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Meinung

Fantasy-Saga: Das (nicht so) starke Finale: "Game of Thrones" hat seine Fans betrogen

Es ist vorbei. Nach acht Staffeln hat "Game of Thrones" ein Ende gefunden. Die letzte Folge reiht sich dabei an die vorhergegangenen Episoden an - leider im schlechtesten Sinne. Achtung, Spoiler!

Game of Thrones - Staffel 8: Das ist der Ausblick auf Folge 6

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier wirklich aufhören zu lesen.

Schluss. Aus. Vorbei. "Game of Thrones" ist nicht mehr. Die epische Saga um verrückte Herrscher, leidenschaftliche Kämpferinnen und beliebte Außenseiter ist vorbei. Doch was bleibt nach acht Jahren? Ernüchterung. 

"Game of Thrones" hat die Zuschauer betrogen

Denn die letzte Staffel der Fantasy-Serie hat ihre Zuschauer betrogen. Es deutete sich über die vergangenen Wochen an: Mit jeder Folge der achten Staffel wurden einem die Figuren, die man über Jahre liebgewonnen hat, immer gleichgültiger. Zuletzt ließ man jede Sendeminute emotionslos über sich ergehen. Ob die Lieblingsfigur in der Schlacht um Winterfell stirbt oder nicht - wen kümmert's? Ob Jon und Daenerys miteinander glücklich werden oder ihre Verwandtschaft für einen unüberbrückbaren Graben sorgt? Mir doch egal. Das mag zynisch klingen. Aber erst durch diese Erfahrung wurde deutlich, welch hohe Qualität die früheren Staffeln hatten. 

Was hat "Game of Thrones" den Fans doch für Momente geschenkt! Angefangen - natürlich - mit Jaime Lennister, diesem widerlichen Schönling, der den kleinen Bran Stark aus dem Fenster schubst. Unvergessen auch, na klar, Ned Starks überraschende Hinrichtung; die Rote Hochzeit, bei der wieder all die abgemurkst wurden, die einem doch gerade ans Herz gewachsen waren. Oder König Joffreys Vergiftung, so befriedigend und doch irgendwie unheimlich. Der Kampf zwischen dem "Berg" und Oberyn Martell gehört zu den Schockmomenten der jüngeren TV-Geschichte. Man hätte am liebsten weggeguckt, aber es ging nicht - gefesselt an den Bildschirm musste man mit ansehen, wie dem sympathischen Oberyn die Augäpfel ins Hirn gepresst wurden. Autsch. Legendär auch die "Schlacht der Bastarde", an deren Ende man jeden Faustschlag Jon Schnees gegen Ramsay Bolton bejubelt hat. "Game of Thrones" war vieles, aber garantiert nie belanglos. Bis jetzt.

Bran als König - die schlechteste Wahl überhaupt

Denn die achte Staffel lieferte nicht einen Moment dieses Kalibers. Zugegeben, wie Arya Stark den Nachtkönig um die Ecke gebracht hat, war visuell großartig und hinsichtlich der Storyline extrem befriedigend. Wenn es aber in einer finalen Staffel einer solchen Serie nur einen Moment gibt, der einem den Atem raubt, dann läuft etwas gewaltig schief.

Schlimmer noch: Mit Bran Stark sitzt nun ein Protagonist auf dem symbolischen Eisernen Thron (der echte wurde von Drogon abgefackelt), der den Großteil der Show apathisch in die Ferne guckt. Keine Figur hat beim Zuschauer wohl weniger Emotionen erzeugt als Bran.

Ganz gleich wer sich gerade einen epischen Schwertkampf geliefert oder Zwietracht gesät hat - Bran spielte keine aktive Rolle. Eine Figur zum Herrscher zu machen, die zwar allwissend, aber gleichzeitig völlig leidenschaftslos ist, erweist dem Rest der Serie einen Bärendienst. Was sind Brans Werte? Wofür steht er? Welche Ambitionen und Motivationen hat er? All diese Fragen bleiben unbeantwortet. Bran ist wie der Musterschüler, der sich nie gemeldet hat, am Ende des Jahres aber trotzdem mündlich eine Eins bekommen hat, nur um sich dann mit einem verschmitzten Lächeln zu bedanken. Er auf dem Thron ist das beste Ende, das den Machern einfiel? Man würde lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Ein Happy-End darf auch traurig sein

Und selbst Tyrion, der weise Gnom, der als schlauester Mann von Westeros doch meistens Recht gehabt hat, liegt im Finale gehörig daneben: "Was vereint die Menschen?", fragt er die Lords und Ladys, die über den Thron entscheiden sollen. "Geschichten! Und wer hat die beste Geschichte?" Gemeint ist Bran. Die beste Geschichte? Beinahe jede Figur in Westeros hat eine ergreifendere, bessere Geschichte als der Ober-Phlegmatiker Bran, der mehr über das Gestern sinniert als sich mit den Problemen der Gegenwart herumzuschlagen. Selbst Geist, Jon Schnees Wolf, löst beim Zuschauer mehr aus als der in die Gegend starrende Stark-Junge. 

Die Macher von "Game of Thrones" gingen mit ihrem Finale auf Nummer sicher und wählten das kitschigste Happy-End, das man sich vorstellen konnte. Doch ein gutes Happy-End muss nicht in Fröhlichkeit ersticken, es kann auch traurig sein, schockierend oder atemberaubend. "Game of Thrones" hätte man alles zugetraut. Bis zuletzt wartete man auf den großen Knall. Vergebens. Stattdessen wird dem Zuschauer ein Ende vorgesetzt, das nur eines auslöst: Gleichgültigkeit.

Die Krone aus der Serie "Game of Thrones"
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