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"Sarah & Marc Crazy in Love": Hormonwallung im Garten

Da besorgt Marc Terenzi seiner Sarah zum Geburtstag einen Feuerschlucker, und sie verfällt trotzdem in Schnappatmung, wenn der Aushilfsgärtner seine Muskeln spielen lässt. Aber was hat "Sarah & Marc Crazy in Love" eigentlich mit der "Sendung mit der Maus" zu tun?

Von Sylvie-Sophie Schindler

Es soll Männer geben, die vergessen den Geburtstag ihrer Frau. Dass die Evolution diese Spezies hervorbringt, ist ein ähnliches Rätsel wie das Fortbestehen der Frauengattung, die in Tränen ausbricht, wenn ein Fingernagel splittert oder, schlimmer noch: wenn die Farbe der Handtasche nicht mit der des Lippenstifts korrespondiert.

Männer, die mit der Fantasie einer Nacktschnecke ausgerüstet sind, schenken ihrer Liebsten zum Ehrentage nachträglich einen Strauß roter Rosen inklusive Lieblingsparfüm. Und dann gibt es Männer wie Marc Terenzi. Männer, die sich das Datum nicht nur merken, sondern zum Ehefrau-Geburtstag mit Requisiten auffahren, als würden sie eine Liebeskomödie mit Cameron Diaz drehen.

Da wird die Angebetete in ein sexy Kleidchen gesteckt, eine Kutsche bestellt, natürlich brennen überall Kerzen, eine Torte in Herzform wird angekarrt, und ein Feuerschlucker zeigt, was er so draufhat. So gesehen in Teil drei der ProSieben-Dokusoap "Sarah & Marc Crazy in Love". Männer, die ihre Herzensdame noch nie auf diese Weise überrascht haben, können nur beten, dass sie gestern nicht ferngesehen hat. Andernfalls könnte es beim Frühstückskaffee Beschwerden geben wie "Schatz, warum hast du noch nie einen Feuerschlucker zu meinem Geburtstag bestellt?"

"Früher war das anders"

Ob Marc tatsächlich so ein Hardcore-Romantiker ist, sei dahin gestellt. Möglicherweise hat er keine andere Wahl, denn es ist kaum vorstellbar, dass Sarah über ein paar Blümchen in ekstatische Jubelschreie ausbrechen würde. Allein, dass Marc an ihrem Geburtstag verschläft und kein Frühstück macht, nimmt sie nur mit Gemurre hin. Überhaupt, auch wenn die beiden noch so "crazy in love" sind, auch bei ihnen hat sich der Alltag eingeschlichen. Sarah plaudert erschreckende Intimitäten aus. Etwa, dass inzwischen weder sie noch Marc Lust haben, einander zu massieren. Als sie sich dann doch dazu überwindet - die Kameras sind selbstredend dabei - gerät Marc nicht etwa in wilde Ekstase, sondern schläft währenddessen ein. Sarahs Kommentar: "Früher war das anders."

Natürlich bleibt die Frage der dramaturgischen Inszenierung, und natürlich - und das ist wohl der Sinn von Sendungen wie diesen - stellt sich diese Frage ständig. Außer wenn die Angelegenheit so offensichtlich ist, dass keine Zweifel mehr aufkommen.

Die Muskeln des Gärtners

Mag sein, dass Sarah Connor tatsächlich einen Gärtner zur Urlaubsvertretung gesucht hat. Geschickt wurde ihr aber ein Kerl, der aussieht wie ein Second-Hand-Chippendale-Stripper, der wohl bislang eine Karriere als Karteileiche in einer Agentur für Kleindarsteller hinter sich hat. So viel guten Willen kann man gar nicht aufbringen, um diesem Muskelwesen seine Rolle als Pflanzenpfleger abzunehmen. Aber wenigstens erfüllt der Typ seinen Zweck: Sarah kriegt eine Hormonwallung, die sie sonst nur beim Kauf neuer Schuhe überfällt, und Ehemann Marc reagiert mit der gewünschten Eifersucht. Einziger Pluspunkt für den Gärtner: Er bringt Sarah bei, dass es sich nicht empfiehlt, bei Gartenarbeiten pinkfarbene High Heels zu tragen. Eine Information, die Sarah übrigens überrascht.

Auch sonst können Menschen, die ihr Leben bislang auf einem anderen Planeten verbracht haben, sehr viel lernen. Wer braucht noch die "Sendung mit der Maus", wo es doch die "Sendung mit der Sarah" gibt. Und Marc ist der kleine blaue Elefant. Während einer harmlosen Grillfeier an einem See rücken plötzlich Feuerwehrleute an - möglicherweise ebenfalls Karteileichen in einer Agentur für Kleindarsteller, die aufgrund fehlender Muskelmasse für die Rolle des Gärtners nicht in Frage kamen, aber zumindest im Feuerwehr-Overall zwei Sätze sprechen dürfen. Die Lektion: Offenes Feuer am Badesee ist verboten. Sarah wundert sich, als hätte man ihr gesagt, dass es auch Schuhe gibt, die 19,90 Euro kosten.

Kleiner blauer Elefant

Der kleine blaue Elefant Marc ließe sich, und hier zeigen sich seine beachtlichen Talente, auch noch für andere Sendungen einspannen: beispielsweise für "Telekolleg". Wer englischer Muttersprachler ist und keine Lust hat, richtig Deutsch zu lernen, dem zeigt Marc, wie man seiner Muttersprache treu bleibt und trotzdem so tut, als würde man Deutsch sprechen. Hier eine Auswahl seiner typischen Sprach-Fusionen: "Ein bisschen Long Journey". Oder: "Eine Time-Reise durch unsere Vergangenheit". Oder auch: "Das ist ein Horror-Birthday." Das reicht vielleicht, um sich im Alltag durchzuwurschteln, aber was den deutschen Einbürgerungstest betrifft, dürfte es knapp werden. Da helfen dann auch keine Aphorismen, die Marc beizeiten von sich gibt und die selbst Philosophen wie Schopenhauer in den Schatten stellen: "Es gibt Tage, da geht alles schief." Behaupte da noch einer, es lohne sich, einzuschalten.

  • Sylvie-Sophie Schindler