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TV-Kritik

"Promi Big Brother - Tag 3": Pseudo-Skandale und fröhliches Scheitern

"Promi Big Brother" kommt langsam in Schwung: Während Cathy Lugner mit ihren Offenbarungen eine Bauchlandung erlebt und sich Isa Jank zu früh freut, entwickelt sich Edona James immer mehr zur neurotischen Drama-Queen.

Von Lars Peters

Big Brother

"Promi Big Brother" - die neue Luxusgruppe beim gemeinsamen Grinsen: Frank, Jessica, Dolly (Vorne, v. l.), Isa und Joachim (M.), sowie Mario (oben)

Es ist der wohl unskandaligste Promi-Big-Brother-Skandal ever, ever, ever: Cathy Lugner, die fünfte Ehefrau von Mörtel Lugner, berichtet aus ihrem Leben und bricht in Tränen aus. Aber nicht, weil sie mal nachgerechnet hat, wie viele Jahre ihr Mann älter ist als sie (es sind 57), sondern weil sie sich so unfair behandelt fühlt von seinem "Umfeld". Dieses respektiere sie nicht, so dass sie auch "psychisch fertig" sei. Und dann könne sie sich nicht einmal ständig nur Gucci und Prada kaufen, um darüber hinwegzukommen.

Zur Unterstreichung dieses durchsichtigen Mitleid-Manövers schmeißt Cathy auch noch die Tränendrüsen an und lässt sich von den Mitinsassen trösten. Sendungs-Sidekick Désirée Nick fällt darauf nicht ein, scheitert mit ihrem Gag dazu aber genauso krachend wie Cathy mit ihrer Offenbarung: Wenn Ehemann Mörtel die Schlafanzughose bis zu den Brustwarzen hinaufziehe, sei das ein "Lifting für die Eier".

Da ist die Sendung auf dem Niveau angekommen, das die Einrichtung im Kellerbereich des Hauses hat: schäbig und dreckig. Ausgerechnet Marcus Prinz von Anhalt, der sich bestens mit dreckigen Geschäften auskennt, hat davon die Nase voll und will Abhilfe schaffen, denn "ohne Disziplin beginnt die Verwahrlosung". Ringer Frank Stäbler hingegen vermutet, dass der plötzliche Ordnungssinn des Kaufprinzen von seinem Gefängnisaufenthalt herrührt. Sich darüber weiter Gedanken zu machen, ist aber ohnehin müßig, da man zumindest als TV-Zuschauer keinen durchschlagenden Erfolg der Aufräumaktion erkennen konnte. Geblieben ist aber immerhin eins: ein neuer Spitzname für Prinz Marcus, der "Putzteufelprinz".

Die Moderatoren von Promi Big Brother


"Promi Big Brother": Regencape als Dusch-Burka

Auch Isa Jank, ehemalige von Anstetten, hat sich einen neuen Kosenamen eingefangen: die Fledermaus. Dieser rührt weder von ihrem operettenhaften Gesang noch von nächtlichen Ausflügen als vielmehr von ihrem zur Dusch-Burka umgewidmeten Regencape. Im Gegensatz zu den überaus zeigefreudigen Mitbewohnerinnen Edona und Jessica möchte Isa den Zuschauern nämlich weder ihre primären noch sekundären Geschlechtsmerkmale vorführen, sondern ganz im Gegenteil ihre körperliche Privatsphäre auch unter der Dusche schützen. Was liegt da näher, als sich ein blickundurchlässiges Regencape überzuwerfen, mit den Armen Flugbewegungen anzudeuten und dann in die Duschkabine zu entschwinden? Dass es "scheiße aussieht, aber funktioniert", weiß sie selbst am besten. Dass diese Einschätzung allerdings auch für das Rasieren von Haaren auf den Zehen gilt, man sich damit aber sofort den Spott auf sich zieht, muss ihr noch jemand beibringen.

"Promi Big Brother": Aus dem Verlies ins Fressparadies
Edona James ist längt nicht die einzige Container-Bewohnerin, die pralle Tatsachen vorzuweisen hat. Das bewies die "Bachelor"-Kandidatin Jessica Paszka. Demonstrativ nahm sie im Kellerverlies eine kalte Dusche.

