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TV-Kritik

"Promi Big Brother": Rohe Zwiebeln im Joeyrassic Park

Ohne Zlatko wär’ hier gar nichts los: Sladdi gibt Körperpflege-Tipps, raucht Kette, säuft und wendet liebevoll die Lammkoteletts. Wenn nur die Sache mit der Frau Mama nicht wäre.

Von Ingo Scheel

Nach dem dritten Tag von "Promi Big Brother" wird Chris die Zielscheibe für hämische Twitter-Kommentare.

Die ganze Nummer steht und fällt mit dem Cliffhanger. Angedeutete Katastrophen, aufgerissene Augen, Tränen, nackte Haut, intime Geständnisse oder sonstige Schockmomente, kurz: irgendetwas, das dem geneigten Zuschauer zu verstehen gibt, warum es unerlässlich ist, auch nächstes Mal wieder einzuschalten. Am zweiten Tag von "Promi Big Brother" ist davon nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Kein Cliff, nur Hänger. Auf der Luxusseite wird ums eingeschweißte Lamm getanzt, als wäre gestern erst der Grill erfunden worden. Auf der Campingseite flaniert Chris im Bademantel zwischen den Vorzelten hin und her, als hätte der Infolenzer das schon immer gemacht.

Lilo schmaucht Zigarre und sieht ein bisschen aus wie Orson Welles an einem guten Tag, Almklausi entpuppt sich als solider Sparer und Jürgen Trovato - der Mann mit dem Namen, der sich immer ein wenig so anhört, als hätte man einem lernschwachen Papagei beigebracht, 'John Travolta' zu sagen - versöhnt sich doch allen Ernstes am Gartenzaun mit der Cindy, falsch, mit der Ginger. Nun ja, man kennt sich noch nicht so lange, das mit dem Namen wird der Jürgen sich bestimmt auch bald merken können.

Zlatko sorgt für Unterhaltung

Zwischendurch wird den unterversorgten Campern eine Schale rohe Zwiebeln als Snack gereicht, lässt Eva die Wirbelsäule vom Chris knacken und irgendjemand hat "Bock auf Eier". Fast möchte man sagen, das war es denn auch schon wieder. Wäre da nicht der gute Zlatko - milde gestimmt, ausreichend nikotinisiert, an der Hand das Weinglas festgetackert - der dem Leben hier, diesem allzu ruhigen Fluss, ein paar Bonmot-Kieselsteine in die Strömung schleudert.

Eine blonde Frau in grün gemustertem Bikini fasst sich mit der rechten Hand an den Po

Dass der Mann auch am zweiten Tag noch wie ein Wiedergänger aus der Zwischenwelt wirkt, eine Art Bobby Ewing nach der Duschszene, flasht selbst den sonst eher niedertourig laufenden Joey: "Nach 20 Jahren hier mit dem Zlatko. Das ist wie Jurassic Park. Vergessene Welt." Dem Dino selbst ringen derlei Erkenntnisse nur ein müdes Lächeln ab. Zlatko hat sich mittlerweile akklimatisiert, bedient den Luxusgrill mit dem kompetenten Händchen des routinierten Steak-Dompteurs und erzählt von damals, diesem Land vor unserer Zeit. Zlatko ging mit AOL ins Internet, trug ein olles Nokia in der Tasche und hatte nicht nur auf dem Rücken noch einiges an freier Fläche.

Heute muss jeder "meterosexuell" sein

Wer sich dran erinnert, an Sladdis einstige kurze TV-Karriere, und womöglich noch die Bilder vor Augen hat, wie der Mann sich mit der Nagelschere die Brust von Haaren befreit, dem wird hier ein erstklassiges Déjà-vu präsentiert. Denn heute - ist klar - da muss jeder "meterosexuell" sein. Im Klartext: Die Körperhaare müssen ab. Und wer lässt sich von so einem altersweisen T-Rex am schnellsten überzeugen? Der Joey natürlich. Und so entstehen doch noch ein paar Momentaufnahmen für die Ewigkeit. Wie sich Joey, einer mäßig orientierten Schildkröte gleich, auf dem Rasen kugelt und verzweifelt versucht, die Hinterseite seiner Oberschenkel zu rasieren - das hat jene Klasse, für die wir dieses Format eben doch noch - lieben, hätte ich fast geschrieben - nun ja, zumindest immer noch ein wenig liebhaben.

Nicht minder pointiert die Schnurre vom "einzigen Fehler", den Zlatko im Vorfeld der Sendung gemacht hat. So wollte der Sohn seiner Mutter nach 20 Jahren das erneute Reality-Leid ersparen, hat sich nach "Afrika in den Urlaub" abgemeldet, wo es "kein Internet gibt", weswegen er sich nicht melden kann. Sein Kardinalfehler: Der Sladdi-Mami nicht die App von der Bild-Zeitung vom Handy gelöscht zu haben. Nun denn, so dürfte denn auch Muttern nachrichtlich mittlerweile auf dem Stand sein, dass Sohnemann zurück im Rampenlicht ist und hier zumindest für eine Prise Aufsehen sorgt.

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Was sonst noch geschah: Im Studio wurde beim Ratespiel nicht nur mit Rotwein und Sojasoße geduscht, sondern kam auch noch Sladdi-Kumpel Jürgen zu Wort, der von gescheiterten Kontaktversuchen erzählte, der Grund: häufiges Wechseln der Handy-Nummer. Chris kaufte circa zwei Zentner Nudeln, Tobi wird sich, so Zlatko, demnächst "mit Käse zubetonieren", damit er wieder pumpen kann. Oder womöglich, um mit Janine "die Hütte kaputt zu pimpern", denn die beiden wechselten am Schluss in den Luxusbereich, sprich in vernünftige Betten. Auf selbige wird ausgerechnet Zlatko verzichten müssen, denn der wiederum musste im Gegenzug in die Welt der Unterversorgung einziehen. Und was ihn dort erwartet - Stichwort rohe Zwiebeln - dürfte sich womöglich dann doch noch als Cliffhanger entpuppen. Was Mutter Trpkovski wohl dazu sagt?