Michel Friedman persönlich zu treffen, ist immer eine Herausforderung. Einerseits, weil er so ist, wie man ihn sich vorstellt, von scharfem Verstand und jener gewissen Unerbittlichkeit in seinen Fragen und Nachfragen.
Doch da ist auch eine andere Seite, die er erst nach und nach in seinen jüngeren Buchveröffentlichungen der Öffentlichkeit preisgegeben hat: ein sensibler Mensch, der seine Verletzungen sichtbar macht und einen erneut damit auf die Probe stellt. Schließlich gilt es, sich auch dieser besonderen Haltung gegenüber zu verhalten.
Michel Friedman feiert seinen Geburtstag in einem Berliner Theater
Friedman beschreibt seine Kindheit als „eine traurige, komplizierte, die von dem Gefühl von Fremdheit geprägt wurde“. Er beschreibt dieses Gefühl der Fremdheit, welche durch Bewertungen einer Mehrheitsgesellschaft „zu einem politischen Empfinden wird“, und weit über seine persönliche Geschichte hinausreicht.
Michel Friedmans 70. Geburtstag wird wie ein kleiner Staatsakt auf großer Bühne in einem Berliner Theater begangen. Das hat sich nicht nur Friedman verdient, sondern auch jener Teil der deutschen Gesellschaft, der bereit war, von ihm zu lernen.