Edona James ist längt nicht die einzige Container-Bewohnerin, die pralle Tatsachen vorzuweisen hat. Das bewies die "Bachelor"-Kandidatin Jessica Paszka. Demonstrativ nahm sie im Kellerverlies eine kalte Dusche.

Beibringen sollte man ihr auch mal die Spielregeln der Sendung. Sie dachte doch tatsächlich, dass man für die Telefonabstimmung über den Wechsel vom Luxus- in den Kellerbereich eine Art Immunität erwirbt, wenn man das Tagesspiel gewinnt. Aber weit gefehlt. Isa schlug sich zwar mit ihrem Teamgefährten Mario Basler erfolgreich, wurde am Ende der Sendung aber dennoch von den Zuschauern in den Keller befördert. Tja, zu früh gefreut. Beim Spiel traten Isa und Mario gegen Edona James und Prinz Marcus an. Dabei dirigierten die Frauen die Männer per Anweisungen zu Luftballons, die diese mit einem Schläger zum Platzen bringen mussten.

Währenddessen hatten die Herren natürlich verbundene Augen. Prinz Marcus befürchtete – wie sich zeigen sollte: durchaus berechtigt – dass er sich mit seiner Teamkollegin Edona erst noch einmal über die Bedeutung der Begriffe "links" und "rechts" verständigen müsse. Das half am Ende trotzdem nichts: Gleich dreimal verließ der Prinz unbeabsichtigt umherirrend das Spielfeld, das aber auch nur reichlich provisorisch mit Warteschlangenbändern, wie man sie vom Flughafen her kennt, abgegrenzt war. Moderator Jochen Schropp griff jeweils beherzt ein und lotste den Prinzen zurück.

Mario Basler verprügelt unwissentlich Edona James

Währenddessen nutzte Mario Basler unwissentlich die Gunst der Stunde, um seinen vorab geäußerten Verbalattacken gegen Edona James (sein Kritikpunkt: ihre Prostitutionsarbeit) körperliche Taten folgen zu lassen. Statt auf einen Luftballon drosch er mit dem Schläger mehrfach auf Edonas Arme ein. Am Ende ging der Sieg also ans Team Jank/Basler, die aber nichts weiter davon hatten. Vielmehr mussten sich die Verlierer zur Strafe ein übergroßes, orange-farbenes T-Shirt mit zwei Halsöffnungen gemeinsam überziehen, auf dem der wenig schmeichelhafte Satz "Hätte ich mich mal angestrengt" prangte.

Gepeinigt von dieser Schmach, aber auch genervt von ihren Verletzungen ("Ich möchte gern eine ärztliche Behandlung haben – ich blute"), lief Edona zur Höchstform auf und drohte mit ihrem Auszug aus dem Promi-Big-Brother-Haus. In der Tat musste man schlimmere Folgen der Schläge auf ihre geistige Gesundheit vermuten, gab sie doch in ihrer Schimpftirade ihr aktuelles Körpergewicht mit 20 Kilo an. Zwar erhöhte sie später auf 40, aber auch das scheint durchaus zweifelhaft. Bevor sie zu ihrem tatsächlichen Gewicht hätte kommen können, ging ihr Teamkollege Marcus dazwischen: "Die geht doch eh nicht. Die macht doch wieder nur Drama." Und so kam es dann auch: Drama-Queen Edona bleibt im Haus.

Das ist damit weiter voll besetzt. Die Bewohner des Luxusbereichs erlösten Stephen Dürr aus dem Kellertrakt, der verbal nicht weiter negativ auffällt, mit seinen sackigen Klamotten aber durchaus auf Augenhöhe des Dusch-Capes von Fledermaus Isa unterwegs ist. Letztere zeigte sich bei ihrem Umzug in den Keller richtig angefressen. Damit geht der Plan der Programmmacher mit den zwei Welten auf: oben genießen die unauffälligen Langweiler den Luxus, unten gehen sich die verärgerten Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten an die Gurgel. Da wissen wir doch schon, wo wir in den nächsten Tagen den meisten Spaß erwarten können.