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"Maischberger" zum Thema Papst: Zwischen Kichern und Kondomverbot

Der Countdown für den Papst-Besuch läuft, unter den Talk-Töpfen wird die Flamme noch einmal höher gedreht. „Wer braucht noch Benedikt?“ fragte Sandra Maischberger in der ARD. Antworten gab es - oh Wunder - auch diesmal nicht.

Von Ingo Scheel

Eigentlich begann die Sendung durchaus vielversprechend. Schon während der Vorstellung der Gäste durch den Off-Sprecher tätschelte die Gastgeberin ihrer Sitznachbarin, Gloria von Thurn und Taxis, beruhigend das Knie. War hier schon jemand vor lauter Vorfreude ganz unruhig und quasselig? Das konnte ja heiter werden. Wurde es dann jedoch über weite Strecken so gar nicht.

Dafür war das Aufgebot bei Sandra Maischberger mit viel zu angejahrtem Händchen zusammengecastet. Wer sich wundert, dass bei "DSDS" etwa eine Generation von 15-Jährigen immer noch olle Kamellen vom Schlage "You can Leave Your Hat On" oder "I Will Always Love You" schmettert, der fiel auch hier in den Graben der Generationen. Gloria von Thurn und Taxis? Esther Vilar? Und dann auch noch Mathieu Carrière? Nein, das hier war nicht das Jahr 1987. Und schon gar nicht das "Dschungelcamp".

Auch der Rest der Runde passte ins angegraute Bild: Für den silbenreichen Vortrag mit Ganz-nah-dran-Bonus war Papst-Biograf Andreas Englisch, der Rolf Seelmann-Eggebert des Vatikans, angetreten. In den Clinch der beiden Glaubenslager hatte man Friedrich Schorlemmer, evangelischer Theologe und DDR-Bürgerrechtler, auf der einen, den katholischen Prälaten Wilhelm Imkamp auf der anderen Seite geschickt.

"Alle Frauen sollten aus der Kirche austreten"

Was denn Mathieu Carrière den Papst fragen würde, wollte Sandra Maischberger wissen. Warum er beim Segnen die Hände so hält, als wolle er eine Fliege fangen - lautete die psychedelische Antwort des Schauspielers, der aussah, als hätte er den RTL-Urwaldknast eben erst verlassen: Braun gebrannt und - für den Prälaten ein Grund zur Sorge - immer noch sehr schmal. Und auf diesem Level sollte es weitergehen. Der quirlige Englisch fabulierte weit ausholend von päpstlichen Wundern auf St. Lucia, Esther Vilar präsentierte ihre schlichte Lösung für die religiöse Revolution: Alle Frauen sollten aus der Kirche austreten.

Gloria von Thurn und Taxis, man erinnere sich an ihren Ausspruch vom Schwarzen, der halt "gerne schnackselt", nahm es dagegen wieder einmal leicht: Beim Wort "Kondomverbot" muss sie immer lachen. Köstlich, Frau Fürstin. Anschließend versuchte sich die Gute noch an einer Metapher mit einer Fußball-Mannschaft, um Glauben und Religion zu erklären. Diesem Bildersturm hätte man jedoch selbst dann nicht mehr folgen können, wäre es hellichter Tag und nicht schon nachtschlafend spät.

Zu müde zum Aufschreien

So wurde denn über den gesamten Sendungsverlauf das übliche Stichwortverzeichnis abgearbeitet. Nur ja alles unterbringen, damit es zumindest mal gesagt wurde: Missbrauch und Zölibat, Scheidung und Schwule, Frauen, Aids, Kondomverbot. Fehlt noch etwas? Ja, eine Mütze voll Schlaf. Doch da setzt in all dem Lavieren und Labern zumindest der Prälat persönlich noch ein Ausrufezeichen: Eine Liberalisierung der Kirche, ein Aufweichen, ein Nachgeben beim Zölibat oder in punkto Frauen oder Scheidung wird es nie und nimmer geben. Eine "Zeitgeist"-Kirche würde sich selbst abschaffen und jede Bedeutung verlieren. Da war dann nicht einmal mehr Mathieu Carrière noch wach genug um aufzuschreien. Irgendwie wollten es alle letztlich zu einem guten Ende bringen. Auch Friedrich Schorlemmer hielt nicht mehr dagegen. Schulterschluss der Glaubenslager war hier die Devise und den feierten die beiden am Ende, onkelhaft grinsend der eine, verschmitzt lächelnd der andere.

"Man müsste Millionen Jahre leben. Das würde uns doch zu Tode langweilen", sagte Esther Vilar einst, auf die Möglichkeit des ewigen Lebens angesprochen. Bei "Maischberger" reichten diesmal bereits 75 Minuten um eine ödnis-bedingte Nahtod-Erfahrung zu machen.