vor 25 Jahren

"Die Tagesschau vor 25 Jahren" 23.45 Uhr, ARD alpha
"Die SED hat innerhalb kurzer Zeit fast zehn Prozent ihrer Mitglieder verloren." Einen Moment ruht der Blick von "Tagesschau"-Sprecher Werner Veigel auf dem DIN-A4-Papier, das auf seinem Pult bereit liegt. Dann ergreift er das Blatt mit beiden Händen. Während seine Augen immer wieder kurz aufblicken, verliest Veigel den Rest der Nachricht. Dann legt er das Papier wieder beiseite. Das nächste wartet schon.

Veigels Stimme könnte fester, emotionsloser, nicht sein. Alles an ihm strahlt Professionalität aus. Seine schlohweißen, gescheitelten Haare. Sein schwarzer Anzug, Krawatte und Einstecktuch inklusive. Ich glaube, was er mir sagt. Dabei spricht diese Stimme aus der Vergangenheit zu mir. Werner Veigel ist tot. Auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass diese Worte in den Äther gesendet wurden.

Ich werde damals wohl in meinem Frotteebademantel auf unserem Wohnzimmerteppich gelümmelt haben. Vor 25 Jahren war ich neun Jahre alt, die Weltpolitik verstand ich noch nicht. Trotzdem hatte ich still zu sein, wenn die "Tagesschau" lief. Wenn zwischen 20 Uhr und 20.15 Uhr diese ernsten Männer und Frauen in unser Wohnzimmer kamen, um zu erklären, was sich in den vergangenen 24 Stunden außerhalb unseres kleinen Dörfchens ereignet hatte.

Diese Bilder heute zu sehen, in die Gesichter von Wilhelm Wieben, Dagmar Berghoff und Karl Fleischer zu blicken und diesen Moment zu erleben, in dem sich der "Tagesschau"-Schriftzug über die blaue Weltkarte legt, sich die Lettern mit dem letzten, triumphalen Taaa der Fanfare goldgelb färben - das ist Retrofeeling pur.

Darüber hinaus liefert die "Tagesschau vor 25 Jahren" die beste Geschichtsstunde, die es im deutschen Fernsehen gibt. Wo andernorts nervige Promis in kurzen Clips auftauchen, wo die Vergangenheit mit dem heutigen Wissen eingeordnet, geremixt und zu Tode interpretiert wird, bieten diese 15 Minuten einen ungeschminkten Blick auf das, was einmal war. Tag für Tag ergibt sich so ein Mosaikbild der Vergangenheit, das kein noch so ausführlicher TV-Rückblick leisten kann.

PS: Die "Tagesschau vor 25 Jahren" läuft auf dem Spartenkanal ARD alpha, täglich um 23.45 Uhr. Wer will, kann aber auch kürzer in die Vergangenheit springen. Auf Tagesschau.de finden sich täglich die Ausgaben der jeweiligen Tagesschau von vor 20 Jahren.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Wie viele Ausländer verträgt Deutschland?"
20.15 Uhr, ZDF
DOKUMENTATION Mit der Warnung vor Überfremdung machen rechtspopulistische Parteien Politik. 2013 kamen über 1 Million Menschen nach Deutschland. Dass gleichzeitig über 700 000 Personen ausreisten, dass die Wirtschaft nach Fachpersonal sucht, während Asylgesetze viele Menschen zur Untätigkeit verdammen - kein Thema. Interviews, Umfragen und Experimente, die u. a. zeigen, wie Deutschland ohne Ausländer aussehen würde, offenbaren die Widersprüche in einem Land, das sich als weltoffen begreift, den Wohlstand aber für sich beansprucht. (bis 21.00)

"Schatten der Wahrheit"
20.15 Uhr, RTL Nitro

THRILLER Können diese Augen lügen? Seitdem Wissenschaftler Norman (Harrison Ford) mit seiner Frau das Haus am See bezogen hat, wird die einsame Claire (Michelle Pfeiffer) von schaurigen Visionen heimgesucht. – Gealterte Hitchcock-Hommage von Robert Zemeckis. (bis 22.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo