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Fantasy-Serie Staffel acht versaut die Serie? Von wegen! Warum "Game of Thrones" immer noch großartig ist

Game of Thrones: Trailer
Die lang erwartete finale Staffel von "Game of Thrones" ist da. Und wie üblich mit Dingen, auf die zu lange gewartet wurde, wird fleißig gemeckert. Höchste Zeit, eine Lanze für die Damen und Herren in Westeros zu brechen.

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

"Game of Thrones" hatte einen sehr, sehr langen Lauf. Über die ersten sieben Staffeln lobte eine riesige, globale Fangemeinde Folge um Folge in den Himmel. Das begann mit der letzten Staffel schon zart zu bröckeln, jetzt in der finalen achten Staffel bekommen die Macher erstmals mächtig Gegenwind. Die Dialoge zu platt, die Charaktere nicht tief genug, die Handlung unlogisch, liest man da. Hier zum Beispiel beim stern. 

Und die Missgunst ist messbar: Auf dem Film- und Serienportal "IMDB.com" geben die Fans den neuen Folgen deutlich schlechtere Bewertungen als zuvor. Lächerliche 6,5 von 10 gab es für Folge vier, der mit großem Abstand schlechteste Wert für "Game of Thrones" aller Zeiten. Die drei davor waren mit 8,3 bis 8,6 ebenfalls unterdurchschnittlich. Zum Vergleich: Vor Staffel acht war 8,1 das schlechteste, was es je für eine Folge gab. 38 von 67 Folgen lagen bei 9,0 oder höher, viele der anderen nur sehr knapp darunter.

Kurzum: "Game of Thrones" ist eigentlich ein gefeierter Publikumsliebling.

Und die neue Staffel soll dieses Erbe zerstören? Ich möchte vehement widersprechen. Ja, die neuen Folgen machen zwar einiges anders als frühere Staffeln, aber nicht weniges davon deutlich besser.

Die Entfernungen in Westeros werden deutlich schneller überwunden. Das mag den Fantasy-Fan stören, der die Story live vorm TV mit den Büchern von George R. R. Martin abgleicht. Aber mal ganz ehrlich: Ich brauche keine drei oder vier Folgen andauernden Reisen durch die Sieben Königslande. Mir reicht ein Schnitt von A nach B. Ob dazwischen zwei Tage oder zwei Wochen vergangenen sind, ist in der Regel unerheblich. 

Würde sich ungefähr mit diesem Gesicht über "Game of Thrones"-Hater aufregen: Daenerys Targaryen
Würde sich ungefähr mit diesem Gesicht über "Game of Thrones"-Hater aufregen: Daenerys Targaryen
© HBO

Für meinen Geschmack hegen die "GoT"-Macher ohnehin oft einen etwas aberwitzigen Anspruch an ihre Zuschauer. So muss man sich in Staffel sieben zum Beispiel noch an Sätze aus Staffel zwei erinnern, um Anspielungen zu verstehen. Zwischen der Ausstrahlung liegen fünf Jahre! Ich weiß nicht einmal, was ich vor fünf Jahren gesagt habe. Da soll ich mir merken, was Sansa Stark gesagt hat? Wenn ich deswegen schon googlen muss, um die jüngste Folge vollends zu verstehen, dann kann man die Zeit doch gerne mit dem Einsparen von ereignisarmen Reisen herausholen.

Fehler? Wären mir ohne Internet nicht mal aufgefallen

Wie immer im Leben ist es letztlich eine Frage der Erwartungen. Vielleicht ließ Staffel acht einfach zu lange auf sich warten und die Fans haben dadurch zu viel erwartet. Unterm Strich bleibt noch immer exzellente Fernsehunterhaltung mit sehr guten Schauspielern, mit Spannung – und mit einer epischen Schlacht. Denn das war sie (sofern sie denn hell genug und damit auch zu sehen war, wie bei mir). Mittendrin regnete es auf einmal Untote vom Himmel. Da muss man auch erstmal drauf kommen. Mehr Schlacht und Spektakel geht nicht und mehr muss eine Serie für mich auch nicht leisten.

Natürlich sind Fehler, wie der ominöse Kaffeebecher im Bild, ärgerlich. Oder dass Königsmund in Staffel acht plötzlich leicht anders aussieht. Das ist unschön, aber ehrlich gesagt hätte ich beides nicht gemerkt, wenn es kein Internet geben würde. Also stört es mich auch nicht. Meinem Sehvergnügen hat beides keinen Abbruch getan.

Game of Thrones: Trailer zu Staffel 8, Folge 4

Viel Kritik regt sich auch an den Dialogen. Ich glaube, da rührt viel positive Verklärung der Vergangenheit mit. So episch waren die Dialoge nun auch nie. Sie waren immer gut bis sehr gut, und das sind sie jetzt auch noch. Vielleicht bekommen die einzelnen Charaktere etwas weniger Bildschirmzeit als zuvor und damit weniger Sätze. Die Dialoge sind aber immer noch genauso gut geschrieben. Tyrions (von vielen Fans kritisierter) Witz mit den abfrierenden Eiern etwa fand ich weder unlustig noch untypisch für den Zwerg.

Die Kritik an angeblich nicht tief genug gehende Charaktere mutet ohnehin seltsam an. Gern wird erfolgreichen Serien vorgeworfen, sie klammerten sich an ihren Erfolg und würden die Story unnötig in die Länge ziehen. "GoT" macht Butter bei die Fische: sechs Folgen zum Abschluss und gut ist. Aber ist dann auch wieder verkehrt. Manchen kann man es eben nicht recht machen.

Simpler muss nicht schlechter sein

Die Serie hat nach Staffel sechs die Buchvorlage überholt und ist damit natürlich anders geworden – eben mehr Fernsehen und weniger Buch. Das ist gut so. Die meisten Bücher taugen nicht für den Bildschirm. "GoT" ist unfassbar kompliziert, es gibt zahlreiche Familien, alte Fehden und jede Menge Abzweigungen, bei denen man leicht den Überblick verlieren kann. Das etwas mehr zu ordnen, zu strukturieren und den Sehgewohnheiten von normalen Menschen anzupassen, scheint mir eine gute Idee.

Vor Staffel acht habe ich mir ein einstündiges Youtube-Video angeguckt, das mir nochmal alle vorangegangenen Staffeln zusammenfasste. Nur, damit ich wieder auf dem aktuellen Stand war und alles verstehen konnte. Eine Stunde! Ich habe quasi Hausaufgaben gemacht, um mir eine Fernsehserie anzugucken. Dann doch lieber ein Kaffeebecher im Bild und zwei, drei Ungereimtheiten in der Story. Dann hat auch das Internet etwas zu tun.

"Game of Thrones": Kaffee-Panne

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