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TV-Tipp 4.12.: "Rumble Fish": Coppolas Stinkefinger ans Mainstream-Kino

Dieser Film war zu modern für seine Zeit: 1983 floppte Francis Ford Coppolas "Rumble Fish" an den Kinokassen. Zeit für eine Wiederentdeckung - mit einem noch völlig unzerknitterten Mickey Rourke.

Patterson, der Polizist (William Smith, l.), wartet nur darauf, Rusty James (Matt Dillon, M.) und seinem großen Bruder, dem Motorrad-Typen (Mickey Rourke), etwas nachweisen zu können.

Patterson, der Polizist (William Smith, l.), wartet nur darauf, Rusty James (Matt Dillon, M.) und seinem großen Bruder, dem Motorrad-Typen (Mickey Rourke), etwas nachweisen zu können.

"Rumble Fish" 22.25 Uhr, 3Sat
DRAMA Aus finanzieller Sicht war "Rumble Fish" ein Debakel. Die Kinos blieben leer, die Kritiker zuckten ratlos mit ihren Schultern. Was hatte der große Francis Ford Coppola, der Mann, der den "Paten" und "Apocalypse Now" zu verantworten hatte, ihnen da vor die Füße gekotzt?

Einen ziemlich guten Film, der seiner Zeit weit voraus war.

"Rumble Fish" erzählt die Geschichte von Rusty James (Matt Dillon), dem jungen Anführer einer Motorradgang in einer US-Kleinstadt, und seinem von ihm vergötterten älteren Bruder (Mickey Rourke, noch völlig unzerknittert), der nur "Motorcycle Boy" genannt wird. So weit, so häufig gesehen.

Was "Rumble Fish" aber von seinen Vorgängern abhebt, ist Coppolas Entscheidung, voll auf Stil und Visualisierung zu setzen. Spitze Kamerawinkel, harte Schwarzweißkontraste und ein exzessiver Gebrauch von Nebelschwaden wecken Erinnerungen an das Kino des Deutschen Expressionismus und an den Film Noir. Dazu klingen die Dialoge im Film ungefähr so lebensecht wie aus den Mündern der "Dawson's Creek"-Teenager. "My brother is the coolest", schwärmt Rusty James seiner Freundin Patty (Diane Lane) vor. "But you are better than cool. You are warm", gibt die zurück.

Doch was 1983 noch das Mainstream-Publikum verstörte, ist heute längst in der Mitte des Kinos angekommen, der Erfolg von Tarantino oder Filmen wie "Sin City" und "Drive" beweist es. So wird "Rumble Fish" zu einem 80er-Streifen, der sich anfühlt, als wäre er erst im vergangenen Jahr herausgekommen. Geben Sie ihm eine Chance - auch wenn Sie alte Filme nicht mögen.

Ein PS für Freunde des filmischen Trinkspiels: Jedes Mal einen Kurzen trinken, wenn der Name "Rusty James" ausgesprochen wird. Ich garantiere Ihnen, Sie werden die ersten 15 Minuten nicht überstehen. Aber vorher noch schnell einen Blick auf Laurence Fishburne werfen! Mann, wie gertenschlank der damals war!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Ice Age"
20.15 Uhr, Vox
TRICKABENTEUER So sicher wie die Schneeschmelze im Frühjahr: Rechtzeitig zur Adventszeit rutschen drei unerschrockene Urzeittiere in die gefährlichste Mission seit der Nussjagd eines Streifenhörnchens. "Ice Age 5" soll im Sommer 2016 in die Kinos kommen. (bis 22.00)

"Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa"
23.35 Uhr, MDR

DRAMA Gilbert (Johnny Depp) opfert sich für seinen geistig behinderten Bruder (Leonardo DiCaprio) und die labile Mutter auf. Becky (Juliette Lewis) lehrt ihn, auch an sich selbst zu denken. - Famose Besetzung und traumhafte Bilder von Kameramann Sven Nykvist. Auch stern-Redakteurin Viktoria Meinholz ist begeistert. (bis 1.25)