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TV-kritik

"Promi Big Brother": "Ich find' mich geil" - Zlatko fliegt trotzdem und liefert ein Bademantelfinale

Sprechstunde bei Dr. Leifheit, Tobi macht Shopping und Joey versteht die Welt nicht mehr. Oder sollte man sagen: immer noch nicht. Am Ende geht Zlatko wie ein gebrochener Champion - im weißen Bademantel.

Von Ingo Scheel

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Das war es dann wohl erstmal wieder. Jetzt heißt es, erneut bald zwei Dekaden warten, bis man ihn wiedersieht, in irgendeiner Rummelbude, einem Container, an einem Lagerfeuer oder auf einem Rastplatz hinterm Kamener Kreuz. Eine Woche lang standen die "Luxis" und die "Zeltis" im Banne des Z, schaute man Zlatko bei seinen Weinproben, beim autogenen Nippel-Triezen, beim Quarzen, Schimpfen, Schludern zu, nun ist der große Coup vom Comeback schon wieder Geschichte. Vor drei, vier Tagen noch als sicherer Sieger gehandelt, hat Zlatko sich zwischen entspanntem Saufi-Saufi und Filterzigaretten zurück ins Dasein als Privatier gemotzt.

Wir erinnern uns - oder auch nicht: Auf satte 41 Tage im Haus hatte es der Quatschelor anno 2000 in der ersten "Big Brother"-Staffel gebracht, vor ihm musste eine gewisse Jana die WG verlassen, nach ihm ging eine gewisse Jona. Diesmal also lediglich eine gute Woche und aus, aus, aus war das Spielchen. Ich verpiss mich wie die Hölle, das Motto. Zugegeben, die üppigen Breitseiten gegen Joey Weindle waren nicht comme il faut, doch wo sein Abschied anno dunnemals Rest-Unterhaltung versprechende Lichtgestalten wie seinen Ex-Kumpel in spe, den Jürgen, dazu den hochviril veranlagten Alex Jolig oder die dauerschluchzende Manu Schick zurückließ, schaut man nun also Trovato beim Trovato-Sein, dem Tobi beim Bananen-Kauf zu oder versucht, die Halstattoos von Chris zu entziffern.

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Vogelwild: Ginger zeigt sich in Strapsen

Viel mehr wird es nicht sein, das steht fest - allein beim Blick auf den Splitscreen mit dem Luxusbereich auf der einen und der Camping-Klitsche auf der anderen Seite, stellte man sich die Frage, wo eigentlich die Bildschirmschoner-DVD mit der Aquarium-Optik gelandet ist, um vielleicht mal wieder ein bisschen Leben in die Bude zu bringen. Rest-Mühe unter den Kombattanten ist ja durchaus vorhanden. Die vogelwilde Ginger etwa kramte sich, vom Dasein auf der Sonnenseite ganz kirre geworden, durch ihren Kleiderkoffer und führte Couture-Exponate, eines dekolletierter als das andere, im 60-Sekunden-Takt vor.

Sylvia Leifheit, milde Mediatorin zwischen den angehärteten Fronten, hatte Sprechstunde und versuchte in den Rückführungsmonologen vom Joey etwas Analysierbares herauszulesen. Irgendetwas, das einen Anhaltspunkt gibt, warum der einstige Dschungelkönig "einfach nur Frieden möchte" in einer "Welt aus Dornen und Feuer", und dabei ganz bestimmt so "nett ist, wie er wirkt" - während Chris lediglich konstatiert, dass er "ein Achtjähriger" ist, dem man "den Teddy weggenommen hat".

Homophobe Detektiv-Spielchen

Und während Zlatko noch am Grauburgunder nippt und nicht nur seine Gehirnkapazität, anders noch als anno 2000, in den höchsten Tönen preist, sondern auch in Sachen Selbstbewusstein voll auf der Höhe ist - "Ich find' mich geil" - versuchte sich Jürgen Trovato an einer Deutungstheorie hinsichtlich Zlatkos sexueller Orientierung. Krude, verrückt, homophob - Trovato eben.

Zum Shoppen in den Minimarkt musste diesmal Tobi, dessen Penny-Performanz in Sachen Obsteinkauf auch noch ein wenig Luft nach oben hatte. Dafür ging es beim Saalspiel, der "Schmierschanzentournee", im Duell gegen Zlatko, einigermaßen unterhaltsam zur Sache. Regelmäßige Bigbrotheristen und Dschungelcamp-Gucker wissen es seit ehedem: Immer ein schlechtes Zeichen, wenn man sich besser an die Challenges erinnert als an den Lagertalk.

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Zlatko mit Bademantelfinale

Ins Duell der möglichen Rauswurf-Kandidaten trieb es am Ende, zumindest namentlich von fast historischen Ausmaßen, den Jürgen und den Zlatko. Und während man sicher war, dass es bei diesem Direktvergleich doch nur einen Sieger geben könne, gab es den schließlich auch - und sein Name war Zlatko. Quel surprise, auch für den Betroffenen selbst, das war kaum zu übersehen. Ein paar letzte Umarmungen hier, ein Tätscheln zum Abschied dort und dann war es das.

Es bleibt die Schlusseinstellung, ein Bild, das die Zeit überdauert und seien es nur drei, vier Tage. Zlatko im weißen Bademantel auf dem Weg zurück ins normale Leben, wie einst Udo Jürgens bei der Zugabe. Das ehrenwerte Haus, es wird die zweite Woche ohne Sladdi überstehen müssen. Sollte klappen.