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"Simpsons": Anke krächzt die Marge

Sie ist gelb, hat eine blaue Turmfrisur und trägt immer dasselbe hellgrüne Kleid: Marge Simpson. Nun lernt die wohl bekannteste Zeichentrick-Mutter der Welt das Sprechen neu - dank einer angestrengten Anke Engelke.

Von Thomas Krause

Ihre ersten neuen Worte spricht Marge Simpson im Auto, neben ihr sitzt Gatte Homer. Die erste Überraschung: Ihre Stimme klingt gewohnt rau, also nicht viel anders gewohnt. Nur eine Nuance angestrengter, etwas krächzig und brüchig. Was an Anke Engelke liegt, der neuen Synchronsprecherin von Marge Simpson, der wohl bekanntesten Zeichentrick-Mutter der Welt. "Ich bin schon ganz gelb vor lauter Vorfreude", sagte Engelke schwärmend, bevor sie mit der Synchronisation begann. "Es ist eine supergroße Ehre, Marge zu sprechen."

Engelke beerbt mit der Folge "Ein perfekter Gentleman" die Schauspielerin Elisabeth Volkmann, die im Juli 2006 verstorben war, bevor sie die aktuelle Simpsons-Staffel für das deutsche Fernsehen zu Ende synchronisieren konnte. Und so erleben die Fans der Serie an diesem Sonntag gleich zwei Premieren: Zum Einen spricht Anke Engelke die Frau mit gelber Haut und lockiger Turmfrisur, zum Anderen nehmen die Simpsons an einer Fernsehsendung teil, bei der die Mütter zweier Familien ausgetauscht werden. Und während bei den Simpsons ein strengeres Regiment Einzug erhält, wird Marge, mal wieder, heftigst umflirtet. Beim Synchronisieren orientiert sich Engelke eher am amerikanischen Original als an ihrer deutschen Vorgängerin: "Ich muss gestehen, dass ich 'Die Simpsons' meistens im englischen Original schaue. Ich habe großen Respekt von Julie Kavner, sie ist eine meiner absoluten Lieblings-Schauspielerinnen", sagt Engelke.

Für die Zuschauer dürfte zweitrangig sein, ob Volkmann oder Kavner den Bezugspunkt für den neuen Marge-Sound bilden: Alle drei Stimmen sind sich sehr ähnlich. Das ist ein kleiner Nachteil für Engelke, die eigentlich nur verlieren kann: entweder, sie kopiert jemanden oder sie stülpt Marge Simpson eine neue Stimme über, wobei letzteres wohl Proteste vieler empfindlicher Fans zur Folge gehabt hätte.

So gesehen haben die Verantwortlichen die richtige Entscheidung getroffen, als sie sich für die erste Variante entschieden haben. Dennoch bleibt zu hoffen, dass Anke Engelke den Mut beweist, stärker einen eigenen Sprechstil zu entwickeln. Denn die hörbar angestrengte Stimme von Marge wird auf Dauer bestimmt stressig - nicht nur für die Synchronsprecherin.