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TV-Kritik

"Promi Big Brother", Tag 7: Schlafsack-Sex in Bla-Bla-Land

Stephen Bannon, Maria Hering und Zachi Noy - die drei großen Abgänge des Vortages. Nicht nur im Weißen Haus sind die Tage gezählt, auch im Container bricht sich zum Bergfest vor allem eines Bahn: Vorfreude auf das nahende Ende.

"Promi Big Brother": Willi und Evelyn verschwinden unter der Decke

"Promi Big Brother": Willi und Evelyn verschwinden unter der Decke

Wie hatte eine große Promi-Zeitschrift in ihrer aktuellen Ausgabe da über die Jochis geschrieben: Die sind mit Spaß und Eifer bei der Sache. Es wäre interessant zu wissen, mit wem da tatsächlich gesprochen wurde. Der doppelte Jochen im Studio von „Promi Big Brother“ jedenfalls sitzt weiter ab wie eine lame duck aus Leidenschaft: Der eine verdreht die Augen, während der andere seinen Text aufsagt, alte Camouflage-Jacken von Claudia Effenberg werden aufgetragen und die ältesten Tittenwitze der Welt, über die im Pleistozän schon niemand gelacht hat, zum Besten geben.

Eines muss man zugeben - leichter wird es zum Bergfest nicht, da irgendetwas an Geschehen in den Container hineinzumoderieren: Nach einer vogelwilden Woche, einer Mischung aus Arzneistudie und Klassenfahrt, kehrte an Tag 7, ein beinah klassischer Verlauf des Formats, fast so etwas wie Ruhe ein. Die Rollen sind verteilt, die Feste gefeiert, es ist beinah schon Land in Sicht. Jetzt geht es nur noch ums Existentielle: Wer fliegt als Erstes raus? Bricht doch noch jemand zusammen? Und wird noch gepudert?

"Promi Big Brother": Maria Hering und Zachi Noy sind raus

Die Fragen kann man getrost der Reihe nach beantworten: Die ersten beiden, die nun wieder zusehen müssen, wie sie draußen klarkommen, sind Maria Hering und Zachi Noy. Die psychedelische Fashion-Fraktion, sie in Hosenanzügen aus dem Fundus alter Schulmädchen-Report-Filme, er in Hawaiihemden, die nicht mal Jürgen von der Lippe angezogen hätte, muss wieder in der realen Welt lustwandeln. Das letzte Viertelstündchen Ruhm ist vorüber, ein weiteres Viertelstündchen und hat man die beiden vollends wieder vergessen.

Vor dem Zurückgleiten in ihren normalen Aggegratszustand sind, so scheint es, auch die Kollabierungszustände vorerst durchlitten: Auf die reduzierte Nikotinmenge hat man sich ebenso eingestellt wie auf die Stimmlage des Nebenmannes, der Blutzucker hat sich an die Gegebenheiten angepasst, selbst die irrwitzigen Monologe einer Sarah Kern, die mittlerweile partiell in Französisch stattfinden, kratzen niemanden mehr.


Sarah Knappik und Dominik Bruntner: "Du bist schon wertvoll für mich hier drin"

Bleibt die Frage nach dem alten Rein-Raus-Spiel und hier handelt es sich um das letzte, verbliebene Spurenelement, dem noch so etwas wie ein wenig Restspannung innewohnt. Sarah und Dominik verstricken sich zusehends im Nachspielen einer alten Ost-West-Liebe: Getrennt durch die Mauer, dennoch irgendwie in Hörweite, werden sich da durch die heruntergelassenen Rolläden krude Gefühlsbekundungen zugerufen. „Du bist schon wertvoll für mich hier drin“. „Ja, du fehlst mir auch“. Grins. Seufz. Klimper. Nicht auszudenken, wenn da nun auch noch echte Gefühle hinzukommen.

Die wiederum könnte man fast vermuten, wenn man sich das Geplänkel zwischen Evelyn und Willy - allein die Namen wie aus dem abgelehnten Manuskript eines „Lore“-Romans - so anschaut: Während ihm die Magenfalten stündlich neue Brüche ins Gesicht zeichnen, hört man ihren Theoremen, in Ermangelung von Entertainment, inzwischen fast schmunzelnd zu. Man muss sich jemanden aus dem Showbiz suchen, ein anderer Partner kommt nicht mit einem klar. Safer Sex ist „irgendetwas Galaktisches“ und am Ende werden wir hier drin alle La-La!

Camping-Koitus bei "Promi Big Brother": Die Hoffnung lebt

Wenn das so weitergeht, kommt es hier vielleicht tatsächlich noch zum Vollzug, Marke Camping-Koitus. Hastiges Grabbeln unterm McKinley-Schlafsack, kompaktes Knattern mit Socken an, den Ellenbogen im Gesicht des Nebenschläfers, in diesem Falle Claudia, die das ganze, ihrem chronisch angesäuselten Naturell entsprechend, entspannt sieht: „Macht nichts, was ich nicht auch gern tun würde."

Sonst noch etwas? Eine wagenrad-große Pizza wird im „Nichts“ bejubelt wie ein Siegtreffer in der Nachspielzeit. Der zunehmend gewichtsreduzierte Jens sieht bei schlechtem Lichteinfall im Gesicht zuweilen aus wie ein liebevoll hergerichtetes Präparat im Völkerkunde-Museum und Silikon ist schwerer … Moment, mal … das hatten wir schon. Tja, dann war es das wohl tatsächlich erstmal.

Promi Big Brother 2017: Diese 12 ziehen in den TV-Container