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"Sarah & Marc crazy in Love": Abschied ohne Tränen

Zum Finale der Doku-Soap "Sarah & Marc crazy in Love" trug das singende Promi-Paar Sarah Connor und Marc Terenzi noch einmal richtig dick auf. Pseudo-Romantik, nervige Liebesschwüre, hohle Sprüche. Am Ende bleibt eine sexuell-romantische Beziehung, die sich schneller aufgelöst hat als eine Brausetablette im Wasserglas.

Von Sylvie Sophie-Schindler

"Ich bin total aufgeregt", sagte Sarah Connors Schwesterchen Lulu. Kurz darauf folgte: "Ich bin total aufgeregt." Und schließlich: "Ich bin total aufgeregt." Kommt da sonst noch was? Und sprechen Menschen im Fernsehen überhaupt noch Sätze, die man seinen Kollegen und Freunden am nächsten Tag gern weitererzählt? Mag sein, dass irgendwo noch ein paar TV-Trüffel herumliegen. Nur mit Sicherheit nich in der Pseudo-Schnulzen-Doku "Sarah & Marc Crazy in Love".

Man darf bezweifeln, dass irgendwer dieser Fernseh-Belanglosigkeit nachtrauert. Nichts also mit einer Umsatzsteigerung von Papiertaschentüchern. Auch wenn die Zuschauer acht Wochen lang beherzt vor den Bildschirmen hockten. 14,4 Prozent der 14- bis 49-Jährigen sahen durchschnittlich zu, wie Sarah Connor und Marc Terenzi ihr Honey-Honey-Leben filmen ließen. In der jungen Zielgruppe - 14 bis 29 Jahre - tummelten sich sogar 25 Prozent vor der Glotze. Manchmal gibt es Dinge im Leben, bitteschön finden wir uns damit ab, die kann man einfach nicht erklären.

Was bleibt? Diese Frage stellt man sich gern, wenn eine sexuell-romantische Beziehung sich aufgelöst hat wie eine Brausetablette im Wasserglas. Es wird jedoch ausdrücklich davor gewarnt, sich nach dem Abschied von Sarah und Marc mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Denn, und das mag äußerst brutal sein, es bleibt - nichts. Das wöchentliche TV-Date mit dem vermeintlichen Celebrity-Paar hinterlässt eine Leere wie sie sonst nur in Paris Hiltons Gehirn herrscht.

Wenn die beiden Mikrofonhalter wenigstens "Crazy in Love" gewesen wären. So richtig echt, so total verrückt nacheinander, so wie man sich eben verhält, wenn man verliebt ist bis über beide Ohren, vielleicht hätte es gereicht, die Herzen zu bewegen. Rosamunde Pilcher goes Delmenhorst. Aber so, wie das Träller-Paar seine Liebe inszenierte, also ehrlich, sogar Soap-Opera-Darsteller kriegen das besser hin.

Dieses ständige "Honey" und "I Love You" ging einem so dermaßen auf die Nerven wie der Wecker, der früh am Morgen klingelt. Nicht zu vergessen: Überraschungsbesuche. Was wurde da hin- und hergeflogen und einander überrascht. Die Sache hatte natürlich Methode: von hinten anschleichen, Hände auf die Augen legen, sich wundern, na, wer ist denn das, bist du es, ja, ich bin es. Ach so, du bist es ja wirklich. Weil die Kameras gerade da sind, freue ich mich trotzdem. Und dann sage ich den Satz, den ich so hübsch auswendig gelernt habe und ich sage ihn auf, so oft ich nur kann: "Damit habe ich nicht gerechnet."

Dieses nette Spielchen fehlte natürlich auch in der letzten Folge nicht. Gar nicht zur Sprache kam hingegen, dass Marc angeblich gern mal seine Finger fremd wandern lässt - auf anderen Frauenkörpern. Die Klatschblätter waren voll davon. Doch Schweigen in der Doku-Soap. Statt Paartherapie: Sarah kümmert sich darum, Schwesterchen Lulu zum Popstar zu züchten.

Ach, die gute Lulu. Mindestens so "crazy" wie die Sarah. Es soll hier ausdrücklich nicht wiederholt werden, was Lulu via Sprache von sich gibt, wenn sie gerade keinen Kaugummi drin hat und den Mund aufmacht. Siehe oben. Gottlob hat sie sich entschlossen zu singen. Keine Offenbarung, aber immerhin ist das Kind dann beschäftigt und weg von der Straße. Die Formel für den perfekten Auftritt formulierte Sarah übrigens so: "Haare, Make-up, Windmaschine."

Auf der Bühne wirkte Lulu trotzdem als wäre sie Jeanette Biedermann kurz vor der Rente. Vielleicht lag es ja am falschen Lidschatten: "Dunkelrot - was ich überhaupt nicht trage", jammerte Lulu. Überhaupt, so wie Lulu vor ihrem Auftritt schimpfte und flennte, glaubte man fast, sie hätte die Sendung verwechselt, in der sie mitspielt. Deshalb noch einmal extra der Hinweis: "Germany's Next Topmodel" macht gerade Pause.

Deutschland sucht auch gerade keinen Superstar. Zumindest nicht in Sarahs und Marcs Sendung. Trotzdem singen die beiden, weil es gerade wieder etwas Neues zum Singen gibt - die aktuellen Alben sind raus. Die beiden cleveren Showhasen denken sicher, wenn wir unsere Songs den Leuten nur lange genug um die Ohren schlagen, dann rennen sie garantiert in die Läden und raufen sich unsere CDs. Toller Trick. Ehrlich. Man kann es allerdings auch übertreiben.

Mit dem Ergebnis, dass das Finale der Celebrity-Staffel einer seltsamen Kreuzung aus MTV-Sendung und Musical glich. Höchste Zeit, endlich die richtigen Worte des Abschieds zu finden. Warum aber lange das Gehirn zermartern, wenn Sarah Connor höchstpersönlich einen Kommentar abliefert: "Das ist unser Leben. So ist es einfach."