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TV-Tipp 7.11.: "Interview mit einem Vampir": Die traurigen Bad Boys aus New Orleans

Seit stern-Autorin Jessica Wagener in den Straßen von New Orleans ein leibhaftiger Vampir begegnet ist, sieht sie den Klassiker "Interview mit einem Vampir" mit etwas anderen Augen.

Vampir Louis (Brad Pitt) und das Mädchen Claudia (die damals 11-jährige Kirsten Dunst) geben sich gegenseitig Halt.

Vampir Louis (Brad Pitt) und das Mädchen Claudia (die damals 11-jährige Kirsten Dunst) geben sich gegenseitig Halt.

"Interview mit einem Vampir" 22.05 Uhr, RTL2
VAMPIRFILM - Zwanzig Jahre ist es her, dass ich "Interview mit einem Vampir" zum ersten Mal sah. Pompöse Kostüme, ein Spritzer Erotik, ein Tröpfchen gezähmter Grusel und literweise Weltschmerz. Wie gemacht für einen Teenager.

Der Reporter Daniel Malloy (Christian Slater) interviewt in einem Hotel den Vampir Louis (Brad Pitt). Dessen jahrhundertelange Geschichte ist geprägt von der Lust am Leiden und inneren Zerwürfnissen. "Am allermeisten sehnte ich mich nach dem Tod, das weiß ich jetzt. Ich habe darum gebeten, um vom Schmerz des Lebens erlöst zu werden", beschreibt Louis seinen Zustand nach dem Ableben von Frau und Kind. Der bildschöne und eiskalte Vampir Lestat (Tom Cruise) findet ihn - und sagt einen folgenschweren Satz: "Ich werde Dich vor eine Wahl stellen, die ich selbst nie hatte." Dann macht er Louis durch einen Biss zu seinesgleichen.

Fortan marodieren die beiden Blutsauger außerordentlich gut gekleidet gemeinsam durch das New Orleans des späten 19. Jahrhunderts. Wenn nur Louis' Gewissensbisse nicht wären. Schließlich stellt der empathische Vampir seine Ernährung um und stillt seinen Durst an Ratten und anderem Kleingetier. Bis das liebreizende Mädchen Claudia (Kirsten Dunst) auftaucht, Lestat sie zu einem Geschöpf der Finsternis macht und sich zwischen Claudia und Louis eine innige Verbindung entwickelt, die sich immer mehr gegen den sadistischen Lestat richtet ...

"Interview mit einem Vampir" ist ein opulenter Schmachtfetzen mit Kultcharakter und schwermütigem Abgang; Blutsaugen geschieht selbstverständlich sehr ästhetisch. Ich erinnere mich, wie gleichermaßen traurig und erleichtert ich damals war, dass es so etwas wie Vampire in Wirklichkeit nicht gibt. Bis ich Ende 2012 nach New Orleans reiste.

Im "Vieux Carré", dem alten Viertel, sorgten antike Gaslaternen für spärliche Beleuchtung der schmalen Gassen. Ich ging spazieren, bog in eine leere Seitenstraße und bewunderte Balkone mit zierlichen Geländern. Und plötzlich kam mir ein echter Vampir entgegen. Zumindest sah er so aus. Ein untersetzter Mann mittleren Alters im schwarzen Hemd mit Cowboyhut, Zopf und kajalumkränzten Augen. Er lächelte - und entblößte dabei spitz gefeilte Eckzähne. Ich starrte ihn an und atmete auf, als er bisslos an mir vorbei schritt. Ob er echt war? Wer weiß das schon. Vielleicht ist an den ganzen Vampirgeschichten ja doch was dran. Oder wie Louis sagt: "Vampire, die so tun als ob sie Menschen wären, die Vampire spielen. Wie avantgardistisch."

Fazit: Auch nach zwei Jahrzehnten ist "Interview mit einem Vampir" ein sehenswerter Film. Nicht nur aus nostalgischen Gründen. Am Besten trinken Sie dazu stilecht ein Glas Wein. Blutrot, versteht sich.

Ein TV-Tipp von Jessica Wagener, freie Autorin beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die Frau in Schwarz"
20.15 Uhr, RTL 2
GRUSEL London, Ende des 19. Jahrhunderts. Gezeichnet vom Tod seiner Frau, muss der junge Anwalt Arthur Kipps (Daniel "Harry Potter" Radcliffe) einen Nachlass an der Küste regeln. Der Auftrag ist die letzte Chance, sich und seinem kleinen Sohn das Auskommen zu sichern. Auf einer Insel im Watt wartet ein dunkles Herrenhaus auf ihn. Drum herum das kalte Grausen: Eine schwarz verhüllte Frau geht um, Kinder stürzen sich wie hypnotisiert ins Verderben, und durch den Nebel gellen Schreie. - Die britischen Hammer-Studios klöppelten den Grusler nach Susan Hill mit klassischen Zutaten zusammen und servieren ein hübsch altmodisches Schauerstück. Die Fortsetzung ist für 2015 geplant. (bis 22.05)

"Tödliches Schweigen"
0.15 Uhr, MDR

DRAMA Zum 60. von Fleischermeister Plache (Bruno Ganz) will Lisa ihren Mann überraschen: Ihr Sohn Christian (Ulrich Mühe), der in den Achtzigern in den Westen floh, ist wieder da! - Kein goldener Westen und keine Ostalgie: Bernd Böhlichs Studie über die Sprachlosigkeit entstand 1997. (bis 1.45)